UNFAVOURABLE TACTICAL POSITION ASMUS PETERSEN (Zum 90. Geburtstag)

25.04.2018 - 29.07.2018
Sprengel Museum Hannover ∙
Kurt-Schwitters-Platz ∙, Hannover
http://www.sprengel-museum.de

Asmus Petersen ist in den vielen Jahren seiner Tätigkeit in Hannover stets ein künstlerischer Außenseiter gewesen, gleichzeitig aber auch zu einer festen Größe der städtischen Kultur geworden. 1970 hatte er sein Atelierquartier in den historischen Wasserwerken der Herrenhäuser Gärten bezogen – ein Ort wie er nicht besser hätte erfunden werden können für eine Figur wie Asmus Petersen. Er spürte und verkörperte den ebenso magischen wie kuriosen Geist dieses Ortes, mit dem er wie selbstverständlich verwurzelt schien. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler kam erst auf Umwegen Mitte der 1960er-Jahre zur Kunst. Stipendien führten ihn in die Villa Romana nach Florenz (1976) und nach Olevano zum Ableger der Villa Massimo (1982).
Sein malerisches Werk hat viel mit dem Wasser zu tun, über dem er stets gearbeitet hat. Markenzeichen des 1928 geborenen Künstlers sind Seeschlachten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. „Krieg heute überhaupt darzustellen, fordert Abstraktion“, lautet Petersens künstlerisches Credo. Mit diesem Ansatz manövrierte sich der überzeugte Kriegsgegner vor allem in der Zeit der Friedensbewegung ganz bewusst in eine Position zwischen allen Fronten, die einer der von ihm zitierten Marine-Protagonisten als „unfavourable tactical position“ bezeichnet hätte. Seine Seeschlachten-Darstellungen haben auf den ersten Blick so gar nichts damit zu tun, was man sich unter einer Seeschlacht vorstellt. Es sind vollkommen abstrakte Diagramme, bestehend aus Linien, Pfeilen und Vektoren, kombiniert mit zunächst eigenartig wirkenden Texten oder Textfragmenten sowie mit Datums-, Zeit- und Positionsangaben. Petersens Bildkonzept entlarvt die moderne Kriegsführung als kaltes, nüchternes, dabei aber auch vollkommen absurdes Strategiespiel, das sich zwischen mathematischer Präzision und Comic-Strip bewegt. Das gilt für die fast trunken wirkenden Bewegungsmuster der Schiffe ebenso wie für die Funksprüche, deren neutrale typografische Präsentation den subjektiven und emotionalen Ton ihrer Botschaften konterkariert.
Exemplarisch hat Petersen diese Widersprüchlichkeit in einer simplen Textarbeit auf den Punkt gebracht: Die Behauptung „Wir sind wieder wer“ wird der nüchternen Auflistung der Namen von 15 Konzentrationslagern von Auschwitz bis Treblinka gegenübergestellt (Wir sind wieder wer, 1967).
Asmus Petersen war nicht nur als bildender Künstler, sondern auch als Literat, Publizist, Satiriker und Dichter tätig. Die Ausstellung zeigt als Gegengewicht zu seinen Schlachtenbildern auch eine Auswahl seiner Gedichtbilder. So wie das Grauen des Krieges nicht figurativ zu fassen ist, so kann auch die Poesie nicht dargestellt werden – und analog zu den Schlachtenbildern wird in Petersens Bildkonzept die Poesie als Text zum abstrakten Bild.
Aus Anlass des 90. Geburtstages zeigt das Sprengel Museum Hannover eine Auswahl von knapp 30 Gemälden und Papierarbeiten, die über einen Zeitraum von fast 50 Jahren entstanden sind.
Kurator: Dr. Reinhard Spieler