Sophie Taeuber-Arp. Heute ist Morgen

12.12.2014 - 15.03.2015
Kunsthalle Bielefeld
Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld
http://www.kunsthalle-bielefeld.de

Sophie Taeuber-Arp gehört zu den herausragenden
Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die
genreübergreifend in Malerei und Tanz, in Architektur und
Design nach neuen Ausdrucksformen suchten. Ihr
souveräner Umgang mit Formen und Farben sowie der
subtile Einbezug aktueller Kunstströmungen erlaubte ihr die
Entwicklung einer unverwechselbaren künstlerischen
Handschrift, die in den verschiedensten Medien
wiederzufinden ist.
Die Ausstellung «Sophie Taeuber-Arp. Heute ist Morgen«
bietet die Möglichkeit, die gattungsübergreifende Denk- und
Vorgehensweise dieser Künstlerin anhand von knapp 200
Exponaten in noch nie dagewesener Tiefe und Breite zu
erkunden und so ihre Pionierleistung für die Moderne
umfassend zu würdigen.
Nach dem Aargauer Kunsthaus in Aarau, Schweiz, ist
Bielefeld die einzige Station in Deutschland dieser
umfangreichen Ausstellung zu Sophie Taeuber-Arp, die hier
ergänzt wird um Hauptwerke aus der eigenen Sammlung von
Hans Arp, Sonia Delaunay, Robert Delaunay, Max Ernst u.a.
Obwohl Sophie Taeuber-Arp zweifelsfrei bekannt ist – ihr
Porträt schmückt die Schweizer 50-Franken-Note und man
kennt sie als Ehefrau und künstlerische Gefährtin von Hans
Arp – ist der eigentliche Charakter ihres Werkes noch zu
wenig erforscht. Das Bild, das wir von Sophie Taeuber-Arp
haben ist immer noch geprägt von den postumen
Äußerungen Hans Arps, der seine Frau als Träumerin und
vornehmlich intuitiv arbeitende Künstlerin beschreibt. In das
Werkverzeichnis, das er nach dem Tod Sophie Taeuber-Arps
in Auftrag gibt, wird nur die so genannte „Hochkunst“, also
Malerei, Zeichnung, Relief und Skulptur aufgenommen, nicht
jedoch ihre kunsthandwerklichen und architektonischen
Arbeiten. Die Ausstellung «Sophie Taeuber-Arp. Heute ist
Morgen« möchte dieses einseitige Bild revidieren und
betrachtet das Werk der Künstlerin ganzheitlich und die
verschiedenen Medien und Gattungen als gleichwertig; denn
gerade in ihrem gattungsübergreifenden, unverkrampften
und sehr bewussten Umgang mit den Gestaltungsmitteln
liegt eine Pionierleistung von Sophie Taeuber-Arp.
Die retrospektivisch angelegte Werkauswahl mit Arbeiten
aus allen Schaffensphasen trägt Sophie Taeuber-Arps
unverkennbarem Kunstverständnis Rechnung. Zu dem
substanziellen Werkbestand aus der Sammlung des Aargauer
Kunsthauses konnten hochkarätige Leihgaben aus
internationalen und nationalen Museen, den
nachlassverwaltenden Institutionen sowie verschiedenen
Privatsammlungen gewonnen werden. Darunter finden sich
Werke, die zu Lebzeiten Sophie Taeuber-Arps wie auch
später kunsthistorische Anerkennung fanden, so z.B. eine
Reihe von Ölgemälden, Reliefs und Papierarbeiten, mit denen
die Künstlerin in den 30er-Jahren die konkrete und
konstruktive Bildsprache nachhaltig prägte, es sind aber
auch weniger bekannte Werke zu sehen: Textil- und
Kostümentwürfe, Webarbeiten oder Schmuckstücke, die
Sophie Taeuber-Arp bereits in den 1910er-Jahren entworfen
hat. Obwohl sie damit ihrer Zeit voraus war, wurde dem
angewandten Schaffen Sophie Taeuber-Arps im
Kunstkontext bisher wenig Beachtung geschenkt.

Ein ganz besonderes Highlight der Ausstellung sind die
originalen Marionetten, die Sophie Taeuber-Arp 1918 für
Carlo Gozzis Stück «König Hirsch« entwarf und die zum
ersten Mal in Deutschland zu sehen sind.
Die Kunsthalle Bielefeld knüpft mit dieser Ausstellung an die
große Ausstellung zu Sonja Delaunay im Jahr 2008 an, einer
weiteren großen Wegbereiterin der Moderne des 20.
Jahrhunderts. Beide Künstlerinnen verbindet eine jeweils
eigenständige Formensprache, die jedoch lange im Schatten
ihrer berühmten Lebenspartner Robert Delaunay und Hans
Arp gesehen wurde.
Kurator der Ausstellung: Thomas Schmutz, Kurator und
stellvertretender Leiter Aargauer Kunsthaus
Kuratoren Bielefeld:
Friedrich Meschede, Direktor Kunsthalle Bielefeld
Jutta Hülsewig-Johnen, Sammlungsleiterin
Henrike Mund, kuratorische Assistenz
Die Ausstellung in Bielefeld steht unter der Schirmherrschaft
von Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend,
Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und wird
gefördert durch die Stiftung der Sparkasse Bielefeld und die
Kunststiftung NRW.

Katalog:
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog auf Deutsch
und englisch erschienen mit Texten von Rahel Beyerle, Sarah
Burkhalter, Medea Hoch, Brigitte Meier, Walburga Krupp,
Sigrid Schade, Thomas Schmutz, Meike Steinkamp und
Rudolf Suter. Verlag Scheidegger & Spiess Zürich, 2014, 288
Seiten, 58 Euro. ISBN 978-3-85881-432-6