BRÜCKE UND DIE LEBENSREFORM

Die Künstler der BRÜCKE – Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Otto Mueller und Emil Nolde – begriffen ihr Schaffen als revolutionäre Tat. »Arm- und Lebensfreiheit« wollten sie sich verschaffen »gegenüber den wohlangesessenen, älteren Kräften«, so schreibt es Ernst Ludwig Kirchner in dem Manifest der Gruppe. Mit ihren unkonventionellen Bildthemen, ihren intensiven Farbklängen und ungestümen Kompositionen hoben sie sich von der akademischen Kunst ihrer Zeit ab. Dass die BRÜCKE dennoch Teil einer großen gesellschaftlichen Strömung war, blieb bislang weitgehend unbeachtet. Nun wird erstmals dieser intensive Zusammenhang zwischen BRÜCKE und der LEBENSREFORM in einem Museum zur Darstellung gebracht. Dabei wird erkennbar, dass Ökokult und sexuelle Befreiung nicht erst bunte Blüten der 1960er-Jahre sind. Vielmehr ist das Gedankengut der Hippie-Bewegung tief in der europäischen Kulturgeschichte verankert. In Deutschland verbreitete sich Ende des 19. Jahrhunderts die Auffassung, dass die Industrialisierung die Menschen krank mache, und dass die Hinwendung zur Natur Genesung verspreche. Um 1900 gehört dieser Grundgedanke der LEBENSREFORM zum ideellen Gemeingut des Bürgertums. Auf drei Etagen macht das BUCHHEIM MUSEUM nun mit über 150 Exponaten aller künstlerischen Gattungen, ein Großteil davon Leihgaben, den Zusammenklang von BRÜCKE und LEBENSREFORM erlebbar. Die Ausstellung wurde eigens für Bernried kuratiert von Kai Schupke. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Ernst Ludwig Kirchner Archiv und der Galerie Henze & Ketterer in Wichtrach bei Bern.

Daniel J. Schreiber, Direktor des Buchheim Museums
Wolfgang Henze, Ernst Ludwig Kirchner Archiv / Galerie Henze & Ketterer
Kai Schupke, Kurator der Ausstellung, Galerie Henze & Ketterer

