RICOCHET#10

12.03.2016 - 05.06.2016
Museum Villa Stuck,
Prinzregentenstr. 60, 81675 München,
http://www.villastuck.de

Die Ausstellung Amie Siegel: Double Negative zeigt sieben Werke der amerikanischen Künstlerin, die zwischen 2005 und 2015 entstanden sind.
Die Film, Video, Fotografie und Installation umfassende Ausstellung stellt Korrespondenzen zwischen diesen Arbeiten her, darunter die neue, für die Villa Stuck entstandene Arbeit Double Negative, die der Schau ihren Titel gibt. Die zehnte Ausgabe der Ausstellungsreihe Ricochet inszeniert einen einzigartigen Dialog.

Das Interesse der Künstlerin für die jüngere Vergangenheit, für die Entfaltung von Zeit dient als Ausgangspunkt für die Gliederung der Ausstellung: als eine Reihe von Ritornellos, reflexive Passagen von Wiederholung und Differenz. Siegel »verfertigt, erneuert und zerlegt«, gemäß Gilles Deleuze, ihre Werke »ausgehend von einem schwankenden Horizont, von einem stets dezentrierten Zentrum und einer immer verschobenen Peripherie, die sich wiederholt und differenziert«.

Die Ausstellung zieht sich durch eine Reihe verdoppelter Räume und spiegelt Werke, die Siegels kritische Annäherung an Orte und Objekte zeigen. Im ehemaligen Atelier Franz von Stucks ist die aus mehreren Elementen bestehende Arbeit Provenance (2013) zu sehen. Der Film verfolgt in umgekehrter Richtung den weltumspannenden Handel von modernen Möbeln aus der indischen Stadt Chandigarh: einen Weg von den Wohnsitzen begüterter Sammler über Versteigerungen, Restaurierung und Transport zurück zum Ursprungsort der Möbel, der kontroversen, von Le Corbusier geplanten Stadt. Proof (Christie’s 19 October, 2013) und das Video Lot 248 (2013) dokumentieren die Versteigerung von Provenance bei Christie’s in London und zeigen das Werk selbst als Teil des spekulativen Kreislaufs von Kunst und Kapital, den es beschreibt.

In Berlin Remake (2005) werden Aufnahmen aus DEFA-Filmen heutigen »Remakes« derselben gegenübergestellt, wodurch sich unheimliche Architekturen von An- und Abwesenheit ergeben. Deathstar/Todesstern (2006) stellt verschiedene langsame Kamerafahrten durch die Gänge früher deutscher Bauten der Moderne nebeneinander. The Modernists (2010) verbindet Fotografien und eine Videoprojektion zu einer Sammlung touristischer Schnappschüsse und Super 8-Filme, auf denen ein Mann seine Ehefrau vor modernen Skulpturen auf der Welt verstreut ablichtet. Circuit (2013), eine 360-Grad-Kamerafahrt im Naturkundemuseum von Chandigarh, folgt der Darstellung der Entwicklung der Planeten im Rundbau des Panoramas und spiegelt damit zugleich die umgekehrte Zeitachse von Provenance wider.

In der für die Villa Stuck erstellten Arbeit Double Negative (2015) projizieren zwei 16 mm-Filme gleichzeitig Aufnahmen von Le Corbusiers blendend weißer Villa Savoye außerhalb von Paris und deren Doppelgängerin, einem schwarzen Nachbau in Canberra, Australien. Jeder der beiden Filme wurde als Negativ abgezogen, sodass sich eine Umkehrung von Hell und Dunkel ergibt. Als ethnographisches Institut ist die antipodische schwarze Villa Savoye heute der Herstellung digitaler Duplikate seiner Sammlungen anthropologischer Filme, Fotografien, Dias und Tonaufnahmen gewidmet, was ein HD-Farbvideo im Nebenraum zeigt. Weiße Schwäne in Paris, schwarze Schwäne in Australien. Eine Villa in einer Villa.