PLAKATIV

14.06.2015 - 24.01.2016
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover
http://www.sprengel-museum.de

Toulouse-Lautrec und das Plakat um 1900

Das Sprengel Museum Hannover besitzt eine umfangreiche, hervorragende Sammlung von
Plakatkunst um 1900, die jetzt erstmalig in einer großen Sonderausstellung präsentiert wird. Die
internationalen Pioniere der Plakatkunst wie etwa Henri de Toulouse-Lautrec sind in der Ausstellung
mit 164 ausgewählten Originalen vertreten.
Seit etwa 1870 eroberten farbige Bildplakate die Straßen Europas und Amerikas. Bis dahin waren
Plakatentwurf und -herstellung in den Händen von Druckern und Lithografen gewesen, doch
zunehmend nahmen sich Künstlerinnen und Künstler der Gestaltung an. Zunächst in Frankreich, später
auch in England und den USA, zuletzt Mitte der 1890er-Jahre in Deutschland und den anderen
europäischen Ländern breitete sich die Plakatkunst aus. Die künstlerischen Stilrichtungen der
Jahrhundertwende, Jugendstil und Art Nouveau, fanden in der plakativen Werbung ihr ideales
Medium. Großflächige Gestaltung, kräftige Farben, schwungvolle, modulierende Konturen
entsprachen den Idealen des Jugendstils. Mit den Plakaten wurde für alle Sparten des Alltags und der
Kultur geworben, sowohl für Ausstellungen und Theateraufführungen, Reisen und Sportveranstaltungen,
neueste Buchveröffentlichungen und Zeitschriften, als auch für kommerzielle
Produkte wie Fahrräder, Kaffee und Mode.
Das Sprengel Museum Hannover übernahm bei der Gründung 1979 ein Konvolut von 631 Plakaten
vom damaligen Kestner-Museum. Das älteste städtische Museum, heute Museum August Kestner,
hatte 1915 über hundert Plakate von einem hannoverschen Privatsammler erworben. Unter der Leitung
von Albert Brinckmann, Sohn des legendären Gründers des Museum für Kunst und Gewerbe in
Hamburg, Justus Brinckmann, wurde die Plakatsammlung aufgebaut. Vor allem in Hamburg und
Berlin, aber auch in Hannover wurde das Plakat-Sammeln in diesem Zeitraum eine neue Disziplin der
Museen. Sie alle packte die affichomanie – der Plakatwahn. Unter den zahlreichen Ablegern des
„Vereins der Plakatfreunde“ war der aktivste Verein die 1912 gegründete „Ortsgruppe Hannover“, die
zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und Wettbewerbe veranstaltete. Ihr Vorsitzender war der Direktor
des Kestner-Museums, sodass auf diesem Wege vermutlich die Gratis-Tausch- und Verkaufsplakate
des Vereins der Plakatfreunde in die Sammlung gelangten.
Die Ausstellung PLAKATIV zeigt Werke von den stilprägenden Künstlern dieser Zeit: Henri de
Toulouse-Lautrec, Jules Chéret, Aubrey Beardsley, Edmund Edel, William H. Bradley, Eugène
Grasset, Ludwig Hohlwein, Alfons Mucha, Edward Penfield und Théophile-Alexandre Steinlen. Aber
auch weniger bekannte und neu zu entdeckende Künstler aus Frankreich, Deutschland, den USA,
Großbritannien, Spanien, Belgien, Italien und Österreich.
Es erscheint ein Katalog mit 80 Seiten und 170 Farbabbildungen, Bd. VIII in der Reihe „Beiträge zur
Sammlung“, mit Texten vor Karin Orchard und Barbara Martin, Preis 10 EUR.