Otto Dix – Der böse Blick

11.02.2017 - 14.05.2017
STIFTUNG KUNSTSAMMLUNG NORDRHEIN-WESTFALEN
Grabbeplatz 5, Düsseldorf
http://www.kunstsammlung.de

Kuratorin: Dr. Susanne Meyer-Büser
Otto Dix (1891-1969) verbrachte von 1922 bis 1925 sehr erfolgreiche Jahre in
Düsseldorf und entwickelte in dieser Zeit seinen unverkennbaren kritischen Stil. In der
Ausstellung Otto Dix – Der böse Blick stellt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
erstmals umfassend die Werke aus dieser kurzen aber intensiven Phase in den
Mittelpunkt und macht ihre internationale Strahlkraft erlebbar. Die Ausstellung untersucht
die Zusammenhänge von individueller künstlerischer Produktivität, ästhetischen und
gesellschaftlichen Fragestellungen sowie die Einflüsse von Unterstützern und
persönlichen Lebensumständen.
Der junge Maler und Grafiker aus Dresden kommt im Oktober 1921 nach Düsseldorf: Er
war ein zwar mittelloser, allerdings nicht mehr ganz unbekannter Künstler, der sich im
Rheinland bessere Ausstellungsmöglichkeiten und Aufträge erhoffte. Mit größtem
Ehrgeiz wandelt er sich in den kommenden drei Jahren vom expressiv-veristischen
Dadaisten zu einem kritischen Porträtisten der Neuen Sachlichkeit, der seine
Mitmenschen schonungslos im Bild fixiert. Als er – persönlich und künstlerisch gereift –
1925 nach Berlin umsiedelt, eilt ihm der Ruf seines „bösen Blicks“ voraus.
Die erste Kontaktaufnahme zur Düsseldorfer Kunstszene fand Anfang 1920 über
Conrad Felixmüller statt, der Dix mit Otto Pankok, Gert Wollheim und anderen Künstlern
der avantgardistische Gruppe Das Junge Rheinland zusammenbrachte. Dazu gehörte
auch die Kunsthändlerin Johanna Ey, deren Galerie in dieser Zeit ein lebendiger
Treffpunkt der jungen rheinischen Künstler wurde.
Johanna Ey setzte sich besonders für die Karriere des noch in Dresden lebenden
Künstlers ein. Hatte Dix hier unter der Unverkäuflichkeit seiner Arbeiten gelitten, so
wendete sich im Rheinland das Blatt: Bereits im September 1920 meldet ihm Johanna
Ey erste Verkäufe. Als sie Dix schließlich kennenlernt, war sie von dem dandyhaften
jungen Mann fasziniert. Sie gab ihm Obdach in einem Nebenzimmer ihrer Galerie und
machte ihn zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten ihres Kunsthandels.
Zu den frühen Förderern gehörte auch der Sammler und Arzt Dr. Hans Koch, der bereits
vor Johanna Ey Kontakte zur Dresdener Kunstszene hatte und sich 1921 von Dix
porträtieren ließ. Martha Koch, Ehefrau des Sammlers, wurde in dieser Zeit Dix´ Geliebte – beide heirateten im Frühjahr 1923. Dies schadete allerdings weder der
geschäftlichen noch privaten Beziehung aller Beteiligter.
Die drei Jahre in Düsseldorf waren für Dix von immenser Produktivität und einer ganzen
Reihe herausragender künstlerischer Phasen geprägt: So entstand bis 1923 der
Großteil aller je von ihm geschaffenen Aquarelle. Ab 1922 besuchte er die Düsseldorfer
Kunstakademie; ausgesprochen wichtig war ihm der Unterricht in druckgrafischen
Techniken. Die dort erlernte Aquatinta-Technik setzte er etwa für seinen berühmten
Radierzyklus Der Krieg (1924) ein, in dem Dix drastisch mit der modernen
Kriegsmaschinerie abrechnet. In dieser Zeit entstanden auch zahlreiche Hauptwerke
der Farblithografie – darunter Kupplerin, Matrose mit Mädchen oder Leonie.
Die inspirierende und ermutigende Düsseldorfer Kunst- und Galerienszene, die
materielle Sicherung und das neue private Glück: Alles zusammen bewirkte eine
Stabilisierung der Lebensumstände und sogar eine gewisse Etablierung in der
Gesellschaft – Faktoren, die den Mal- und Porträtstil im Laufe der Jahre weiter
veränderten. Dix wandte sich ab 1924 der Neuen Sachlichkeit zu und setzte für seine
zunehmend kühleren, analytischen Porträts eine altmeisterliche Lasurtechnik ein. Bis
heute gilt Otto Dix als der berühmt-berüchtigte Porträtist, der seine Modelle jenseits
jedweder gängiger ästhetischer Normen kritisch und „mit bösem Blick“ in Szene setzte.