SpacePlace: Art in the Age of Orbitization

Der Titel der Datenbank »Space Place: Art in the Age of Orbitization« zitiert Sun Ras Kultfilm »Space ist the Place«, der als eine Reaktion auf die Missachtung der Menschenrechte in den 1960ern in den Vereinigten Staaten zu verstehen ist. Sein besonderes Anliegen war die Wiederherstellung der Gleichstellung im Orbit, nachdem er hatte festellen müssen, dass die Bemühungen der Staaten auf eine Rassentrennung im Weltraum hinauslaufen würden.


Die von Philip Pocock und Peter Weibel kuratierte Datenbank setzt diese Kritiklinie fort, indem sie die Bedingungen einer gleichberechtigten Nutzung des Weltraums überprüft.


 »SpacePlace« setzt sich daher mit mobilen Technologien, Webanwendungen und Möglichkeiten des Kuratierens im Web auseinander. Es erschließt den öffentlichen Raum und bietet allen Interessierten die Möglichkeit der Partizipation an der Gestaltung des Inhalts.


Verschiedene Web-Technologien und Vorgehensweisen des gemeinschaftlichen Publizierens von Informationen im Internet werden zu einem innovativen Forum zusammengeführt, an dessen inhaltlicher Gestaltung sich die Öffentlichkeit über das Internet oder über die meisten Bluetooth-fähigen Mobiltelefone beteiligen kann.


Mit »SpacePlace« soll den unterschiedlichen Konzepten und Ideen der gemeinschaftlichen kreativen und friedlichen Nutzung des Weltraums sowie der mit diesem Begriff assoziierten Zukunftsvision Rechnung getragen werden.


So versteht sich das Projekt als ein erster Schritt hin zu einem »Kunstsatelliten«, d.h. hin zur Definition eines adäquaten Ortes für die Präsentation von Weltraumkunst, eines Ortes also außerhalb eines Museums, außerhalb der Erde auf der einen Seite und der Definition eines Forums auf der anderen Seite, das öffentlich und gemeinschaftlich zum Abruf und zur Speicherung von Daten genutzt werden kann. Die hierzu genutzten Möglichkeiten der Web2.0-Technologien und des mash-ups lösen heftige Kontroversen bezüglich der Fragen nach der Autorschaft und der Identitätsbestimmung im Internet aus. Dieser Diskussion stellt sich »SpacePlace«  als eine Form des consumer generated content und überschreitet damit die Schwelle in das Zeitalter der Orbitalisierung.


»SpacePlace« ist als Versuchsstation konzipiert. Über die Projektwebsite oder auch über die meisten Mobiltelefone (der Marken: Sony Ericsson, Nokia oder Siemens) vor Ort im ZKMax können die Nutzer durch die Datenbankinhalte navigieren oder Text- oder Bildinformationen von ihrem eigenen Handy zu diesem Universum hinzufügen und so seinen Inhalt und dessen Strukturierung kollektiv gestalten.


Ausgehend von den veränderten Nutzungsarten des Internets wurde eine Plattform entwickelt, die Inhalte, Dienste und Anwendungen unterschiedlichster Quellen im Internet verbindet und zu einem neuen Forum zusammenfügt, das durch die User mitgestaltet werden kann. Inhaltlich bündelt dieses so genannte »Web2-Mash up« dabei Material aus den verschiedenen Sphären künstlerischer Produktion von Musik über Science Fiction bis hin zu digitaler Kunst, die um den Begriff »Orbit« kreisen.


Aktuell sind über 400 Einträge, darunter zu Projekten von Künstlern von Marina Abramovic über Nam June Paik bis hin zu Arthur Woods oder Woody Vasulka, abrufbar – ein Datenpool, der beständig erweitert wird.


Das ZKMax wird dabei zu einer Bodenstation des »SpacePlace«-Satelliten: Zwei großformatige Projektionen geben visuell und akustisch den aktuellen Stand des Projektes wieder. Eine Projektionsfläche dient dabei als Interaktionsplattform, die die Möglichkeit bietet, den Datenpool zu erkunden sowie über ein Bluetooth-Interface mit dem Mobiltelefon selbst neue Informationen oder eigene Bilder hinzuzufügen.


Eine zweite Projektion zeigt visuell und akustisch den aktuellen Zustand des »SpacePlace«-Forums an: Textnachrichten und RSS Newsfeeds aus der Bloggerwelt, die in diesem Forum zusammenlaufen, werden in Echtzeit in eine synthetische Computerstimme, umgewandelt. Dieser »Soundtrack« bestimmt die Abfolge von Video- und Standbildsequenzen aus dem Datenpool, die als Projektion zu sehen sind. Die Besucher und Nutzer erleben so die terrestrische Simulation eines orbitalen Kunstwerks.


Mit »SpacePlace: Art in the Age of Orbitization« im ZKMax und online soll ein Beitrag zur Unterstützung der kulturellen, friedlichen und gemeinsamen Nutzung des Orbits bzw. des Weltraums geleistet werden. Damit verweist es auf die einstige UN-Erklärung zur friedvollen Erschließung des Weltraums, die heutzutage immer weiter hinter militärische Strategien zur Nutzung des Orbits zurücktritt.


Ein Projekt des ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe


präsentiert im ZKMax München, 03.08.-31.12.2006 


SpacePlace: Art in The Age of Orbitization
Produktion: ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, 2006


Kuratoren: Philip Pocock, Peter Weibel


Datatect: Axel Heide


Screen: onesandzeros


Archiv: Heike Borowski


Gotchis: Heiko Hoos


 



 

Link: http://www.orbit.zkm.de