The Sunday Independent – Art&Culture in South Africa

The Sunday Independent – Art&Culture in South Africa


 


Die Sonntage sind ruhige Tage in Barrydale. Die Glocke der Kirche der Niederländisch-reformierten Kirche ruft um neun Uhr mit dünnem Klang zum Gottesdienst. Auch in den Kirchen der Adventisten, Pfingstler oder Inter-Denominalisten werden am Sonntag zu unterschiedlichen Zeiten Gottesdienste abgehalten. Die Pfingstler etwa singen und tanzen gerne ganze Nächte durch.


Die Straßen sind leer, die Geschäfte geschlossen. Nur an der Tankstelle ist wie in Deutschland reger Betrieb. Dort kann man zwar weder Bier, Wein oder Spirituosen aber neben allerlei Kioskware auch einige Wochenendzeitung bzw. Sonntagszeitungen kaufen. Am Samstag etwa gibt es den Weekend Argus und am Sonntag die Sunday Times und den Sunday Independent, was soviel heißt wie Unabhängige Sonntagszeitung. Sie gehört wie fast alle englischsprachigen Zeitung zur Independent Newspapers Holding Ltd www.iol.co.za .


 



 


528 Ausgaben des Sunday Independent wurden bisher veröffentlicht und da es sich um eine Sonntagszeitung handelt, steht demnächst der zehnte Geburtstag an. Im Vergleich zur Sunday Times mit seinen umfangreichen Inseratenteilen ist der Sunday Independent eine schlanke Zeitung, die in fünf Teilen gedruckt und zusammengelegt ist: einen Hauptteil von 16 Seiten, Sunday Dispatches auf 12 Seiten, Business Report auf 4 Seiten; dazu die A3-Beilagen Sunday Life mit 12 Seiten sowie TV Guide mit 8 Seiten. Diese Seitenzahl genügt, um das  Wochenprogramm der drei Sender der südafrikanischen Rundfunkgesellschaft sowie der kommerziellen Sender e.tv und M-NET kommentiert aufzulisten.


Keine Stellenanzeigen, Auto-, Grundstücks- oder Finanzmärkte! Keine ganzseitigen Anzeigen mit Supermarktangeboten, Drogeriewaren, Autos, Crackers, Pampers, billigen Klamotten oder Tand aus China! Statt dessen ein seit der letzten Renovierung übersichtliches Layout mit ausgewählten Fotos in Vierfarbendruck mit beruhigenden schwarz-weiß Unterbrechungen, wenige, meist diskrete Anzeigen.


Die ersten sechs Seiten sind den Nachrichten vorbehalten. Nachrichten aus der Politik des Landes und seiner Nachbarstaaten, mit einigen Schlaglichtern aus der internationalen Politik. Seite sieben ist Forum für die Leser, also Leserbriefseite. Seite acht gehört der Meinung „opinion“, also Kommentaren, grafisch aufgelockert von einem großen Cartoon. Seite neun heißt Inside Story, Seite zehn bis elf  Culture und die letzte Seite des Hauptteils folgerichtig Back of  Front.


Sunday Dispatches, „A selection of the finest journalism from South Africa and the world” bietet genau das: Auf der ersten Seite, also Seite Dreizehn, meist eine Reportage, der auf den Seiten Vierzehn bis Sechszehn weitere folgen, meist von The Washington Post, The New York Times, Los Angeles Times oder dem Foreign Service der BBC. Je nach Leitthema werden sie ergänzt mit Beträgen  zu den Problemen mit den Afrika und Südafrika als Teil Afrikas konfrontiert ist: Hunger, Armut, Gewalt, Aids, Krieg, Korruption, koloniales Erbe und eigene Unfähigkeit. Die Entwicklungen des amerikanisch-britischen Feldzugs im Irak werden seit dem Einmarsch mit mindestens einer vollen Seite pro Ausgabe beobachtet, aber auch die Umwelt kommt nicht zu kurz.


Seite Siebzehn „People“ berichtet über das Leben oder den Tod außergewöhnlicher Persönlichkeiten, Seite Achtzehn ist die Literaturseite mit Schwerpunkt auf südafrikanischen Neuerscheinungen, aber offen für die große Welt der englischsprachigen Literatur.


Die folgenden Seiten über Golf, Cricket, Rugby, Soccer oder Sport sind schwer verständlich.


