Picasso. Fenster zur Welt

06.02.2016 - 16.05.2016
Brucerius Kunstforum
Hamburg
http://www.buceriuskunstforum.de

Das Motiv des Fensters zieht sich durch das gesamte Werk Picassos. Es war für ihn weit mehr
als ein alltäglicher Gegenstand. Wie die Ausstellung Picasso. Fenster zur Welt erstmals zeigt,
galt Picasso das Fenster als Symbol der Malerei. Indem es das Sehen thematisiert und
zwischen Innen und Außen vermittelt, steht es für künstlerische Selbstreflexion – ein in seiner
Bedeutung bisher nicht erkanntes Moment, das alle Werkphasen verbindet. Die Ausstellung,
von Ortrud Westheider kuratiert, deutet das Fensterthema als gemalte Bildtheorie. Vom 6.
Februar bis zum 16. Mai 2016 versammelt das Bucerius Kunst Forum rund 40 Leihgaben aus
internationalen Sammlungen wie dem Museu Picasso, Barcelona, dem Museo Picasso, Malaga,
dem Musée Picasso, Paris sowie der Tate, London, dem Centre Pompidou, Paris oder dem
MoMA, New York. Tickets sind ab sofort im Online-Vorverkauf erhältlich. Die Deutsche Bahn
bietet ab dem 13. Dezember 2015 für die Anreise den Sparpreis Kultur an.
Immer wieder kehrte Pablo Picasso (1881-1973) zum Motiv des Fensters zurück, wenn er sich in
Phasen der Neuorientierung mit den künstlerischen Grundfragen auseinandersetzte. Sie stellten sich
ihm beim Übergang in eine neue Werkphase. Sie wurden durch einen Ortswechsel oder einen neuen
Lebensabschnitt provoziert. Sie konnten von einem neuen Atelier angeregt werden, aus dem der
Künstler eine neue Schaffensphase hervorbrachte.
Als 18-Jähriger malte Picasso in seinem Atelier in Barcelona seine erste Folge von Fensterbildern.
Während das Fenster seit der Renaissance als Projektionsfläche einer Wirklichkeitskonstruktion
erschien, markiert es in Picassos um 1900 entstandenen Gemälden die Trennung zwischen Außen
und Innen: Das Atelierfenster wird als Schnittstelle zwischen Künstler und Welt eingeführt.
Bis in die 1920er Jahre folgten Fensterbilder, in denen ein Gegeneinander von Fläche und Raum, von
Linie und Volumen verhandelt wird. Picasso verband das Fenstermotiv nun mit kubistisch
zergliederten Gegenständen, die auf einem Konsoltisch vor dem Fenster liegen, und bezog erstmals
den Blick auf den Horizont ein. Durch die bildparallele und flächige Darstellung entsteht der Eindruck,
die Malerei wäre mit dem Fenster identisch. Das Licht des Außenraumes ist zugleich die Farbe auf der
Leinwand.
Der Neubeginn nach dem Kubismus brachte Picasso 1925 wieder zum Motiv des Fensters zurück. Er
thematisierte sein Skulpturenschaffen und ließ seine Erfahrungen mit der Bildhauerei in seinem Atelier
im Schloss Boisgeloup in die Malerei zurückfließen. Zum ersten Mal erscheint ein um eine Silhouette
ergänzter Kopf, den Picasso in der Folge in zahlreichen Werken im Zusammenhang mit Skulpturen
vor Fenstern einsetzte. Schwarze Flächen bekommen ambivalente Bedeutungen. Ihre feste Gestalt im
Fensterrahmen und Fenstergriff geht in die Schatten der dargestellten Büsten und Figuren über.

In den 1930er Jahren entstand eine Gruppe von Gemälden, in denen eine oder zwei Frauen vor
einem Fenster dargestellt werden. Diese Bilder beschreiben das im Atelier anwesende Modell
zeichnend oder lesend, ruhend oder wachend. In dieser Serie signalisiert das Fenster den
abgeschlossenen, geschützten Raum müßiger Kontemplation.
Während des Zweiten Weltkriegs, im besetzten Paris, kam Picasso erneut auf das Fensterthema
zurück. Stillleben mit Schädeln, ein wiederkehrendes Motiv in Picassos Werk zu dieser Zeit, lassen in
Kombination mit dem Fenster kraftvolle Kompositionen entstehen: Die existentielle Bedrohung, die
sich auch in dem Todesmotiv des Kreuzes zeigt, wie es durch den Fensterrahmen entsteht, paart sich
mit dem Hinweis auf die Tradition altmeisterlicher Vanitas-Darstellungen.
Im Sommer 1955 bezog Picasso in Cannes eine Villa des 19. Jahrhunderts, deren ornamental
gegliederte große Fenster den Blick auf die Palmen im Garten des Anwesens feierlich rahmten. Noch
im selben Jahr entstanden elf hochformatige Gemälde, die eines der großen Jugendstilfenster des
Ateliers im Erdgeschoss ins Zentrum stellen. Picasso bezeichnete sie als „Innere Landschaften“.
Picasso. Fenster zur Welt versammelt rund 40 Gemälde, Zeichnungen und druckgraphische Werke
aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Die Leihgaben kommen aus internationalen Sammlungen
wie dem Museu Picasso, Barcelona, dem Museo Picasso, Malaga, dem Musée Picasso, Paris sowie
der Tate, London, dem Centre Pompidou, Paris und dem MoMA, New York. Rund 50 Aufnahmen von
Photographen wie Robert Doisneau, Edward Quinn oder David Douglas Duncan zeigen Fenster als
bestimmende Elemente in Picassos Lebens- und Arbeitsräumen und wie er sich vor ihnen in Szene
setzte.
Der Katalog zur Ausstellung mit Beiträgen von Emilie Bouvard, Fabrice Flahutez, Esther Horn, Brigitte
Leal, Androula Michaёl und Ortrud Westheider erscheint im Hirmer Verlag (München, ca. 204 Seiten
mit farbigen Abbildungen aller ausgestellten Werke, 29 € in der Ausstellung).
Tickets zur Ausstellung sind ab sofort im Onlineshop des Bucerius Kunst Forums unter
www.buceriuskunstforum.de/tickets erhältlich. Besucher reisen mit dem Sparpreis Kultur der
Deutschen Bahn umweltfreundlich zur Ausstellung Picasso. Fenster zur Welt und zurück. Der
Sparpreis Kultur ist ab dem 13. Dezember 2015 erhältlich. Weitere Informationen unter
www.bahn.de/kultur.