NINA BEIER CASH FOR GOLD

23.05.2015 - 26.07.2015
KUNSTVEREIN IN HAMBURG
Klosterwall 23, 20095 Hamburg
http://www.kunstverein.de/

“Beier’s recent inquiries are centered on ubiquitous representations of things that appear on and within
other things, questioning the ways objects at once are exhausted by human signification yet are not fully
determined by language and apprehension.” (Post Brothers)
Nina Beiers erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland Cash for Gold im Kunstverein in
Hamburg verdeutlicht ihre künstlerische Verhandlung der Leerstelle zwischen bildlicher Repräsentation
und Wertvorstellungen. Unentwegt spürt die Künstlerin den Status von Bildern auf, die unsere
gesellschaftliche Realität bestimmen und entwickelt anhand ihrer ein eigenes, wandlungsfähiges Lexikon.
Ausgehend von der Kompromisslosigkeit „autorloser“ Vorlagen, kann alles ‒ von kommerzieller,
traditioneller oder natürlicher Produktion ‒ Einzug in ihr Vokabular halten. Sie nimmt Materialien, wie
Nikotin, Kaugummi, Hermès Krawatten, Perücken aus menschlichem Haar und künstlichen Schweiß aus
ihren festgeschriebenen Zusammenhängen heraus, um die Schichten historischer, kultureller und
sozialer Informationen aufzudecken. In Zeiten massenproduzierter und heimatloser Bilder werden Körper
zu Trägern von unmöglichen Versprechen. Beiers Arbeiten enthüllen die Verwirrung von Bild und
Dargestelltem, um die komplexen Zusammenhänge zu zeigen, in denen Bedeutungen niemals stabil sind.
Glossar zur Ausstellung
Palme: In vielen historischen Kulturen dienten Palmen als Symbole für Vorstellungen wie Sieg, Frieden,
Fruchtbarkeit. Auch heute sind Palmen noch ein beliebtes Symbol für die Tropen und für Urlaub.(1)
Hund: Der Hund ist ein Tier mit vielen Fähigkeiten; er verhält sich Menschen gegenüber sehr loyal,
gehorsam und voller blinder Liebe.(2) Handgefertigter Perserteppich: Öl stellt das größte
Exporteinkommen dar, aber im Hinblick auf Erwerbstätigkeiten dominiert die Teppichproduktion.
Millionen von IranerInnen sind auf die eine oder andere Weise an der Herstellung von Teppichen
beteiligt.(3) Perücke aus menschlichen Haaren: Generell werden vier grundlegende Arten von Haaren
für Perücken verwendet: chinesisches, indonesisches, indisches und europäisches/kaukasisches. Die
meisten Perücken bestehen aus asiatischem Haar.(4) Nikotinkaugummi: „Mit dem Rauchen aufzuhören
ist kinderleicht“, sagte Mark Twain einmal, „ich habe es schon hundertmal geschafft.“ Hermes: Wegen
seiner Schnelligkeit erhielt Hermes die Rolle des Boten und desjenigen, der die Seelen in die Unterwelt
geleitet. Hermes war der einzige Gott des Olymps, der autorisiert war, den Himmel, die Erde und auch die
Unterwelt zu besuchen. Daher war er bei den griechischen Göttern und Göttinen sowie Geistwesen sehr
beliebt.(5) Künstliche Tränen: Die meisten künstlichen Tränen dienen dem gleichen Zweck: Sie sollen
die Konsistenz des Auges, den Komfort im Auge und eine Interaktion mit der Augenoberfläche
unterstützen, sodass Beschwerden verringert werden und die Augenoberfläche geschützt wird.(6)
Bronze: Bronze wurde zur Produktion von Waffen, Werkzeugen und Rüstung, aber auch weiträumig in
der Kunstproduktion verwendet; tatsächlich wurden auch funktionale Bronze-Gegenstände häufig zu
künstlerischer Dekoration umfunktioniert.(7) Archivfotografie: Diese anonymen und heimatlosen Bilder,
die aus Bilder-Datenbanken stammen, wurden von freiberuflichen FotografInnen aufgenommen, die
herausfinden wollten, was heutzutage kommuniziert werden sollte. So entstehen leere und offene
Metaphern und je weniger diese Bilder bedeuten ‒ oder um es anders auszudrücken, je mehr sie
bedeuten können ‒, desto erfolgreicher sind sie.(8) Schweiß: Auch wenn Schweiß bei vielen Säugetieren
vorkommt, produzieren relativ wenige davon, wie auch Menschen und Pferde, große Schweißmengen zur
Abkühlung.(9).
(Bettina Steinbrügge)
(1) Wikipedia (2) DPH Trading (3) carpetencyclopedia.com (4) wigs.com (5) greek-gods.info
(6) reviewofophthalmology.com (7) arthistory.net (8) Nina Beier (9)Wikipedia
Nina Beier (*1975, Århus, Dänemark) hatte zuletzt Einzelausstellungen in der Galerie Metro Pictures,
New York; bei Objectif Exhibitions, Antwerpen; in der DRAF, London; im Kunsthaus Glarus, Schweiz; in
der Galerie Mostyn, Llandudno, UK; bei den Proyectos Monclova, Mexiko; in den Galerien Croy Nielsen,
Berlin und Standard (Oslo), Oslo, sowie in der Kunsthal Charlottenborg, Kopenhagen. Ihre Werke waren
außerdem in Gruppenausstellungen im Centre Pompidou, Paris; in der Tate Modern, London; im CCA
Wattis, San Francisco; im Musée d’Art Moderne, Paris; im KW Institute for Contemporary Art, Berlin; im
The Artist’s Institute, New York; in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Turin und in der Power
Station, Shanghai zu sehen. Beier erhielt 2014 den Kunstpreis der Böttcherstraße.

Im Herbst 2015 erscheint ein Katalog zur Ausstellung, herausgegeben vom Kunstverein in Hamburg,
Kunsthalle Glarus und Mousse Publishing. Die Ausstellung wird von der Kulturbehörde der Freien und
Hansestadt Hamburg, dem Danish Arts Council sowie von der Vitra GmbH und Zavak GmbH unterstützt