Wo bist du? Skulpturen von Erwin Eisch

15.10.2013 - 10.04.2014
Karl-Theodor-Straße 27, München
http://www.atutsek-stiftung.de

 Mit der Ausstellung  „Wo bist du? Skulpturen von Erwin Eisch“ startet die Alexander Tutsek-Stiftung in München zusätzlich zu ihren Themen- und Länderausstellungen die neue Ausstellungsreihe MASTER | MEISTER.
Hier werden herausragende Künstlerpersönlichkeiten vorgestellt, die in ihrer Arbeit Glas als Medium des künstlerischen Ausdrucks einsetzen. Den Auftakt bildet mit seinem facettenreichen Werk Erwin Eisch (geb. 1927), einer der Väter der Studioglasbewegung. Die Ausstellung „Wo bist du? Skulpturen von Erwin Eisch“ zeigt vom 15. Oktober 2013 bis zum 10. April 2014 die in seinem Werk wichtigen Portraitköpfe, seine frühen provokativen Skulpturen und dokumentiert aus seiner Schwabinger Studentenzeit die skandalumwitterte Aktion um den fiktiven Maler Bolus Krim.
 
Portraitköpfe
Das künstlerische Schaffen von Erwin Eisch wird durch die kritische Auseinandersetzung mit seiner Umwelt bestimmt. Mit seiner ganz eigenen poetischen Denkweise sowie seinem die alltäglichen Dinge verfremdenden Humor stellt er Gewohntes in Frage und erzwingt veränderte Sichtweisen. Seine eindrucksvollen Serien von großen Köpfen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Sie gehen in ihrer Aussage über das Portrait hinaus und zeigen seine spezielle Sicht auf Weggefährten, berühmte Persönlichkeiten sowie in Selbstportraits auch auf ihn selbst. Aus Glas geblasen und so bemalt, dass das ursprüngliche Material nur zu erahnen ist, vermitteln sie eindrücklich die Kraft der innovativen skulpturalen und malerischen Sprache von Erwin Eisch.
 
Frühe Arbeiten
Bereits in den 1950er Jahren experimentiert Erwin Eisch am heimischen Glasofen mit dem Material Glas. Als Sohn einer Glasmacherfamilie und Absolvent der Münchner Kunstakademie steht er der traditionellen Glasgestaltung kritisch gegenüber. So entstehen – im Gegensatz zu seinem Umfeld im Bayerischen Wald, das Gebrauchsglas herstellt – zweckentfremdete, nicht gebrauchsfähige Objekte, häufig mit einem Hauch leiser Ironie.

Diese frühen Arbeiten, ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung, sind eher unbekannt, da sie nur selten gezeigt werden. Die freigestalteten Objekte zu unterschiedlichen Themen des Alltags, als „Provokation der Form“ tituliert, geben einen wichtigen Einblick in Eischs künstlerisches Denken. Er betont die plastischen Qualitäten des Materials Glas beim Schmelzen bzw. Erstarren und nutzt es nicht in der herkömmlichen Formensprache sondern als skulpturalen Träger seiner künstlerischen Mitteilung.
 
 
Beginn der Studioglasbewegung
Harvey K. Littleton, ein amerikanischer Keramikprofessor, der auf der Suche nach neuen Möglichkeiten im künstlerischen Umgang mit Glas in Europa unterwegs ist, wird auf die innovativen Skulpturen aufmerksam und besucht 1962 Erwin Eisch in Frauenau. Das Treffen ist der Beginn einer lebenslangen kreativen Freundschaft und fördert den produktiven künstlerischen Austausch im Bereich Glas zwischen den USA und Europa. Die Begegnung von Eisch und Littleton gilt heute als einer der wichtigen Impulse für die internationale Studioglasbewegung.
 
Bewegte Studienzeit
Die bewegte Studienzeit von Erwin Eisch und seiner späteren Frau Gretel an der Kunstakademie München ist der dritte Themenkomplex der Ausstellung. Noch als Student war Eisch 1957 Gründungsmitglied der Gruppe SPUR und gründete einige Jahre danach selbst die skandalumwitterte Gruppe RADAMA. In einer Galerie in Schwabing inszenierte diese Gruppe 1961 ein die Münchner Kunstwelt provozierendes Event: Die Gedächtnisausstellung über den fiktiven Maler Bolus Krim. Zeitungsartikel, Fotografien sowie Skulpturen und Malerei aus der Zeit lassen ein Projekt wieder aufleben, das damals die Presse in ganz Deutschland beschäftigte.