Winter in Barrydale

Wenn der Sommer in Mitteleuropa beginnt, wird es in Western Cape und auch in Klein Karoo Winter. Da Südafrika aber näher zum Äquator liegt als etwa Südspanien, fehlt dem Winter jede Strenge. Die Tage werden nicht so kurz und meist scheint die Sonne bis zu zehn Stunden am Tag. Die Kälte der wenigen Frostnächte schwindet schnell, kehrt aber mit Sonnenuntergang bald zurück. Zentralheizungen sind selten, meist wird mit recht uneffizienten offenen Kaminen, Holz- oder Elektroöfen eingeheizt. Nach Sonnenuntergang quillt der Rauch der Öfen aus den pittoresken Schornsteinen der Häuser und das wiederholt sich morgens.


Trotz nächtlicher Kälte ist der Winter für viele die angenehmere Jahreszeit. Die Natur stirbt nicht wie in Europa ab, sondern viele der einheimischen Pflanzen nutzen die feuchtere Zeit zur Blüte wie Kakteen, Aloe, alle möglichen Sukkulenten aber auch Akazien und manch andere Baum. Auch die Vögel zwitschern weiter, verstärkt durch Zugvögel aus den kühleren Hochebenen.


Es ist die ideale Zeit zum Wandern und dazu bietet die direkte Umgebung der kleinen Stadt einige Möglichkeiten, aber auch die vielen Naturreservate der näheren Umgebung laden dazu ein, eine prachtvolle Bergwelt unter strahlend blauem Himmel zu entdecken.  Etwa in der Boosmansbos Wilderness Area, östlich von Barrydale. In diesem Naturschutzgebiet, das im Süden übergeht in das Grootvadersbosch Nature Reserve. Das Gebiet mit einer Gesamtgröße von etwa 18.000 ha wird überragt vom felsigen Grat des Grootberg der auf 1637 m ansteigt. Er ist Teil der Gebirgskette des Langeberg, der über 200 km parallel zum Meer im Landesinnern verläuft und die Täler auf der Binnenseite so abschirmt, dass Wein und Obst prächtig gedeihen. Da Barrydale auf einer Seehöhe von 3-450 m liegt, wirkt der Grootberg wie auch die anderen Bergspitzen des Langebergs  noch mächtiger.


 



 


Betritt man das Naturschutzgebiet über den Eingang zur Grootvadersbosch Nature Reserve, also von der dem Meer zugewandten Seite, trifft man auf eine völlig unterschiedliche Aussicht, sondern auch eine andere Vegetation. Die hier wesentlich ergiebigeren Regenfälle als auf der Nordseite des Gebirges ermöglichen einen teilweise üppigen Waldbestand, durch den sich rauschende Bäche ihren Weg hinab ins Tiefland des Overberg bahnen.


Der Eingangsbereich des Parks besteht aus einigen Stellplätzen mit Stromzufuhr für Camper, Zeltplätzen und kleinen Holzhäusern mit Stockbetten. Dazu kommen einige Verwaltungsgebäude und etwas weiter abseits eine Siedlung für die im Park Beschäftigten.


 



 


Ein kleiner Informationspavillon bietet Broschüren und Karten sowie eine liebevoll gepflegte Sammlung von heimischen Pflanzen und ein schönes Geländemodell des Parks. Hier muss man sich auch anmelden und eine Gebühr entrichten, bevor man sich auf einen der Wanderwege macht.  Man kann den Park auch mit einem Mountainbike durchstreifen, die meisten Wege erfordern aber einiges Können am Lenker und im Sattel. Wir haben keine Räder mit und machen uns zu Fuß auf den Weg, um nach kurzem und steilen Weg im Schatten dichter Bäume auf die von Fynbos überwachsenen Berghänge zu gelangen. Die Aussicht wird freier und die Gipfel der Berge kommen näher.


 



 



 


Wir begnügen uns mit dem weiten Blick übers Land unter dem azurblauen klaren Himmel und lassen uns nach anderthalb Stunden am ersten View Point  nieder, um den Blick und die unglaublich klare, von Industrie oder Verkehr unbelastete Luft und die tiefe, nur von Schreien der Adler gebrochene Stille dieser Landschaft zu genießen.