Deutsche Fußballliebhaber können immerhin die Ergebnisse der Bundesliga vom Samstag samt Tabelle und Torschützenjägerliste entdecken. Auch Sunday Life ist trotz netter Reiseberichte, Kochrezepte und eines witzigen Horoskops entbehrlich.


 


 


Das wichtigste an die Sunday Independent sind die Seiten zehn und elf. Jede Woche findet man dort Berichte zu Ausstellungen, Museumseröffnungen oder Neuigkeiten vom Kunstmarkt in den Hauptzentren Johannesburg und Kapstadt. In der Ausgabe vom 19.11.2006 etwa berichtet Mary Corrigall über die Ausstellung der Collagen von Sam Nhlengethwa unter dem Titel „Townships Re-Visited“ in der Goodman Gallery www.goodman-gallery.com in Jo´burg.


 



 


In einem weiteren Beitrag beschäftigt sie sich mit der Ausstellung Ideograph des digitalen Fotokünstler Stefanus Rademeyer in der Warren Siebrits Modern and Contemporary Art Gallery in Johannesburg: „Stefanus Rademeyer pays homage to great thinkers, depicting their ideological personality. ‚Smooth and Striated for Gilles Deleuze’ (2006) presents the French Philosopher’s thought patterns. ‘Symmetriad for Stanislaw Lem’ (2006) sees the artist strike a balance between chaos and order.” http://warrensiebrits.co.za/


 



 


Ausserdem gibt es noch eine Rezension des neuesten Fotoband des Fotografen Jürgen Schadeberg „Voices from the Land“. Schadeberg der in den Fünfzigern und Sechzigern des letzten Jahrhunderts  das rohe Gesicht der Apartheid enthüllte, zeigt jetzt das Elend der Farmarbeiter auf dem Land, an dem 12 Jahre Demokratie wenig geändert haben. http://www.jurgenschadeberg.com/


 



 


Diese Artikel gibt es allerdings nur in gedruckter Form, denn Culture gibt’s nicht mal im Onlineangebot zu kaufen http://www.sundayindependent.co.za/


Internetadressen werden – ein weiteres ‚leider’ – auch nicht angegeben, aber das bedeutet nur etwas Zusatzaufwand, der eigentlich im Kaufpreis von etwa € 1 enthalten sein sollte.


 


Im dritten Quartal 2006 haben 7,1 Millionen Visitors südafrikanische Webseiten angeklickt.


An der Spitze steht http://www.media24.co.za/ mit seiner breiten Palette an Zeitungen und Zeitschriften, gefolgt von http://www.iol.co.za/ mit einer ebenso breiten Auswahl an englischsprachigen Zeitungen. Scheinbar macht nur die Hälfte der ca. 4,5 Millionen Computernutzer von solchen Diensten Gebrauch. Denn laut einem weiteren Bericht im „Sunday Independent“ „Local internet users are slowly turning to online publications“ ziehen diese Online Dienste lediglich 2,6 Millionen User an. Wieweit die Bezahldienste genutzt werden bleibt natürlich Betriebsgeheimnis.


 


Bei solcher Nachfrage bleiben die Internatauftritte meist schlank. Das Beste Kunstjournal „art southafrica“ http://www.artsouthafrica.com/ gibt immerhin einen Großteil der Texte der Back Issues frei. Bilder? Zu Gefährlich, zu teuer.


 



Seit einem Jahr gibt es auch so etwas wie die deutschen Gratisjournale „Kunstzeitung“ oder „Kultur-Kanal“ für Südafrika. „The South African Art Time“ hat etwa dasselbe Format. Die ersten Ausgaben bestanden aus 20 Seiten Glanzpapier, einigen redaktionellen Eigenbeiträgen und ansonsten reich bebilderte Anzeigen von Galerien und Künstlern. http://www.arttimes.co.za/ . Die neueste Ausgabe umfasst bereits 32 Seiten und deutlich mehr Eigenbeiträge. Inzwischen werden 14.000 pro Monat an etwa 500 Galerien und Museen und einige Abonnenten geliefert. Für eine Nation von gut 45 Millionen, von denen etwa 60% in Armut leben und wahrscheinlich nur 20% Englisch verstehen, kein schlechtes Ergebnis.


 


BJ Huck 2006