Peter Pongratz

18.03.2015 - 07.06.2015
ESSL MUSEUM Kunst der Gegenwart
An der Donau-Au 1 , 3400 Klosterneuburg bei Wien
http://www.essl.museum

essl

 

Der österreichische Künstler Peter Pongratz feiert heuer seinen 75. Geburtstag. Deshalb widmet ihm das Essl Museum eine große Retrospektive mit allen Werken der bisherigen Schaffensphasen und auch neuen, bisher noch nicht gezeigten Arbeiten. Die Ausstellung zeigt Werkserien des Künstlers von frühen, phantastisch anmutenden Landschaften über die Auseinandersetzung mit ozeanischer Kunst bis zu neuen, figurativ-abstrakten Arbeiten direkt aus dem Atelier des Künstlers.

Die Kunst des Peter Pongratz
„Mein Leben ist auf Bildern aufgebaut – das ist meine Form zu kommunizieren“, so Peter Pongratz. Akademismen und künstlerischen Moden misstrauend, hat sich der Künstler einen kindlichen Blick auf die Welt bewahrt und sucht in seiner Malerei und Grafik nach einem individuellen und stark gefühlsbetonten Ausdruck. Pongratz mischt seit seinen künstlerischen Anfängen in den 1960er Jahren das Figurale immer wieder mit dem Abstrakten und wendet sich dabei bewusst gegen die damals richtungsgebenden Fronten des Informellen oder des Phantastischen Realismus. Zeit seines Lebens ist er begeistert von der unverstellten und authentischen Kunst von Kindern, er beschäftigte sich mit Art brut, ist fasziniert von den Kulturen Ozeaniens und jener von Urvölkern. Dabei bezeichnet sich der Künstler selbst als Vorreiter der „wilden“ Malerei, die dann in den 1980er Jahren in Österreich, aber etwa auch in Deutschland für großes Aufsehen sorgt.

1966 ging Pongratz von Graz nach Wien und lernte eine Gruppe von gleichgesinnten, wenn auch sehr unterschiedlichen MalerInnen kennen: Martha Jungwirth, Wolfgang Herzig, Kurt Kocherscheidt, Franz Ringel und Robert Zeppel-Sperl. „Deren Gemeinsamkeit bestand immerhin darin“, so Pongratz, „dass sie mit den bis dahin existierenden strengen Formen des bildnerischen Ausdrucks für ihre viel reicheren, üppigeren Vorstellungen von Kunst kein Auslangen mehr finden konnten, die aber aufgrund ihrer verschiedenen Ansätze in der Lage waren, die gesamte Bandbreite der notwendigen Veränderungen und Erweiterungen für eine offenere Malerei zu zeigen, die sich ab Mitte der 1960er-Jahre abzuzeichnen begann“. Otto Breicha ermunterte die Gruppe zu einer gemeinsamen Präsentation, die als große Ausstellung der „Wirklichkeiten“ im Mai 1968 in der Wiener Secession eröffnet wurde und als solche in die Kunstgeschichte eingegangen ist.

Die Ausstellung
Die Ausstellung im Essl Museum umfasst rund fünfzig Jahre im Schaffen dieses außergewöhnlichen Malers und Grafikers und zeigt – bei gleichbleibendem Grundthema – die große Bandbreite und Vielfältigkeit seines Schaffens. In nicht chronologisch angeordneten Themenräumen werden verschiedene Werkserien vorgestellt:

Der größte Ausstellungsraum widmet sich unter dem Titel „One Morning in May“ (2012-2015) ganz neuen Arbeiten des Künstlers. Zeichnerische Elemente, bunte phantasievolle Pflanzen und amöbenartige Wesen breiten sich über die weiß grundierte Leinwand aus. Die Malereien beeindrucken durch ihre kräftigen, intensiven Farben und facettenreiche Formensprache, die die Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion scheinbar mühelos überwindet.

In der Werkphase „The Gentle Tasaday“ (1975-1981) zeigt sich Pongratz‘ Faszination für ozeanische Kunst und einen ursprünglichen künstlerischen Ausdruck – im Besonderen für den 1971 angeblich entdeckten philippinischen Steinzeitstamm der Tasadays (der sich später als Schwindel herausstellte). In diesem Ausstellungsraum sind auch einige der raren Skulpturen des Künstlers zu sehen, anhand derer sich der Künstler – angelehnt an traditionelle Kultobjekte – durchaus augenzwinkernd mit der skulpturalen Kunsttradition auseinandersetzt. Langjährige Aufenthalte in Dalmatien und das Lesen der Werke von Dichtern wie Theokrit und Ovid inspirierten Pongratz zu „Arkadien“ (2002-2010), eine Beschäftigung mit der Idylle und den griechischen Mythen.

In der Serie „Alice in Madland“ (1997-2001), zeigt Pongratz seine Zuneigung für das phantasievolle und freiheitsliebende Buch „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll. Ihr gegenüber steht der düstere Kriegszyklus „Das Herz der Finsternis“(1992-1994), entstanden aus Anlass des Krieges am Balkan. Ärger über die Dummheit der Menschen und wiederauflebende Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, den er als Kind miterlebt hatte, waren Auslöser für eine künstlerische Auseinandersetzung mit Krieg, mit Angst und Leid.

Die „Heiligenbilder“(1969-1971) mit Schutzengel und dem Herzen Jesu sind ein ironischer Umgang mit religiösen Kitschbildern, durchaus aber auch getragen von einer großen Sympathie für diese gerade in der Moderne so verpönten Heiligendarstellungen. In der Mitte der Ausstellung, in der sogenannten „Rotunde“ des Essl Museums, ist eine Reihe kleinformatiger Selbstporträts zu sehen – ein über die Jahre immer wiederkehrendes, äußerst beliebtes Bildmotiv im Oeuvre des Künstlers. Daran schließt der farbenprächtige Zyklus „Soulpainting“ (1982-1992) an, bei dessen Werktitel sich Pongratz von Musik(titeln) des Jazz, Blues und Soul inspirieren ließ.

Im zweiten Teil der Ausstellung werden liebliche, bunte „Blumen“ (2004-2010) schwarzweiße Leinwände der Serie „Sweet Home Vienna“ (2004-2006) einander gegenübergestellt, in denen sich Pongratz kritisch wie humorvoll mit dem Wiener Kunstbetrieb auseinandersetzt. Schrift, Zeichen und Comicelemente verdrängen hier die bunten Farben. Ausdrucksstarke „Köpfe & Körper“ (1966-1969) sind die frühesten Werke der Ausstellung, sie stehen in Dialog zu dem „Kinderlieder“-Zyklus (1992-1997) – bunte Kinderkritzeleien voller naiver Heiterkeit.

Die frühen „Landschaften“ (1969-1974) bilden den Abschluss der Ausstellung. Sie erinnern an geologische Schnitte aus alten Naturlehrbüchern, zeigen gleichzeitig das Außen, eine urzeitliche Landschaft mit Bergen, Vulkanen und dem Horizont, und das Innen, die Erdschichten mit amöbenhaften Wesen, Pumpen und Körperquerschnitten. Sie stehen aber auch für Leidenschaft und Gefühl – die zentralen Antriebsfedern für das künstlerische Werk von Peter Pongratz.

Kurator: Günther Oberhollenzer