RICHTIGSTELLUNG DER BAYERISCHEN STAATSGEMÄLDESAMMLUNGEN VOM 28. JUNI 2016

Zum Artikel von Catrin Lorch und Jörg Häntzschel: „MÜNCHNER RAUBKUNST-BASAR“, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG VOM 25./26. JUNI 2016
Die in dem SZ-Artikel angesprochenen Überweisungen aus Staatsbesitz stehen besonders im Fokus der Provenienzforschung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Diese aus den Kunstsammlungen der NS-Führungselite und Parteibesitz stammenden Werke wurden von der US-Armee zunächst in den Central Collecting Point in München verbracht. Hier erfolgten umfangreiche Untersuchungen mit dem Ziel, Raub- und Beutekunst den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Befindet sich also heute noch Raub- oder Beutekunst unter den „Überweisungen aus Staatsbesitz“, so handelt es sich um komplexe Fälle, die von den Experten im Collecting Point nicht geklärt werden konnten. Mit der Auflösung der NSDAP und der Enteignung der hochrangigen Nationalsozialisten gingen die Kunstwerke je nach Auffindungsort an den Bund oder in das Eigentum des Freistaates Bayern über. Diese Vorgehensweise betraf im Übrigen nicht nur Kunstwerke. Der Freistaat erhielt beispielsweise auch die Parteibauten, Hitlers Privatwohnung am Prinzregentenplatz oder die Rechte an „Mein Kampf“. Die bayerische Staatsregierung überließ die Kunstwerke als „Überweisungen aus Staatsbesitz“ den Pinakotheken.
Die Staatsgemäldesammlungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten intensiv der Provenienzrecherche gewidmet und kamen zu klaren Ergebnissen:
Bereits 2004 erschien der Provenienzbericht „Die Kunstsammlung Hermann Görings“, der jene 142 Werke umfasst, die den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen seit der Nachkriegszeit als sogenannte „Überweisungen aus Staatsbesitz“ überantwortet wurden. Alle Werke sind seit 2007 wegen Raubkunstverdacht bei www.lostart.de gemeldet. Seit 2013 werden weitere 740 Werke aus den Sammlungen der NSDAP und hochrangiger Nationalsozialisten von zwei aus dem Museums- und Ministeriumsetat finanzierten Wissenschaftlerinnen bearbeitet. Aufgrund kontinuierlicher Forschungen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen konnten sich die Zahl der auf www.lostart.de gemeldeten Werke seit 2007 verdoppeln und bis heute auf 236 gemeldete Werke erhöhen. Gleichzeitig wird über die Rekonstruktion und Kontextualisierung der Entscheidungs-prozesse geforscht, die nach dem Zweiten Weltkrieg dazu geführt haben, dass Kunstwerke aus NS-Besitz in den Museumsbestand gelangt sind. Diese für den weiteren Umgang mit den „Überweisungen aus Staatsbesitz“ und die Vermittlung dieses Themas in der Öffentlichkeit bedeutende Fragestellung spielte überraschenderweise auch in der Geschichts-wissenschaft bislang keine Rolle. 2016 sollte dieser Teil des Projektes zu einem Abschluss kommen und in eine Veröffentlichung münden. Der plötzliche Tod des erst 32-jährigen zuständigen Mitarbeiters am 4. November 2015 unterbrach das Projekt; zum 1. Juli 2016 kann die Stelle nachbesetzt werden.
Bereits im Jahr 2000 erschien „Die Kunstsammlung des Reichsmarschalls Hermann Göring. Eine Dokumentation“, in der Edda Görings Ansprüche thematisiert wurden. Die Verkäufe 1966/67 von „Göring-Werken“ sind wie oben erwähnt bereits seit 2004 in der Publikation der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit dem Titel „Die Kunstsammlung Hermann Görings“ dokumentiert. Weiter erschienen 2008 und 2009 die Publikationen „Raub und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute“ und „Der Eiserne Sammler. Die Kollektion Hermann Göring. Kunst und Korruption im „Dritten Reich“ in denen ausdrücklich auch auf Ansprüche von Emmy und Edda Göring sowie auf Rückgaben von Kunstwerken an Emmy und Edda Göring wie auch Verkäufe/Versteigerungen von Bund und Bayern ab 1963 bis 1997 hingewiesen wird.
Die Behauptung, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen würden ihre Geschichte nicht aufarbeiten und arbeiten nicht transparent, ist falsch.
Zum Vermögensentzug von Heinrich Hoffmann befinden sich im Archiv der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen folgende Informationen:
1952 wurden insgesamt 255 Gegenstände aus dem Besitz von Heinrich Hoffmann an das Land Bayern, vertreten durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, übertragen. Später kamen noch 7 Skulpturen von Gut Gufflham dazu, weswegen sich die Zahl auf 262 Objekte erhöht.
1953 erwirkte Heinrich Hoffmann, dem als Hauptschuldiger im Spruchkammerverfahren sein gesamtes Vermögen eingezogen worden war, eine Neu Einstufung seiner Person, woraufhin ihm 20% seines Vermögens wieder zugesprochen werden. Dies führte zu einer Schätzung der Werke aus der ehemaligen „Sammlung Hoffmann“, nicht zuletzt auch deshalb, da Heinrich Hoffmann seinen Anteil gerne in Sachwerten – also auch Kunstwerken – wieder erlangen wollte. Im Mai 1954 erhielt Heinrich Hoffmann 20% seines Besitzes in Form von 12 Bildern zurück. Weitere Bilder, die vor dem Krieg seinem Sohn, seiner Tochter und einem Masseur geschenkt worden waren, wurden in der Folgezeit ebenfalls zurückgegeben.
