Piet Mondrian. Die Linie

04.09.2015 - 06.12.2015
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7, , 10963 Berlin,
http://www.gropiusbau.de

Piet Mondrian (1872-1944) zählt mit seinem Werk zu den Begründern
der abstrakten Malerei. Er ist ein Meister der Komposition von Farbflächen.
Mit seiner strengen Reduktion auf die Grundelemente der Malerei schuf er Ikonen
der klassischen Moderne. Doch Mondrian begann, was weniger bekannt ist, um
1900 im impressionistischen Stil der Haager Schule zu malen, probierte verschiedene
Kunststile bis die Linie, die Organisation von Bildflächen sein künstlerisches
Werk dominierte. Diese Entwicklung im Werk Mondrians will die vom Gemeentemuseum
Den Haag gemeinsam mit dem Martin-Gropius-Bau entwickelte Ausstellung
aufzeigen.
Mit rund 50 Gemälden und Zeichnungen entsteht ein Bild von
Mondrians Suche nach dem eigenen künstlerischen Weg. Es ist die erste große
Mondrian gewidmete Ausstellung in Berlin seit der Eröffnungsausstellung der
Neuen Nationalgalerie 1968.
Die Ausstellung zeigt eine große Auswahl an Werken des Gemeentemuseum
Den Haag, das die weltweit umfassendste Sammlung von Mondrians
Werken besitzt. Benno Tempel, der Direktor des Gemeentemuseum Den Haag hat
dieses Vorhaben ermöglicht. Der Mondrian-Experte, Hans Janssen, Kustos am
Gemeentemuseum, hat die Ausstellung kuratiert.

„Das erste, was ich in meiner Malerei veränderte, war die Farbe“, notierte Mondrian
1941. Dabei überging er, dass er bereits zuvor drastisch reduzierende Schritte in
seinen Zeichnungen vorgenommen hatte, indem er schrittweise die Beziehungen
und rhythmischen Strukturen zwischen vertikalen und horizontalen Linien und
Elementen hervorhob. Dies übertrug sich auf seinen Umgang mit Farbe. Er entwickelte
sich vom Traditionalisten zum Protagonisten der Moderne.
Piet Mondrian wird am 7. März 1872 in der Stadt Amersfoort in der
Provinz Utrecht in Holland als Sohn eines Volksschullehrers geboren. In der Familie
wird ein strenger Calvinismus gepflegt. Mondrian studiert an der Rijksakademie
van beeldende Kunsten in Amsterdam und interessiert sich für die Maler der Haager
Schule und ihre Maltechnik.
Seine Motive sind vor allem Felder, Bauernhöfe, Windmühlen und
immer wieder Bäume und Flusslandschaften. Um 1905 beginnt er zu experimentieren.
An seinen Motiven erprobt er wechselnde Malstile und Maltechniken je
nach Lichtmodulation: Für eine Landschaft im Sonnenlicht wählt er einen impressionistischen
Malstil, für eine im Abendlicht einen fauvistisch-expressionistischen.
Kritiker werden auf ihn aufmerksam. 1910 formiert sich die Gruppe „Moderne
Kunst Kring“ (Zirkel der modernen Kunst) mit den Künstlern Jan Toorop, Jan Sluyters
und Piet Mondrian. 1911 stellen sie zusammen mit französischen Avantgardekünstlern,
darunter Cézanne, Braque, Picasso in der Ausstellung „Moderne Kunst
Kring“ im Amsterdamer Stedelijk Museum aus.
Im selben Jahr ist Mondrian mit einer Arbeit im „Salon des Indépendants“
in Paris beteiligt. 1912 zieht er nach Paris. Der Kubismus beeinflusst
ihn, wobei sein künstlerisches Interesse eher der Struktur und Organisation von
Bildflächen gilt. Mondrian formuliert sein Streben „nach der Harmonie durch die
Gleichwertigkeit von Linien, Farben und Flächen“. Landschaften werden schematisiert.
Das Naturmotiv wird zur abstrakten Komposition; dabei setzt er die Linie
mehr und mehr als Vertikale und Horizontale ein. 1913 ist er in Berlin in Herwarth
Waldens Ausstellung „Erster Deutscher Herbstsalon“ vertreten. 1914 besucht
Mondrian seinen kranken Vater und kehrt erst nach dem Ersten Weltkrieg wieder
nach Paris zurück. Er betreibt weiter die Auflösung des Figurativen. Seine Werke
bezeichnet er als „Komposition“, wendet sich der Theosophie zu und nennt später
seinen Stil „Neoplastizismus“.
In den 1920er und 1930er Jahren stellt er an vielen Orten aus –
in Den Haag, Amsterdam, Rotterdam, Stockholm, Paris, New York, Dresden, Berlin,
Potsdam, Wien. Doch der finanzielle Erfolg lässt auf sich warten. Um zu überleben,
malt er weiterhin Blumenaquarelle und übernimmt andere Auftragsarbeiten.
Als Kunsttheoretiker und Mitbegründer der Künstlervereinigung
„De Stijl“, die 1917 niederländische Maler, Architekten, Designer, Grafiker und
Dichter gegründet hatten, verfasst Mondrian unter anderem Le Néo-Plasticisme.
1925 erscheint die Schrift in deutscher Übersetzung als Bauhausbuch Nr. 5 unter
dem Titel Neue Gestaltung. Neo-Plastizismus, Nieuwe Beelding.

Mondrian arbeitet weiter an seinen ‚Kompositionen‘, indem er sein
Linienspiel bis zum Äußersten vereinfacht oder zu einer komplexen Gitterstruktur
rhythmisiert und durch wenige Farbflächen ergänzt. Seine Bilder werden in
Deutschland nach 1933 als entartet diffamiert, einige seiner Werke werden auf
der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München des Jahres 1937 ausgestellt. Vor
den Nazis und wegen des aufkommenden Zweiten Weltkriegs zieht er 1938 nach
London und 1940 weiter nach New York.
In den USA, besonders in New York stößt seine Arbeit auf großes
Interesse. Viele aus Europa geflüchtete Künstler leben in den 1940er Jahren in New
York. Neu entstehende Werke lockerte Mondrian nun mosaikartig mit Primärfarben
auf und überwand so seine früheren strengen Kompositionen zugunsten einer
neuen, fast musikalisch zu bezeichnenden Rhythmisierung des Motivs. Mondrian
stirbt in New York am 1. Februar 1944 an den Folgen einer Lungenentzündung.
Die lakonische Struktur seiner späten Bilder fand und findet ihren Niederschlag noch heute in Architektur, Mode, Werbung und Populärkultur.