VERWANDLUNG DER WELT Die romantische Arabeske

21.03.2014 - 15.06.2014
Glockengießerwall, Hamburg
http://www.hamburger-kunsthalle.de

Zum ersten Mal widmet sich unter dem Titel Verwandlung der Welt eine Ausstellung der Arabeske in der
Romantik. Im 18. Jahrhundert erhebt Friedrich Schlegel (1772–1829) das verschlungene Spiel der Arabeske
zum Strukturprinzip aller Dichtung. Die Arabeske verbindet die Teile einer als zerfallen erfahrenen
Welt. Ihre Form dominiert den Gegenstand. Dieser umfassende Anspruch wird ihr auch in der bildenden
Kunst zugesprochen: Sie ist Ornament, Poesie und geistreiches Linienspiel. Anstatt sich im bloßen Zierrat
an den Rändern von Bildern zu erschöpfen, sei es in Form von floralen Mustern oder verspieltem
Rankenwerk, avanciert sie zu einem Bedeutungsträger ersten Ranges. Vom kosmologischen Weltentwurf
bis zur Aktienumrahmung, vom hochkomplexen Roman bis zum Kinderlied, in Ölgemälden und in der
Gebrauchsgraphik, auf Bucheinbänden oder an den Rändern von literarischen Texten – dank ihrer Vielgestaltigkeit
erscheint die Arabeske medienübergreifend. Als „älteste und ursprüngliche Form der menschlichen
Fantasie“ (Friedrich Schlegel) vermag sie unterschiedlichste Elemente in sich zu vereinen. Der romantischen
Idee vom „Gesamtkunstwerk“ Rechnung tragend, wird sie zur Signatur einer ganzen Epoche.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Schaffen eines der vielseitigsten Künstler des 19. Jahrhunderts
und maßgeblichen Mitbegründer der Romantik, Philipp Otto Runge (1777–1810). In seinem Werk und
Gedankenaustausch mit dem Dichter Clemens Brentano (1778–1842) erreicht das Gestaltungsprinzip
der romantischen Arabeske einen Höhepunkt. Weitere Schwerpunkte bilden Werke des Nazareners Peter
Cornelius (1783–1867) sowie die Arbeiten von Eugen Napoleon Neureuther (1806–1882), Moritz
von Schwind (1804–1871) und Adolph Menzel (1815–1905). Anhand ihrer einschlägigen Werke wird
der Aufstieg der Arabeske von einer randständigen, primär dekorativen Erscheinung hin zu einer alle
Künste betreffenden Gestaltungsform nachgezeichnet.
Die Ausstellung begleitet ein umfangreicher, über 400 Seiten umfassender Katalog (35 €), an dem sich
zahlreiche renommierte Geisteswissenschaftler beteiligt haben. Er wurde ermöglicht durch die Ernst von
Siemens Kunststiftung und ist in den Museumsshops und unter www.freunde-der-kunsthalle.de erhältlich.
In Kooperation mit dem Frankfurter Goethe-Museum/Freies Deutsches Hochstift.
Kurator: Dr. Jonas Beyer