Am 30.10.1956 kam die Anweisung von der Finanzmittelstelle, fast alle Bilder aus dem Besitz von Heinrich Hoffmann an ihn zurückzugeben. Tatsächlich übergab die Treuhandverwaltung von Kulturgut am 11.3.1959 nur noch 13 Objekte mit der Provenienz Hoffmann an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. 1962/3 wurden weitere sieben Skulpturen aus dem Hoffmann‘schen Besitz von Gut Gufflham in die Sammlung der Staatsgemäldesammlungen aufgenommen. 1962 wurden sieben Kunstwerke mit ministerieller Genehmigung veräußert,, wovon Henriette Hoffmann fünf erwarb.
Zum derzeitigen Zeitpunkt besitzen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen fünf Bilder und sieben Skulpturen mit Provenienz Heinrich Hoffmann, acht dieser Werke sind seit September 2013 wegen Raubkunstverdacht auf der Seite von www.lostart.de eingestellt.
Quellen zu Heinrich Hoffmanns Vermögensentzug befinden sich im Staatsarchiv München und Bayerischen Hauptstaatsarchiv sowie im Bundesarchiv in Koblenz.
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sind bemüht, diese wichtige Aufarbeitung der eigenen Geschichte, die auch die Geschichte des Freistaats und der Bundesrepublik Deutschland ist, weiterhin so transparent wie möglich zu gestalten. Mehrfach wurden in der Vergangenheit Pressemitteilungen mit Teilergebnissen herausgegeben (2014); in Vorträgen und Aufsätzen wurde das Projekt in der Öffentlichkeit bekanntgemacht. Auch die Medien haben das Thema der sogenannten Überweisungen aus Staatsbesitz mehr als einmal aufgegriffen (Der Spiegel, 27.1. 2013, Artikel von Steffen Winter; Bayerisches Fernsehen, Sendung von Julia von Schwerin im Januar 2014 („Der Institutsspaziergang“); Bayrisches Fernsehen Sendung von Michael Bauer im Februar 2014 zu Spitzweg). Gemeinsam mit Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen auch 2014 zu einem Pressegespräch zu diesem Thema eingeladen.
Bereits im Juli 2011 hat die Commission for Looted Art, vertreten durch Anne Webber, von den Staatsgemäldesammlungen und dem Staatsministerium alle Unterlagen zum 1962 vom Finanzministerium genehmigten Verkauf der Gemälde an Henriette von Hoffmann-Schirach, die sich bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen befinden, erhalten. Weitere Informationen zum Vorbesitzer oder späteren Eigentümern nach Heinrich Hoffmann/Henriette Hoffmann-Schirach sind in den Unterlagen im Archiv der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen nicht vorhanden.
Seit der Washingtoner Konferenz von 1998, an der die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als einziges deutsches Museum mit einer Vertreterin teilnahmen, betreiben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Provenienzforschung.
Es ist erklärte Absicht des zuständigen Ministeriums und der Direktion der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, unrechtmäßig entzogenes Eigentum an die Eigentümer bzw. deren Nacherben zu restituieren bzw. im Geiste der Washingtoner Prinzipien faire und gerechte Lösungen zu finden. Die Staatsgemäldesammlungen untersuchen proaktiv alle Gemälde und Skulpturen, die nach 1933 erworben und vor 1945 entstanden sind. Dabei handelt es sich um die vorhandenen Bestände der drei Pinakotheken, der Schack-Galerie und der zwölf Zweiggalerien. Daran wird derzeit mit vier aus staatlichen Mitteln finanzierten Mitarbeitern in einem eigenen Referat für Provenienzforschung geforscht.
Generaldirektor Dr. Bernhard Maaz gehört zu der Generation von Kunsthistorikern, die zu den entschiedenen Befürwortern der Washingtoner Erklärung gehören. Bereits an seinen vorherigen Dienstorten Berlin und Dresden hat er sich mit größtem persönlichem Engagement für Restitutionen an Opfer des NS eingesetzt.
Provenienzforschung ist eine langwierige Arbeit, sie erfordert fachliche Qualifikation und größte Sorgfalt, da die Ergebnisse belastbar sein müssen. Für die Arbeit der Provenienzforscher im Haus ist der uneingeschränkte Zugang zu den Archivalien essentiell. Die Archivalien der Staatsgemäldesammlungen sind auf Anfrage und nach Terminvereinbarung selbstverständlich für Erben, Erbenvertreter und externe Forscher einsehbar. Unter anderem hat Jonathan Petropoulos für seine im Jahr 2000 erschienene Publikation „The Faustian Bargain“ hier im Haus arbeiten können; viele andere folgten nachweislich nach. Auch Catrin Lorch und Jörg Häntzschel, den Autoren des SZ-Artikels, wurde das gewünschte Material vollumfänglich vorgelegt, andernfalls wäre der Artikel kaum möglich gewesen.
Die Behauptung, die Archivalien der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen seien nicht zugänglich oder der Zugang würde verweigert, ist falsch.
Seit 1998 erfolgten 12 Restitutionen aus 8 Sammlungen, oftmals dank proaktiver Recherche der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, wie in den Fällen August Liebmann Mayer oder Julius Kien und im Fall Michael Berolzheimer, dem mit Unterstützung der Staatsgemäldesammlungen ein Münchner Rechercheteam zusammengestellt wurde. Es ist erklärte Absicht des zuständigen Ministeriums und der Direktion der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, unrechtmäßig entzogenes Eigentum an die Eigentümer bzw. deren Nacherben zu restituieren bzw. im Geiste der Washingtoner Prinzipien faire und gerechte Lösungen zu finden.
Die Behauptung, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen würden Restitutionen verhindern, ist falsch.

