OTTO PIENE FIGUR UND FARBE

13.05.2016 - 23.07.2016
Galerie Thomas
Türkenstr. 16, München
http://www.galerie-thomas.de

Unter dem Titel „Figur und Farbe“ präsentiert die Galerie Thomas Modern
starkfarbige, gestische Temperaarbeiten von Otto Piene. Der Künstler verwendet in
diesen Werken auf den ersten Blick ungewöhnliche figürliche Darstellungen und
interpretiert in diesen noch kaum bekannten Werken seine großen künstlerischen
Themen Licht, Farbe und Bewegung auf eindrucksvolle Weise neu.
Als Mitbegründer von ZERO waren für Otto Piene Licht und Farbe die bestimmenden Elemente
einer Kunst, die sich von den überkommenen Regeln der Bildsprache lösen und neue Gültigkeit
erlangen wollte. Mit seinen Lichtballetten, kinetischen Lichtobjekten und den Feuerbildern
erkundete Piene diese unmittelbare, aber auch dem zufälligen, unkontrollierten Spiel des
Materials und des Lichts Raum gebende künstlerische Wirkung.

In den Temperabildern dominieren kräftige Farben in
kontrastreichen Kombinationen, die Darstellung zeigt häufig
expressive Figuren. Die Grundfarben rot, blau und gelb sowie
schwarz und weiß erzeugen in der jeweiligen Kombination nicht
nur eine starke Farb-, sondern auch eine Lichtwirkung. Die
Malweise als solche übersetzt die für Piene so wichtige Vibration
des Lichtes ins Bild.
Fast alle Arbeiten sind eigentlich Bewegungsbilder von
Einzelfiguren oder Figurengruppen, manche zeigen die Cellistin
und Performancekünstlerin Charlotte Moorman, so daß, wie in
den blauen, Richard Wagner zitierenden Arbeiten, die Musik als
Assoziation einer immateriellen, zeitgebundenen Kunst des
Klanges präsent ist. Andere variieren das Motiv des Auges,
welches wiederum seit jeher als ein Symbol und Äquivalent des
Lichtes gilt, ganz im Sinne von Pienes Auffassung, wonach die
Dinge und die Welt erst durch das Licht geschaffen werden.
Darin steckt auch das Interesse an der
Dematerialisierung des Kunstwerks, wie es Piene und
die ZERO-Bewegung verfolgt haben. Otto Piene hat
aus dieser Tendenz und im Bestreben, Bewegung
und – was gerne vergessen wird – auch die Zeit, den
Zeitablauf ins Werk zu setzen, große Luft- und
Himmelsskulpturen geschaffen, die sogenannten
„Inflatables“. Schon 1968 konnte Piene auf diese
Weise das Paradox des Vergänglichen, Immateriellen
mit großer optischer, farbiger und leuchtender
Präsenz realisieren. Die Skulpturen dieser Sky-Events
erinnern häufig an riesige Blüten oder Sterne, die
sich monumental in ihrer Größe, aber mit ebenso
großer Leichtigkeit im Wind vor dem Blau des Himmels oder, bei Nacht, in dem sie
anstrahlenden Licht wiegen – ein Motiv, das auch Jahrzehnte später in den in der Galerie
Thomas Modern ausgestellten Temperaarbeiten wiederzufinden ist.
Otto Piene selbst charakterisiert seine Papierarbeiten als „frei phrasiert“ und „lebhaften Prozessen ausgesetzt“. Er schreibt: „Spontaneität und Intuition – der blitzartige Einfall zur blitzartigen
Verwirklichung – sind typische Elemente künstlerischer Freiheit in den Papiermedien, und
spontaner, subjektiver Ausdruck ist die Folge.“