REBECCA HORN

21.11.2014 - 21.02.2015
Galerie Thomas Modern
Türkenstrasse 16, , München
http://www.galerie-thomas.de

Black Moon Mirror

Rebecca Horn (*1944) gehört heute sicherlich nicht nur in ihrem
Geburtsland Deutschland, sondern auch international zu den
bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Zahlreiche große
Ausstellungen in den wichtigsten Museen weltweit und viele
renommierte Kunstpreise belegen dies eindrucksvoll. Daher ist es
eine besondere Freude für die Galerie Thomas Modern, Rebecca
Horn in Deutschland zu präsentieren und eine von der Künstlerin
eigens für die Räume der Galerie konzipierte umfangreiche
Ausstellung zeigen zu können.
Wie kaum eine andere Künstlerposition der Gegenwart zeigt das Werk der
Künstlerin Rebecca Horn nicht einzelne Arbeiten, sondern einen ganzen Strom
von Werken, die alle untereinander in Resonanz und Bezug stehen. Seit ihren
Anfängen verbindet sie Performances, Skulpturen, Filme, Malereien und
Gedichte, die immer wieder ihre Bilder und auch ihre choreographischen
Raumkompositionen aus beweglichen Skulpturen begleiten und längst in
eigenen Gedichtbänden erschienen sind.
Für die Galerie Thomas Modern hat Rebecca Horn eine eigene
Ausstellung konzipiert, die nicht nur ungewöhnlich umfangreich,
sondern in einer neuen Form theatralisch aufgebaut ist. Eine erste
große skulpturale Komposition, Konzert der Seufzer, bildet den ersten
großen Raum. Diese Arbeit gehört zum Werk von Rebecca Horn seit
ihrer Teilnahme an der Biennale von Venedig 1997 und wird
manches Mal an ausgesuchten Orten neu gefasst, denn die Substanz,
der eigentliche Körper der Skulptur wird zusammengetragen aus
Baumaterialien der jeweiligen Stadt. Sodass die Kupferröhren und
–trichter, in denen dann die Seufzer zu hören sind, aus einer
gegenwärtigen Schichtung herauswachsen. Ein babylonisches
Sprachgewirr, ein Konzert aus Stimmen ist zu vernehmen – so etwa die
Stimmen des englisch-irischen Schauspielers David Warrilow, des
Interpreten und Freundes von Samuel Beckett; des amerikanischen
Schauspielers Taylor Mead, des Freundes von Andy Warhol,
Cinéma Vérité 2005
oder auch der jugoslawischen Künstlerin Marina Abramovic. Kubanische, chinesische, französische, spanische
Stimmen vermischen sich zu einem Klangteppich von Klagen und Alpträumen, die Rebecca Horn auf ihren Reisen
gesammelt hat.
Im zweiten Raum der Ausstellung erlebt der Betrachter eine
Befreiung aus diesem Traumknäuel, wenn er in großer Stille vor
dem schwarzen Bassin des Cinéma Vérité steht, das dieser
Ausstellung den Titel gibt, nämlich Black Moon Mirror.
Wie verzaubert erlebt der Besucher, wie die glatte Wasseroberfläche
von einer winzigen Bewegung gestört wird: vom
Rand her schnellt eine feine Kupferschlange vor und berührt sie.
Die Wasserringe werden mit einem einzigen Lichtstrahl als
konzentrisch sich ausdehnende Wellen auf die Wand projiziert.
Nichts ist erfunden, nichts hinzugefügt und doch entsteht auf
der Wand ein Tanz fremder Zeichen.
Ein dritter Raum dieser Ausstellung schließlich reflektiert die
Transformation eines abgebrochenen in Bronze gegossenen
Astes. Diese Skulptur birgt in ihrer Mitte einen Kranz metallener
Stäbe, die in ihrer Bewegung für einen Augenblick nur einen
leeren Innenraum bilden. Die leere Mitte wird zu einem
Ausgangpunkt, einem verborgenen Ort, den es zu schützen gilt.
Der Baum zentriert im Sonnengeflecht von 2014, erinnert
daran, welche Energie darin liegt, sich für einen Moment mit
seinem eigenen Zentrum zu verbinden.
Diese drei Räume werden begleitet von den großen Malereien und Gouachen, die mit ihren Schwingungen von
Zeichen und fliegenden Pinselsetzungen ganz andere Sphären öffnen, sodass die skulpturalen Ereignisse in neue
übergreifende Dimensionen überführt werden. Wer durch diese Ausstellung geht, wird begreifen, dass dieses
Werk aus einer beständigen Bewegung lebt, alles ist Teil eines großen Stroms, alles ist Teil eines großen sich
immer wieder wandelnden Raumgefüges.
Text: Doris von Drathen