Ungeahnter Ansturm auf das Bauhaus in Dessau

Das Jubiläumsjahr und eine Vielzahl von Veranstaltungen bescheren dem Bauhaus in
Dessau Besucherrekorde
Nach dem überaus erfolgreichen Beginn der großen Jubiläumsausstellung „Modell Bauhaus“ in
Berlin, die am 21. Juni startete, meldet auch die Bauhausstadt Dessau Rekordzahlen. Gut
10.000 Besucher sahen seit Juni die Filmausstellung „Bauhaus in Aktion“ und die Dauerausstellung
„Werkstatt der Moderne“ im historischen Bauhausgebäude – ein ausgesprochen stolzes
Ergebnis für die kleine Stadt im Herzen Mitteldeutschlands, das die Stiftung Bauhaus Dessau
durchaus mit Stolz erfüllt. „Bauhaus in Aktion“ zeigt Originalfilme von Bauhausmeistern und –
schülern, dokumentarische Lehrfilme ebenso, wie abstrakte Kunstwerke und Interviews. Zusätzlich
wurde auf der Bauhausbühne zum ersten Mal László Moholy-Nagys revolutionäres Ausstellungskonzept,
der „Raum der Gegenwart“, realisiert. Die Ausstellung ist noch bis 4. Oktober zu
sehen, der „Raum der Gegenwart“ bis 24. September. Damit ist das Bauhausjahr aber noch
längst nicht zu Ende – Dessau hält noch eine ganze Reihe von Höhepunkten bereit.



Ganz kurzfristig können sich Interessierte noch für den Workshop „Papierräume – der Vorkurs
von Josef Albers 1925–28“ anmelden
. Vom 21. bis 23. August wird der legendäre Bauhaus-
Vorkurs im Martin-Gropius-Bau Berlin neu ins Werk gesetzt. Dieter Raffer, HfG-Ulm-
Absolvent und derzeit Professor für gestalterische Grundlagen an der Hochschule Anhalt (FH) in
Dessau, zeigt in praktischen Experimenten, wie man mit einem Blatt Papier von der Fläche zum
Raum gelangen kann. Einige wenige Restplätze sind noch frei.



Einen Teil der faszinierenden Filme aus unserer Filmausstellung zeigen wir in einer Filmnacht
am 28. August im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Ab 18 Uhr können die Zuschauer hier Bauhäusler
im Gespräch und bei der Arbeit erleben. Der Film spielte in der Programmatik des Bauhauses
eine große Rolle, und es entstanden beeindruckende Filmarbeiten von Lehrern und Schülern, die
in der Filmnacht vorgestellt werden. In das Programm des Abends führen Philipp Oswalt, Direktor
der Stiftung Bauhaus Dessau, und Thomas Tode, Film-Kurator aus Berlin, ein.


Am 31. August wollen wir streiten: Ist das Bauhaus gescheitert? Sein Geist verweht, seine Ideen überholt? Oder muss man das Bauhaus als prägenden Motor der Moderne weiterdenken, seine
Visionen auf- und seine Utopien ernst nehmen? Lohnt es sich, seine Lösungsversuche auf die
Herausforderungen der Gegenwart anzuwenden? Ab 19.30 Uhr wollen wir im Martin-Gropius-
Bau über Relevanz und Konflikte, über Problembewusstsein und Visionen diskutieren. Andreas
Ruby (Architekturkritiker Berlin) wird das Podiumsgespräch moderieren, es sprechen Eckhard
Fuhr (Die Welt), Paul Kahlfeldt (Architekt Berlin), Harald Martenstein (Die Zeit), Barbara Steiner (Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig) und Philipp Oswalt (Stiftung Bauhaus Dessau).



Mit dem Zwölften Farbfest folgt am 5. September ein spektakuläres Ereignis am historischen
Ort des Bauhauses in Dessau. Das Fest, das in diesem Jahr der Farbe Rot und dem Werk Oskar
Schlemmers gewidmet ist, lässt die legendären Bauhausfeste der zwanziger Jahre wiederaufleben.
Es beginnt mit einem Open-Air-Konzert vor dem Anhaltischen Theater, setzt sich mit dem
Umzug durch die Stadt fort und erlebt seinen Höhepunkt im rot inszenierten Bauhaus.


Anlässlich des Farbfestes gibt es in diesem Jahr die einmalige Möglichkeit, mit einer echten JU52
von Zürich über München und Berlin nach Dessau zu fliegen. Die Stiftung Bauhaus Dessau
möchte damit an den Flug zur Eröffnung des Bauhausgebäudes von Walter Gropius im Dezember 1926 erinnern und die enge Verbundenheit des Luftfahrtpioniers Hugo Junkers mit den Bauhäuslern
dokumentieren.
Dass das Bauhaus 1925 nicht zufällig nach Dessau zog, sondern ganz gezielt eine weltweit
führende Hightech-Region mit Flugzeugbau, Filmindustrie, Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung
sowie einer starken aufklärerischen Tradition auswählte, ist Thema eines Vortrags
von Prof. Philipp Oswalt. Am 10. September ab 18:30 Uhr spricht Oswalt im Martin-
Gropius-Bau über Innovativität und Liberalität der „Bauhausstadt Dessau“, in der sich das
Bauhaus innerhalb von sieben Jahren und unter drei Direktoren zur vollen Blüte entwickelte.
„Hier, im Silicon Valley der zwanziger Jahre, war man Teil eines regionalen Modernisierungsprojektes
von ungeahnter Kraft“, so der Direktor der Stiftung

Link: http://bauhaus-dessau.de