Kunstprominenz: Offener Brief für Chris Dercon

Okwui Enwezor, Leiter des Münchner Hauses der Kunst und 2015 auch künstlerischer Leiter der Biennale von Venedig, hat zusammen mit seinem Chefkurator Ulrich Wilmes einen Offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, verfasst. Weitere Prominente aus dem Kunstbetrieb wie Kasper König, Hans-Ulrich Obrist oder Adam Szymczyk sowie Filmemacher und Architekten haben den Brief ebenfalls unterzeichnet. Darin ergreifen sie Partei für Chris Dercon, der 2017 die Berliner Volksbühne als Intendant übernimmt. In München war Dercon am Haus der Kunst der Vorgänger von Enwezor, zuletzt leitete er bis 2016 die Tate Modern in London. Volksbühnen-Mitarbeiter hatten Dercon in einem Offenen Brief scharf angegriffen, da sie um ihre Arbeitsplätze fürchten. Bereits jetzt seien 20 bis 25 Verträge nicht verlängert worden, berichtet die Berliner Lokalpresse. Die „Berliner Zeitung“ spekuliert, unter dem künftigen Intendanten Dercon müssten von den derzeit 216 Mitarbeitern womöglich 50 das Theater verlassen. In ihrem Offenen Brief sprechen die Mitarbeiter von „Abwicklung“ und „Zerstörung“ und erklärten ihr Misstrauen gegenüber Chris Dercon. In der Repolik von Enwezor und den anderen Unterzeichnern wird die Berufung Dercons hingegen als „kühne und inspirierte Wahl“ gelobt. Der „Tagesspiegel“ kommentiert, dem bisherigen Museumsmann Dercon fehle in der Theaterszene „der Stallgeruch. Aber seine Unterstützer sind ebenso wenig Bühnenmenschen wie er. Das schwächt ihre Initiative, weil man denkt: Die verstehen doch auch nichts vom Theaterwesen. Man kann es aber auch anders betrachten: Wie wichtig ist die Stellung des Theaters, wenn die Kunstfraktion sich derart ins Zeug legt für einen der Ihren? Wo ist Dercon? Er müsste werben um die Volksbühne, Berlin jetzt schon bespielen und charmieren. Es ist allerdings sein gutes Recht, noch nichts zu sagen. Er befindet sich in der Vorbereitungsphase, kann seine Pläne noch nicht im Detail vorstellen. Ähnliches gilt für Neil MacGregor und das Humboldt-Forum. Auch er wird ständig unter Druck gesetzt, endlich sein ‚Konzept‘ vorzustellen…“ Quelle Kunstforum

