Sakarin Krue-On, Terraced Rice Fields Art Project

Der thailändische Künstler Sakarin Krue-On begibt sich mit dieser ortspezifischen Arbeit auf neue Pfade. Zum ersten Mal wird Reis in Deutschland im Außenraum angebaut. Auf dem hügeligen Gelände des Bergparks unterhalb des Schlosses Wilhelmshöhe werden Reisterrassen angelegt. Damit erweist die künstlerische Leitung dem „Themenpark“ der Aufklärung eine zeitgenössische Reverenz.
Sowohl die Terrassenanlage als auch der Reisanbau werden nach traditionellem Vorbild durch Krue-On und sein thailändisches Team, darunter ein erfahrener Reisbauer, Experten aus der Region Kassel sowie documenta-MitarbeiterInnen realisiert. Dabei wird man so weit als möglich auf den Einsatz von Maschinen verzichten, auf überlieferte Methoden setzen und die Arbeiten mit einfachen Geräten wie Spaten, Gabeln und Hacken per Hand ausführen. Wird der kommende Sommer ausreichend warm und trocken, könnte der Reis schon im Juni blühen, im Juli Rispen zeigen und im September Früchte tragen. Dominiert jedoch Regen die 100 Ausstellungstage, wird der Reis vielleicht nicht einmal blühen.
Hier zeigt sich das Prozessuale, das Experimentelle der Arbeit. Bereits in der Planung und Realisierung der Arbeit stoßen kulturell unterschiedliche Arbeitsmethoden aufeinander, die in einem Übersetzungs- und Verständigungsprozess verhandelt werden müssen. Kollektive Zusammenarbeit trifft auf moderne Arbeitsteilung, tradiertes Wissen auf wissenschaftliche Expertise, Ackerbau auf Parkpflege. Weniger die Resultate, das Wachstum oder die Ernte interessieren, sondern vielmehr der Weg, die Arbeit, der Anbau. Und vor allem das pittoreske Bild der Reisterrassen vor dem Schloss in der gepflegten Parklandschaft. Kultivierte Natur, neu gesehen.
Die ortsbezogene Installation, eindeutig auch ein Bezug auf die Kaskaden im Bergpark, inszeniert symbolisch das Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen: Das Schloss Wilhelmshöhe – von Status, Gestalt und Symbolkraft ein architektonisches Monument eindeutig westeuropäischer Provenienz – und das Reisfeld – Zeugnis der Aneignung von Natur und ihrer Nutzung für den Lebensunterhalt sowie Symbol für Wachstum, Entwicklung und Zusammenarbeit. Sind sie gleichwertige Partner oder ist das eine Kulisse des anderen? Sakarin Krue-On will Fragen stellen und hofft, dass die Besucher Antworten finden werden.
Die ersten Vorbereitungsarbeiten für das Reisfeld haben am 07.05.2007 begonnen.

Quelle: Pressemitteiltung documenta12