Okwui Enwezor übernimmt die Leitung des Haus der Kunst, München

Das Haus der Kunst freut sich bekannt zu geben, dass Okwui Enwezor die Leitung des Hauses übernimmt. Enwezor tritt seine Stelle im Oktober 2011 an. Er ist Nachfolger von Chris Dercon, der im April seine neue Tätigkeit als Direktor der Tate Modern in London aufnimmt, jedoch die Ausstellung "Carlo Mollino. Maniera moderna" (Haus der Kunst, 16. September 2011 – 8. Januar 2012) noch betreut.

Derzeit ist Enwezor (geb. 1963 in Kalaba, Nigeria) außerordentlicher Kurator am International Center of Photography in New York. Er war Studiendekan am San Francisco Art Institute und Gastprofessor an der Art History University in Pittsburgh, Columbia University, sowie an der University of Illinois, Urbana-Champaign. Enwezor ist Joanne Cassulo Fellow des Independent Study Program am Whitney Museum of American Art in New York und künstlerischer Leiter von Meeting Points 6. Er wurde außerdem vor kurzem zum Hauptkurator von La Triennale, Paris 2012 ernannt und ist 2011 kuratorischer Berater der "Dublin Contemporary".

Dem Münchner Publikum ist Okwui Enwezor seit 2001 bekannt: mit "The Short Century. Unabhängigkeits- und Befreiungsbewegungen in Afrika 1945-1994" bot er den bis dahin umfassendsten Überblick über das spät- und postkoloniale Kunstschaffen in Afrika. Mit dieser Ausstellung, in der er Kunst und dokumentarisches Material gleichwertig behandelte, stellte Enwezor die Frage nach der Autonomie von Kunst und nach der Trennschärfe zwischen privat und öffentlich.

Okwui Enwezor begann 1983 in New York Politikwissenschaft zu studieren. Zu dieser Zeit fing er an, sich für Kunst zu interessieren und fand bei zahlreichen Ausstellungen sowie im globalen Kunstmarkt afrikanische Künstler unterrepräsentiert. Umgekehrt stellte er in afrikanischen Ländern erhebliche Lücken in der Kunstgeschichtsschreibung fest. Diese Beobachtungen bildeten die Grundlage, auf der Enwezor sein Profil als Autor und Kurator geschärft hat: Enwezor setzt sich konsequent dafür ein, dass der internationale Kunstbetrieb seine Fixiertheit auf den euroamerikanischen Zusammenhang überwindet und flankiert dies mit Veröffentlichungen. 1994 gründete er das dreimal jährlich erscheinende Magazin "NKA: Journal of Contemporary African Art", das er bis heute gemeinsam mit Salah Hassan (Cornell University) und Chika Okeke-Agulu (Princeton University) herausgibt.

Enwezor war künstlerischer Leiter von mehreren Großausstellungen. 1996-97 leitete er die zweite Johannesburg Biennale in Südafrika, mit der die Apartheid auch im kulturellen Bereich ein symbolisches Ende fand; 1998-2002 wurde er als erster Vertreter eines nichtwestlichen Landes für die künstlerische Gesamtleitung der documenta 11 in Kassel bestellt; 2006 kuratierte er die Biennale für zeitgenössische Kunst in Sevilla ("Das Ungemütliche – Phantomszenen in der globalen Gesellschaft") und 2007-08 die 7. Gwangju Biennale in Südkorea. Seine Überlegungen zum Format der Großausstellung – die gleichzeitig ansprechend und ernst zu sein und mit der Zeit des Besuchers besonders ökonomisch umzugehen hat – veröffentlichte er in
"Großausstellungen und die Antinomien einer transnationalen globalen Form". Daneben hat er zahlreiche Ausstellungen für Gegenwartskunst kuratiert.

Kunstminister Heubisch: "Okwui Enwezor hat die documenta 11 im Jahr 2002 fulminant geleitet und herausragende Kunsterlebnisse geschaffen, die bis heute in der Kunstwelt ihre Auswirkungen zeigen. Als künstlerischer Direktor hat Herr Enwezor führende Stellungen in Sevilla und Johannesburg bekleidet. Wie kaum eine Spitzengestalt der internationalen Kunstszene ist er europäisch wie außereuropäisch verankert."

"Ich bin hoch erfreut und fühle mich geehrt, mich dem Haus der Kunst für seine nächste Phase des Wachstums in der globalen Landschaft zeitgenössischer Kunst anzuschließen", sagt Okwui Enwezor. "Im letzten Jahrzehnt war das Haus der Kunst ein sehr lebendiger Ort und hat mit kraftvoller Stimme das Schlüsselargument vorangebracht, dass seriöse zeitgenössische Kunst so vielfältig ist wie die Künstler, deren Praktiken es in seinen Ausstellungen gezeigt hat. München ist eine großartige Stadt, wo sich die Wege der globalen Community vielfach kreuzen. Ich freue mich darauf, mit dem Team des Haus der Kunst zu arbeiten und eine aufregende Plattform für Ausstellungen, Debatten und Ideen zu errichten."

Das Team im Haus der Kunst freut sich darauf, gemeinsam mit Okwui Enwezor weiterhin international ausgerichtete Ausstellungen zeitgenössischer Kunst anzubieten, in denen "nicht Nationalitäten, sondern Ideen" (Enwezor) im Vordergrund stehen werden.

 

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