DAS FOTOMUSEUM LANCIERT P3, DEN POST-PHOTOGRAPHY PROTOTYPING PRIZE

Das Fotomuseum Winterthur ruft heute einen neuen Preis ins Leben: den

Post-Photography Prototyping Prize, kurz P3. Er wird gemeinsam mit der

Julius Baer Stiftung ausgelobt und ab November 2016 alle zwei Jahre

vergeben. Der Preis soll junge KünstlerInnen unterstützen, die in dem unter

„Post-Fotografie“ bekannten Bereich der digitalen Kunst und Fotografie

Aufbauarbeit leisten.

 

P3 befasst sich mit den kreativen und konzeptuellen Möglichkeiten, die sich

in der Fotografie durch Computertechnologien eröffnet haben. Die Fotografie

ist heute primär eine algorithmische Form, eng verbunden mit Datenverarbeitung,

Vernetzung, der Präsentation auf multiplen Plattformen sowie

mit der Verschmelzung von unbewegten und bewegten Medien. Die Post-

Fotografie gestaltet sich äusserst vielfältig, lässt aber einige gemeinsame

Merkmale erkennen: eine Auseinandersetzung mit der Zirkulationskraft des

digitalen Bildes, die Bedeutung von Strategien der Aneignung und Appropriation

und das Interesse an mit der Grafik verwandten Prozessen der digitalen

Gestaltung. Auf der sozialen Ebene entzieht sich die Post-Fotografie

einer Definition über Sparten und wird von KünstlerInnen praktiziert, die mit

verschiedenen visuellen Medien und Entwicklungstechnologien arbeiten.

 

Vorauswahl

P3 will an Aspekte des Erforschens und Entwickelns der digitalen Kultur

anknüpfen und einen Impuls für die Anfertigung von Prototypen geben.

Im Frühjahr dieses Jahres wurden ausgewählte internationale ExpertInnen

gebeten, junge, im Bereich der Post-Fotografie tätige KünstlerInnen zu

nominieren. Die KandidatInnen reichten ihre Konzepte ein, fünf wurden von

einer Jury in die engere Auswahl genommen und werden in einer anschliessenden

Phase Prototypen entwickeln. Die ausgewählten KünstlerInnen

sind Faith Holland (USA), Brenna Murphy (USA), Simen Musæus (NO), Mario

Santamaría (ES) und Maximilian Schmoetzer (DE). Unter den eingereichten

Vorschlägen finden sich internetbasierte Projekte, virtuell erweiterte

Installationen oder modellierte virtuelle Umgebungen.

 

Preisvergabe in Winterthur

Die fünf Nominierten werden gebeten, ihre Konzepte in den nächsten

Monaten zu weiteren Prototypen auszuarbeiten. Die Gewinnerin oder der

Gewinner wird bei der Preisverleihung am 13. November 2016 in Winterthur

bekanntgegeben. Der Preis ist mit CHF 10’000 dotiert und soll der Entwicklung

und weiteren Ausgestaltung der ausgezeichneten Arbeit dienen.

 

Pressematerial und hochauflösende Pressebilder stehen unter presse.

fotomuseum.ch zum Download zur Verfügung. Für weitere Informationen

kontaktieren Sie bitte:

Melinda Por, +41 (0)52 234 10 74, por@fotomuseum.ch

 

Fotomuseum Winterthur

Das Fotomuseum wurde 1993 in Winterthur gegründet und ist heute ein

führender Ort für die Präsentation und Diskussion von Fotografie. Mittels

Ausstellungen, Publikationen, Veranstaltungen und dem Aufbau einer

Sammlung (1960 bis heute) erforscht das Museum die Vielfalt fotografischer

Medien. Mit unserem Programm zur Geschichte der Fotografie

verfolgen wir den Anspruch, diese Geschichte neu veranschaulicht darzustellen.

