Vom Impressionismus bis heute

18.06.2014 - 05.04.2015
Von der Heydt-Museums
Am Turm, Wuppertal
http://www.von-der-heydt-museum.de

Das Von der Heydt-Museum besitzt eine reiche Sammlung. Mit der jetzigen Neupräsentation im Ersten Obergeschoss zeigt es einen neuen Ausschnitt und rückt Werke des Impressionismus bis heute sowie Neuerwerbungen und Dauerleihgaben in den Fokus der Aufmerksamkeit. Aus der großen Sammlung haben wir Meisterwerke ausgewählt, die in ihrer aktuellen Hängung neue Zusammenhänge und Parallelen aufzeigen. Auch bekannte Gemälde erscheinen so in neuem Licht.

Die Präsentation ist chronologisch aufgebaut. Sie beginnt bereits vor dem Impressionismus mit einigen Werken von Theodore Rousseau und Gustave Courbet und der Schule von Barbizon. Die Impressionisten kommen in natürlichem Licht zu ihrem großen Auftritt. Die Werke von Cezanne, Monet, Renoir, aber auch van Gogh und Degas gehören zu den großen Schätzen des Von der Heydt-Museums. Die Reise durch die Kunstgeschichte geht weiter mit  Werken von Pablo Picasso, Ferdinand Holder, James Ensor und Odilon Redon, die die Vielfältigkeit der Kunst um die Wende zum 20. Jahrhundert belegen. Für seine Meisterwerke des Expressionismus ist das Von der Heydt-Museum berühmt. Die farbintensiven Werke von Otto Mueller, Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel vermitteln die Aufbruchstimmung des beginnenden Jahrhunderts, bevor der Erste Weltkrieg die Zeit aus den Fugen geraten ließ. Erstmals in einer Reihe sind vier zarte Mädchenporträts von Paula Modersohn-Becker zu sehen und dazu ein Porträt der Künstlerin, das ihr Freund Bernhard Hoetger 1927, also 20 Jahre nach ihrem Tod, in Bronze schuf und das das Von der Heydt-Museum gerade gekauft hat.

Über die Kunst ab den 1920er Jahren, die neue Ansätze in einem skeptischen Realismus und in konstruktiven, abstrakten Formen suchte, geht zur Kunst der Nachkriegszeit. Willi Baumeister gilt als wichtigster abstrakter Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg. Zusammen mit Ernst Wilhelm Nay, Karl Otto Götz und Fritz Winter steht er für den Pluralismus der Stile innerhalb der informellen Kunst dieser Zeit.

Diese Diversität setzt sich in den Werken der 60er Jahre fort. Aus dieser Zeit sind die Künstler der Zero-Gruppe und der Gruppen „Nul“ und „Azimuth“ vertreten, wie Günther Uecker, Otto Piene, Jan Schoonhoven und Lucio Fontana. Reizvolle Kontraste ergeben sich aus dem Nebeneinander von Gemälde und Skulptur, so etwa bei Schoonhovens „R73-25“ und Alberto  Giacomettis „Frau für Venedig V – Femme des Venise V“. Direkt gegenüber belegt Giacomettis „Figur III (Caroline)“ das feine malerische Werk des Italieners. Laura Grisis Aluminium-Installation „Angolare“ (1967) war bisher nur einmal im Von der Heydt-Museum zu sehen. Vor kurzem konnte es erworben werden. Bei Christos Werk „Look“ (1965) sowie bei John Chamberlains Stahlplastik aus den 1960er Jahren handelt es sich um neue Schenkungen an den Kunst- und Museumsverein (KMV).

Als Dauerleihgabe kann das Von der Heydt-Museum erstmals Anne und Patrick Poiriers Fotografien von römischen Grabtafeln zeigen. Die aktuelle Kunst vertreten Maike Freess, Sven Drühl, Tatjana Valsang, Cornelius Völker. Bei Neo Rauchs „Roter Junge“ handelt es sich um einen spektakulären Ankauf des vergangenen Jahres.

Eine ganze Wand im letzten Raum des Rundgangs ist den Arbeiten von Bazon Brock aus den Jahren 1963 bis 1977 gewidmet, die den Titel „Werk ist abgelegtes Werkzeug“ tragen. 18 Schwarz-Weiß-Fotos (Siebdruck auf Leinwand), eine aktuelle Schenkung an den KMV, dokumentieren Aktionen, die der emeritierte Wuppertaler Ästhetik-Professor und Vertreter der Fluxus-Bewegung durchgeführt hat oder an denen er beteiligt war, wie zum Beispiel die Gründung der Deutschen Studenten Partei mit Johannes Stüttgen, Joseph Beuys und Henning Christiansen in der Kunstakademie Düsseldorf 1967.