Yinka Shonibare MBE: Cannonball Paradise

27.04.2014 - 19.10.2014
Herbert Gerisch-Stiftung
Brachenfelder Straße 69, 24536 Neumünster
http://www.gerisch-stiftung.de

Ende April eröffnet die Herbert Gerisch-Stiftung eine große Werkschau von Yinka Shonibare MBE (*1962). Unter dem Titel „Cannonball Paradise“ wird sein Werk damit erstmalig mit einer umfassenden Einzelausstellung in Deutschland gezeigt – mit etwa 20 Installationen, Fotoarbeiten und Videos. Spätestens mit seiner Teilnahme an der documenta 11 (2002) gelang dem in Nigeria aufgewachsenen, heute in London lebenden Künstler der internationale Durchbruch. Weitere größere Einzelausstellungen folgten, unter anderem im Yorkshire Sculpturepark, im Museum of Contemporary Art Sydney oder in der Londoner Tate Britain.

Charakteristisch für Shonibares Werk sind Figuren, die in barock anmutenden Kostümen aus Waxprint-Stoffen gekleidet sind. Ihre farbig-ornamentalen Muster erwecken Vorstellungen von afrikanischer Exotik. Provokant positioniert, zeichnen diese oft kopflosen Figuren ein bizarres Bild, aus dem das Spiel des Künstlers mit stereotypen Vorstellungen von Rasse, Klasse und Kultur spricht. Doch wäre es zu kurz gefasst, die künstlerische Arbeit Shonibares allein auf die kritische Fragestellung postkolonialer Geschichtsreflektion zu reduzieren. Seine Werke sind ebenso von einer humorvollen Attraktivität und schillernden Erzählfreude gezeichnet. Bunte Stoffkugeln fliegen aus Kanonenrohren, eine kopflose Eva verführt in einem farbig gemusterten afrikanesken Kostüm ihren Adam. Diese Doppelung bewusster Lebensfreude mit selbstkritischer Auseinandersetzung der Afrika und Europa verbindenden Geschichte verleiht seinem Werk eine faszinierende Attraktivität.

Mit Yinka Shonibare MBE (geb. 1962) lädt die Gerisch-Stiftung zum zweiten Mal nach Romuald Hazoumè einen Künstler mit afrikanischen Wurzeln ein. Wie Hazoumè 2011 wurde auch Shonibare gebeten, Paradiesvorstellungen afrikanischer Provenienz in Form einer großen Einzelausstellung umzusetzen.