ZuSpiel Schatten Licht. Beate Terfloth und Nancy Jahns

19.03.2014 - 01.06.2014
friedemann-bach-platz 5, halle (saale)
http://www.kunstmuseum-moritzburg.de

Die Reihe ZuSpiel im Kabinett der Ausstellung Moderne Zwei im Kunstmuseum Moritzburg ist ausgewählten Positionen der zeitgenössischen Kunst gewidmet. Das erste ZuSpiel in diesem Jahr findet zwischen den Künstlerinnen Nancy Jahns aus Halle (Saale) und Beate Terfloth aus Berlin, Professorin für Grafik am Mozarteum in Salzburg, statt.
Beate Terfloth und Nancy Jahns erhellen auf verschiedene Weisen die komplexe Realität der Welt und der Dinge, die sich ihnen an- und darbieten. Die Arbeiten der Künstlerinnen begegnen sich unter dem Motto Schatten Licht, in dem die komplexe Verschränkung von Physik und Metaphysik, von präziser Untersuchung und Phänomenologie der Wahrnehmung angesprochen ist.
Beate Terfloth erweitert die Zeichnung in den Raum hinein und wandelt sie in andere Medien. Bekannt wurde sie durch ihre Raumzeichnungen, bei denen sich die über einen längeren Zeitraum frei gezeichneten und im unterbrechenden Zurücktreten immer wieder beobachteten Linien beweglich über die Wände des Raumes ausbreiten. Mit den Mitteln der langsam entstehenden, performativen und erweiterten Zeichnung untersucht Beate Terfloth Raum und Zeit, Distanz, Nähe und Bewegung und die sich permanent verändernde Wahrnehmung.
Im ZuSpiel werden von ihr die Arbeiten „neon – vocabulary 1“ (2012) und Blätter aus der Serie „placement“ (2010) gezeigt. „neon – vocabulary“ beruht auf einer Landschaftszeichnung, aus der Linien separiert und in dünne Neonröhren übertragen wurden. Sie werden variabel, dem jeweiligen Raum entsprechend, vor der Wand installiert. Die weißen Lichtlinien von beweglichem, zeichnerischem Duktus schaffen durch ihre Strahlung eine sich in den Raum ausbreitende Lichtzeichnung, die zwischen Nähe und kosmischer Entfernung als stets anders kombinierbares „Vokabular“ vibriert. In „placement“ sammeln winzig gerasterte, farbige Miniaturen im großen Weiß des Blattes das durch ein Gitter fallende Licht in farbigem Spektrum als potenzielles All-Over. Von Beate Terfloth wird außerdem „Allah-o-Akbar“ – Videoarbeit über einen Donnerstag am Schrein von Baba Shah Jamal, Lahore 1998/Berlin 2000 auf der Galerie am Eingang zur Moderne Zwei gezeigt. Die Künstlerin hatte die seltene Gelegenheit, mit der Kamera dem rituellen Tanz einer Gemeinschaft von Sufis beizuwohnen.

Nancy Jahns verfolgt auf leisen Sohlen die Geheimnisse des Einfachen. Sich der Gefahr bewusst, das Geheimnis zu vertreiben, wenn man es festhalten und ins Licht zerren will, operiert sie mit allen ihm angemessenen Medien der Kunst (Video, Fotografie, Objekt, Installation) in einem Zwischenraum, in dem die Anschauung zwischen Vernunft und magischem Denken vagabundiert. In scheinbar unspektakulären Dingen und Handlungen entdeckt sie den Glanz des Realen als Schönheit, die der Glanz des Wahren ist (nach Augustinus): Der goldbelegte Medizinball „Medizin“  ist leuchtende Materie gesammelter  Energien, das Objekt „Licht-Requisit“ ein intensiv dunkler, keinem sichtbaren Zweck dienender und dabei mit traumhafter Sicherheit formulierter Gegenstand. „Projekt für luftdurchlässige Häuser“, eine Videoprojektion, entwirft eine bewegliche Schattenzeichnung von wunderbarer Leichtigkeit. Wie viel vom Anhauch dieser „luftdurchlässigen Häuser“  wären der Menschheit zu wünschen!

Biografien

Beate Terfloth
Geboren 1958 in Hongkong als Tochter eines Diplomaten, Kindheit in Angola und in verschiedenen asiatischen Ländern. 1979–86 Studium an der HdK Berlin bei Johannes Geccelli und an der Kunstakademie München bei Günther Fruhtrunk. Stipendium des DAAD, lebte in Rom und lehrte am National College of Arts in Lahore, Pakistan. Seit 2009 Professorin für Grafik am Mozarteum in Salzburg. Lebt in Berlin.
Arbeitsstipendium des Berliner Senats, Preis des Deutschen Künstlerbunds (1989), Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg (1990), Zeichenstipendium Nürnberg (1991).
Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und im Ausland. Zuletzt „Sweet Anticipation“ im Kunstverein Salzburg (2011), „placement“ im Mies-van-der-Rohe-Haus, Berlin (2012) und „Performative Zeichnung“ in der Schaustelle der Neuen Pinakothek München (2013).

Nancy Jahns
Geboren 1969 in Stendal , 1985–87 Ausbildung zur Industrietäschnerin, 1990–92 Abendstudium an der Hochschule für Bildende Kunst Dresden, 1992–99 Studium an der Hochschule für Kunst und Design Halle Burg Giebichenstein, Diplom bei Christine Triebsch. 2001–03 Aufbaustudium Buchkunst bei Mechthild Lobisch 2007 Mitbegründerin der Projektgalerie Raum Hellrot/Halle, seit 2001 Herausgabe eigener Künstlerbücher in der edition sand, Halle.
Lebt und arbeitet in Halle an der Saale.
2001 Graduiertenstipendium Sachsen-Anhalt, 2004 Arbeitsstipendium Sachsen-Anhalt, 2009 Arbeitsstipendium Landeskunststiftung Sachsen-Anhalt.
Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, zuletzt RESERVOIR, Susanne Burmester Galerie, Rügen (2012); BILDER. SEHEN – Gegenwartskunst im Fremdenhaus, Anhaltische Gemäldegalerie Dessau (mit Almut Glinin und Gabi Rets; 2011); ZEICHEN DES GLÜCKS, Delikatessenhaus Leipzig und Kunstforum Halle (2010).