Ausserdem wollen wir uns mit den zusehends immer stärker erweiterten

Eigenschaften der fotografischen Techniken und Ästhetik auseinandersetzen,

insbesondere durch unser Engagement in der Forschung und

unsere Zusammenarbeit mit jungen KünstlerInnen.

 

Die Julius Bär Stiftung

Julius Bär ist die führende Private-Banking-Gruppe der Schweiz, deren

Ursprünge bis ins Jahr 1890 zurückreichen. Sie betreut und berät anspruchsvolle

Privatkunden, Family Offices sowie unabhängige Vermögensverwalter

rund um die Welt.

 

Die Julius Bär Stiftung wurde 1965 mit dem Ziel gegründet, die Kultur

und Kunst in all ihren Formen zu fördern und die Wissenschaften sowie die

Förderung verschiedener karitativer Zwecke zu unterstützen. In den letzten

Jahren galt das Augenmerk der Stiftung hauptsächlich Kindern und Jugendlichen,

daneben fördert sie aber auch andere soziale Projekte in der

Schweiz und weltweit.

 

Mehr Informationen finden Sie auf der Website:

http://www.juliusbaer.com/foundation

 

Melinda Por

Presse & Kommunikation / Presswork & Communications

 

FOTOMUSEUM WINTERTHUR
Grüzenstrasse 44+45
CH-8400 Winterthur
Tel. +41 (0)52 234 10 60
Fax +41 (0)52 233 60 97
Email: por (at) fotomuseum.ch
Webseite: fotomuseum.ch

Kokoschka und die Zauberflöte

Oskar Kokoschka (1886-1980), enfant terrible der Wiener Moderne, gefeierter Expressionist nach dem Ersten Weltkrieg
und renommierter Künstler im Londoner Exil, schuf ein reiches Alterswerk. Einen großen Raum nimmt hier die Welt der
Bühne ein. In seinen Grafikserien interpretiert Kokoschka Themen des klassischen Theaters. Für die Oper entstehen umfangreiche
Werkkomplexe mit Bühnenbildern und Kostümentwürfen. Gleich zweimal stattet Kokoschka Die Zauberflöte
von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) aus, 1954 eine Aufführung in Zürich und erneut 1965 eine an der Oper in Genf.
Die Oper regt mit ihren exotischen und mystischen Szenen nicht nur Musiker an, sondern fordert immer wieder auch bildende
Künstler heraus. Das Libretto erzählt von Tempeln und Pyramiden, von ägyptischen Hallen, heiligen Hainen und
idyllischen Gärten. Kokoschkas Zeichnungen für die Genfer Aufführung – rund 40 überwiegend große Arbeiten in bunten
Kreiden – werden 1970 durch die B.A.T. Zigarettenfabriken für das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) erworben.
Die Zeichnungen sind mit ihrem nervösen, mitunter skizzenhaft andeutenden und dann wieder heftig sich überlagerndem
Strichgefüge typisch für das Spätwerk Kokoschkas. Sie werden noch im selben Jahr in einer großen Kokoschka-
Ausstellung gezeigt. Hier ist auch ein erstes Mal der Gobelin mit Motiven der Zauberflöte zu sehen, der nach Kokoschkas
Entwürfen für das MKG in der Münchner Gobelin-Manufaktur gewebt wurde. Dieser für das Spätwerk Kokoschkas bedeutende
Komplex wird im MKG – zuletzt 1985 – mehrfach ausgestellt. Vom 13. Juli bis 30. Oktober ist er nach über 30 Jahren
erneut vollständig zu sehen.
Bekannt sind Kokoschkas Porträts von kriegszerstörten deutschen Städten – allein Hamburg malt er dreimal. Während der
Arbeit an seinem zweiten Hamburg-Bild 1958 besucht er mehrfach das MKG – das belegt ein Skizzenbuch, in dem Kokoschka
vor allem Motive aus der Porzellanabteilung festhält. Kokoschka sollte dem MKG auch weiterhin verbunden bleiben.
Während einer ersten Kokoschka-Ausstellung 1965 entsteht der Plan, bei dem Künstler einen Gobelin in Auftrag zu geben.
Noch im gleichen Jahr geht der Auftrag an die Münchner Gobelin-Manufaktur. Die großformatigen Entwürfe schenkt Kokoschka
dem ihm damals bereits wohlvertrauten MKG. Die Motive gehen zurück auf seine Entwürfe für den Genfer Bühnenvorhang
und zeigen eine Szene vom Beginn der Oper mit Tamino und den Damen, die ihn vor der Schlange retten. Als
die Tapisserie 1970 in Hamburg eintrifft – geschenkt vom Hamburger Mäzen Wilhelm Reinold – veranstaltet der damalige
Kurator der Moderne, Heinz Spielmann, erneut eine Kokoschka-Ausstellung, in der nun auch die Genfer Bühnenbildentwürfe
und Figurinen gezeigt werden. Im nächsten Jahr bringt die Hamburger Schallplattengesellschaft Teldec eine Sonderausgabe
der Zauberflöte auf den Markt, eingespielt von Georg Solti, der bereits in Genf die Zauberflöte dirigierte. Die
Schallplatte wird von einem umfangreichen Booklet begleitet, das neben dem vollständigen Libretto auch die Entwürfe
Kokoschkas abbildet. Heinz Spielmann trägt 1980 und noch einmal 1985 große Kokoschka-Ausstellungen für das MKG
zusammen. Seither wurden einige der Zeichnungen zwar mehrfach ausgeliehen, aber nicht mehr im MKG gezeigt.
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Kurator: Dr. Jürgen Döring, T. 040 428134-500, juergen.doering@mkg

