Sieben Hügel

Berlin (hak) – Vom 14.05.2000-29.10.2000 ist im Gropius-Bau die 28 Millionen Mark teure Show zu sehen, die Zeichen für die Zukunft setzen will.
Vergangenes und Zukunftweisendes wird dem Publikum, in sieben Themenbereichen (Kern, Dschungel, Weltraum, Zivilisation, Glauben, Wissen, Träumen) vorgestellt. Sieben Wissenschaftler unternahmen mit sieben Kunstschaffenden den Versuch, abstraktestes wissenschaftliches Denken vermittelbar zu machen. Interaktiv zu gebrauchende Exponate und die ausgestellten Ikonen aus Kunst und Wissenschaft sind dabei ihre Helfer.

“ Zeichen setzen für eine Welt von morgen, Aufklärung und Orientierung bieten, das ist im Jahr 2000 das Ziel der Zukunftsausstellung der Berliner Festspiele im Martin-Gropius-Bau.“ – so verkünden die Veranstalter auf Ihrer Homepage.
Die Orientierung im Gropiusbau fällt den meisten Besuchern ziemlich schwer. Zu verwirrend ist die Dominanz der Ausstellungsarchitektur und die willkürlich scheinende Ansammlung der Objekte.
Aber nicht nur um Orientierung, auch um die Verbindung von Kunst und Wissenschaft sollte es gehen.
Woran denkt man, wenn man das Wort Tiger hört? Richtig: an Tiger die Menschen anfallen, an Tiger im Zoo, an Tigerfell und Tigermuster. Und so sind all diese Dinge im Tigerraum ( Themenbereich Dschungel )versammelt: ein ausgestopfter Tiger, der einen Kunststoffmenschen auf einem Kunststoffelefanten anfällt, hinter Tigerkäfiggittern Monitore auf denen Tiger im Zoo zu sehen sind , ein Tigerteppich, ein Tigersofa und als Dreingabe noch ein gemalter Tiger von Gerhard Richter.
Die Idee war, den Tiger als Beispiel für eine aussterbende Art darzustellen, als Sinnbild für eine ehemals wilde und bedrohliche, nun gezähmte und bedrohte Natur. Ein interesssanter Gedanke – der auch in dem Richterbild thematisiert wird – doch die Umsetzung scheitert am Klischee, am Vorgewußten, Vorgedachten und an zu einfachem Denken.
Der Gedanke Kunst und Wissenschaft in einer Ausstellung miteinander zu verbinden, hätte etwas großartiges werden können, wenn man versucht hätte, den ausgestellten Dingen gerechter zu werden. Es hätte interessant sein können, die Muster der Käferrücken des Insektenraumes in zeitgenössischer Malerei oder Mikromaterialstrukturen wiederzufinden – man hätte den Dingen die Chance geben können, miteinander zu reden.

Im Themenbereich Zivilisation verkehrt sich die Welt völlig. Stahlkonstruktionen und schiefe Ebenen durchziehen die Räume und lassen die ausgestellten Objekte zur Dekoration verkommen. Die Ausstellungsarchitektur vergißt ihre dienende Funktion, drängt sich in den Vordergrund und erklärt die Exponate für unmündig.

Wenn die Gestalter der Ausstellung sich zurückhalten, kann man sehen, daß es auch spannend werden kann. Im Raum über die Kulturgeschichte des Spiels (Themenbereich Träumen) hat man auf einmal Luft, über das Verhältnis von Mensch und Kunst, Architektur und Gesellschaft, Traum und Zukunft nachzudenken. Die Exponate erzählen über sich selbst.

Die Ausstellungsmacher wollten mit ihrer Ausstellung aufklären. Sie wollten Zeichen setzen, Orientierung bieten, sie wollten Perspektiven zeigen, sie wollten Kunst und Wissenschaft miteinander verknüpfen, sie wollten an die Wunderkammern des 16. Jahrhunderts anknüpfen und sie wollten mit der Ausstellung das neue Berlin präsentieren. Sieben Hügel – und weil man sich nicht entscheiden konnte, hat man es auf keinen richtig geschafft – aber eben auf alle ein bißchen.

Sieben Hügel
Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts
14. Mai bis 29. Oktober 2000

Besucherzahlen: 100 000 Besucher ( Stand Freitag, 07.07.)

Ort: Martin-Gropius-Bau, Niederkirchner Str. 7l, 10963 Berlin
S-/U-Bahn Potsdamer Platz; S-Bahn Anhalter Bahnhof, Bus 129

Öffnungszeiten: Di bis So 10 – 20.00 Uhr

Eintritt: 10 DM, ermäßigt 7DM
Schulklassen und Gruppen (ab 15 Personen) 4DM pro Person

Katalog: Sieben Bände erschienen im Henschel Verlag Paket 68 DM,
Einzelband 12 DM in der Ausstellung

Link: http://www.telepolis.de/tp/deutsch/inhalt/sa/3535/1.html