Poesie der Farbe

23.10.2015 - 14.02.2016
Staatsgalerie
Luisenstr. 33, 70173 Stuttgart
http://www.staatsgalerie.de.

Poesie der Farbe
Max Beckmann, Heinrich Campendonk, Robert
Delaunay, Otto Dix, Lyonel Feininger, George Grosz,
Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee,
Alfred Kubin, August Macke, Franz Marc, Emil Nolde

Im Dezember 1910 diskutierten die Malerfreunde August Macke und Franz
Marc in ihrem Briefwechsel über die ästhetische Bedeutung der Primärfarben
und August Macke stellt fest: »3 Farben Blau Gelb Rot. Parallelerscheinung
Traurig heiter brutal.« Auf die Definition der drei Primärfarben seines Freundes
antwortete Franz Marc im selben Monat: »Blau ist das männliche Prinzip,
herb und geistig. Gelb das weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich. Rot
die Materie, brutal und schwer.«
Die emotionalen Kategorien, Melancholie – Heiterkeit – Brutalität, sind
Anregung für die Ausstellung »Poesie der Farbe«, in denen rund 180 Gemälde,
Zeichnungen und Druckgraphiken der Klassischen Moderne aus dem bedeutenden
Bestand der Staatsgalerie Stuttgart präsentiert werden.

»Blau« als Prinzip der Vergeistigung und Abstraktion wird vertreten durch die
Künstler des »Blauen Reiter« in München, Franz Marc und Wassily Kandinsky,
sowie einige ihrer Freunde wie August Macke, Heinrich Campendonk, Robert
Delaunay, Alexej Jawlensky und Emil Nolde. Die Gratwanderung zwischen
Beruhigung und Unsicherheit ab den 1920er-Jahren offenbart sich in der Künstlergruppe
»Die Blaue Vier«. Hier treffen die Bauhaus-Meister Lyonel Feininger,
Wassily Kandinsky und Paul Klee auf Alexej Jawlensky.
»Rot« als Sinnbild für Brutalität, Aggression und Krieg, vereint Max Beckmann,
Otto Dix, George Grosz und Paul Klee, die – jeder auf seine Weise – versuchen,
das Unbegreifbare zu verarbeiten.
»Gelb« ist das abschließende Satyrspiel, in dem einige der Künstler noch einmal
zusammenkommen – sinnlich, ironisch, bis ins Groteske gehend und damit allen
Abgründen und Widrigkeiten mit Hilfe der Kunst trotzend.
Die Chance, Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphiken verschiedener Künstler
aus dem gesamten Bestand zu vereinen, ist einer der großen Glücksfälle, die ein
Museum wie die Staatsgalerie Stuttgart bieten kann: Ihr wertvoller Schatz, der
das Ergebnis einer rund 200jährigen Sammelleidenschaft von Direktoren und
Konservatoren, der sie darin unterstützenden Landesherren und Ministerien
sowie parallel zahlreicher privater Sammler mit ihren Stiftungen und Leihgaben
ist, bringt immer wieder Überraschungen oder Neuentdeckungen ans Licht,
wirft Fragen auf und liefert Antworten. Bereits Bekanntes aus der ständigen
Präsentation kombiniert mit Meisterwerken aus den Depots und Magazinen, die
allein aus konservatorischen oder simplen Platzgründen selten ans Licht kommen,
bieten eine neue Sicht. Viele der Werke waren bereits als gefragte Leihgaben
in aller Welt, sind aber noch nie in Stuttgart gezeigt worden.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Sandstein Verlag, Dresden