Standpunkt. Jürgen Winkler 1951 – 2016

Erste Retrospektive des Gesamtwerkes des Fotografen und Bergsteigers
 
Der Fotograf Jürgen Winkler ist der Prototyp des kletternden und wandernden Bildersammlers: Mit seinen Aufnahmen von Bergen und Menschen hat er alpine Kulturgeschichte geschrieben. Zahlreiche Motive sind zu regelrechten Ikonen des neuzeitlichen Bergsteigens geworden, das er seit Anfang der 1960er-Jahre mit der Kamera dokumentiert – in den Alpen ebenso wie auf über 100 Trekkingreisen in den Gebirgen der Welt. Handwerkliches Können, Originalität und Reflektiertheit definieren Winklers fotografischen Standpunkt. Die erste Retrospektive seines Gesamtwerks schlägt den Bogen von den Schwarzweißaufnahmen der 1950er-Jahre bis zu neuesten Arbeiten mit der Digitalkamera. Weitere Schwerpunkte bilden Porträts von Menschen im Himalaya und in den Anden, Natur-Stillleben und das vielschichtige »andere Bild« der touristisch versehrten Bergwelt.

Jürgen Winkler (*1940) ist Fotograf, Buchautor und Bergführer. Im Verlauf von bald sechs Jahrzehnten schuf er ein mehrfach ausgezeichnetes Werk von beispielloser Vielseitigkeit.

Kuratoren: Axel Klemmer und Sabine Wimmer

Milan Grygar. Sound on Paper

Die Einzelausstellung präsentiert die einmaligen, aus visuellen und akustischen Elementen bestehenden Werke Milan Grygars (* 1926):
Zu sehen und zu hören sind nicht nur Grygars erste »Akustische Zeichnungen« von 1965. Dokumentiert werden auch einige nach seinen
Partituren realisierte Aufführungen, die das ZKM – ursprünglich auf Magnettonbändern aufgenommen – für die Ausstellung digitalisiert hat.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der ein Gespräch zwischen Milan Grygar und Hans Ulrich Obrist sowie Texte von Jörg Heiser, Noemi
Smolik – der Kuratorin der Ausstellung – und Peter Weibel umfasst.