Paul Klee – Die abstrakte Dimension

01.10.2017 - 21.01.2018
Fondation Beyeler
Riehen / Basel
http://www.fondationbeyeler.ch

Zum ersten Mal
überhaupt wird im Rahmen dieser Ausstellung Klees Verhältnis zur Abstraktion, jener Errungenschaft
der modernen Malerei, beleuchtet.
Wie viele seiner europäischen Künstlerkollegen stellte sich auch Paul Klee dieser Herausforderung. In
seinem Oeuvre lassen sich vom Früh- bis Spätwerk Beispiele für die Abkehr vom Gegenständlichen hin
zur Gestaltung abstrakter Bildwelten beobachten. Natur, Architektur, Musik und Schriftzeichen sind die
zentralen, wiederkehrenden Themen. Anhand von 110 Werken aus 12 Ländern rückt die Ausstellung
diesen bislang unbeachtet gebliebenen Aspekt von Klees Schaffen in den Fokus.
Beginnend im Jahr 1912 zeigt die retrospektiv gestaltete Ausstellung verschiedene Werkgruppen in
chronologischer Reihenfolge , anhand derer sich die entscheidenden Etappen von Klees Entwicklung
nachverfolgen lassen: Die sich über sieben Säle erstreckende Schau beginnt mit Klees Anfängen als
Maler in den 1910er Jahren in München und der berühmten Tunis-Reise von 1914, thematisiert
folgend die Zeit des Ersten Weltkrieges und des Bauhaus-Jahrzehnts von 1921 bis 1931 mit den
bekannten Schachbrettbildern, Schichtaquarellen und Werken, die auf die Auseinandersetzung mit der
Geometrischen Abstraktion in den 1930er Jahren verweisen. Die Gemälde, die im Anschluss an Klees
Reisen nach Italien und Ägypten in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren entstanden, führen
schliesslich zu den Zeichenbildern im Spätwerk des Malers sowie seinen Bildentwürfen für die
Nachkriegskunst.
Für die gross angelegte Ausstellung konnte die Fondation Beyeler eine Vielzahl von wertvollen
Leihgaben aus 35 international bedeutenden Museen und öffentlichen Sammlungen gewinnen,
darunter das Metropolitan Museum und das Museum of Modern Art in New York, das Centre Pompidou
in Paris, die Albertina in Wien, die Staatlichen Museen zu Berlin – Sammlung Berggruen, die
Kunstsammlung Nordrhein-Westfahlen in Düsseldorf, die Sammlung Rosengart in Luzern, das
Kunstmuseum Basel sowie das Zentrum Paul Klee in Bern. Zudem zeigt die Werkschau 52 Werke aus
Privatsammlungen aus Europa und Übersee, die der Öffentlichkeit sonst nicht oder nur selten
zugänglich sind. 13 Gemälde kommen aus dem Zentrum Paul Klee und 10 Werke stammen aus der
eigenen Sammlung der Fondation Beyeler.
Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören die Werkgruppen der Schachbrettbilder, insbesondere
Blühender Baum, 1925, 119 aus dem Nationalmuseum für moderne Kunst, Tokio, und Blühendes
1934, 199 aus dem Kunstmuseum Winterthur sowie die Schichtaquarelle. Ein weiteres Highlight der
Ausstellung ist das so genannte Lagenbild Feuer Abends, 1929, 95 aus dem Museum of Modern Art,
New York. Weitere prominente Werke sind die pointillistischen Gemälde Klaerung, 1932, 66 aus dem
Metropolitan Museum New York sowie das bisher nur selten gezeigte Werk Vor Anker, 1932, 22.
Mit 20 Werken zählt Paul Klee zusammen mit Pablo Picasso zu den Künstlern, die in der Sammlung
Beyeler am meisten vertreten sind. Für Ernst Beyeler gehörte Klee zu den bedeutendsten Malern des
20. Jahrhunderts. Eine der ersten Ausstellungen in der Galerie Beyeler an der Bäumleingasse war 1952
Paul Klee gewidmet; weitere Schauen, die verschiedene Aspekte in Klees Schaffen beleuchteten,
folgten. Ernst Beyeler hat mit rund 570 Werken des Künstlers gehandelt. Seine Sammlungspassion galt
hauptsächlich dem Spätwerk Klees, das er „wegen der farblichen Qualität und der Ausdrucksstärke“
besonders schätzte. Im Laufe der Jahre ist es ihm gelungen, eine hochkarätige Sammlung
zusammenzutragen, zu deren Schlüsselwerken Gemälde wie Aufgehender Stern, 1931, 230 sowie
Zeichen in Gelb, 1937, 210 zählen; beide Werke werden in der Ausstellung zu sehen sein.
Anna Szech, die Kuratorin der Ausstellung, erläutert: „Es war überraschend und sehr spannend, im gut
erforschten Schaffen von Klee einen neuen Aspekt zu entdecken. Indem wir diesen bislang weitgehend
unbeachtet gebliebenen Beitrag Klees zur Abstraktion in den Fokus rücken, zeigen wir, dass ihm ein
ehrenvoller und durchaus prominenter Platz auch in der Geschichte der abstrakten Malerei des 20.
Jahrhunderts gebührt“.
Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler, ergänzt: „Paul Klee ist mit Picasso der Künstler, der am
meisten in der Sammlung Beyeler vertreten ist. Es freut mich besonders, dass wir diesem bedeutendem
Künstler der Moderne zum zwanzigsten Geburtstagsjahr der Fondation Beyeler eine umfassende
Ausstellung widmen wie es sie noch nie gab.“
Dem Katalog zur Ausstellung, der im Hatje Cantz Verlag erscheint, gebührt dieses Mal eine besondere
Erwähnung. Neben den Kunsthistorikerinnen und Klee-Kennerinnen Fabienne Eggelhöfer und Regina
Prange konnten als Autoren Persönlichkeiten gewonnen werden, deren Namen zwar in der
Kleeforschung nicht vertreten sind, die aber in ihren jeweiligen Berufsfeldern Meister ihres Faches sind
und die sich bereit erklärt haben, das Werk Klees unter eigenen Gesichtspunkten zu untersuchen. So
führt der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis seine Gedanken zum Thema Musik aus, die
US-Amerikanische Künstlerin Jenny Holzer befasst sich mit den Zeichen in Klees Gemälden, und der
Schweizer Architekt Peter Zumthor widmet sich den architektonischen Elementen, die sich in Klees
Werken offenbaren.
Die Ausstellung „Paul Klee – Die abstrakte Dimension“ wird grosszügig unterstützt durch:
Beyeler-Stiftung
Hansjörg Wyss, Wyss Foundation
Simone C. und Peter Forcart-Staehelin
Annetta Grisard
L. & Th. La Roche Stiftung
Walter Haefner Stiftung