NEUE NACHBARSCHAFTEN Rubens, Rembrandt, Poussin und Holländische Meister

05.06.2014 - 31.08.2014
Pinakotheken im Kunstareal
Barer Straße 29 , D 80799 München
http://www.pinakothek.de

Unter dem Motto „Neue Nachbarschaften“ zeigt die Alte Pinakothek ab Juni 40 barocke Meisterwerke aus dem eigenen Bestand in ungewöhnlicher Kombination.

Die sanierungsbedingte Teilschließung der Alten Pinakothek bietet die seltene Gelegenheit, Gemälde gemeinsam zu präsentieren, die in der nach Schulen und chronologisch geordneten Sammlung sonst nicht nebeneinander zu sehen sind. Die Ausstellung kombiniert Werke flämischer, holländischer, deutscher und französischer Meister des 17. Jahrhunderts und schafft unerwartete und spannende Bezüge.

So begegnen sich der flämische Malerfürst Peter Paul Rubens und der aufstrebende junge Rembrandt van Rijn, der nicht nur im wetteifernd großen Format, sondern auch in spannungsvollen Kompositionen Maß an seinem Vorbild nahm. Die „Opferung Isaaks“ steht an dramatischer Inszenierung den Werken von Rubens nicht nach. Bei Frans Hals, eigentlich der Begründer der holländischen Porträtmalerei, werden die flämischen Ursprünge ersichtlich, denn sein „Willem van Heythuysen“ entspricht Rubens’ „Helene Fourment im Brautkleid“ sowohl in der Verwendung barocken Dekors als auch in der lockeren, flüssigen Malweise.

Aufschlussreiche Analogien ergeben sich auch bei den französischen Gemälden: Das stimmungsvolle südliche Licht prägt Claude Lorrains „Verstoßung der Hagar“ ebenso wie Nicolaes Berchems „Hirtenszene“. Die tief stehende Morgensonne korrespondiert mit dem gerade aufgegangenen Mond, der Adam Elsheimers „Flucht nach Ägypten“ zu einem epochalen Landschaftsbild macht. Die durch ihr weiches Inkarnat charakterisierten Figuren in Rubens’ „Christus und die reuigen Sünder“ finden erstaunliche Parallelen in Nicolas Poussins antikisierender  Darstellung des nackten Bacchus, aber auch in der sinnlich-weiblichen „Kleopatra“ von Johann Liss.

Die Auswahl holländischer Gemälde zeigt, dass sich auch zwischen Werken einer Malerschule neue thematische Bezüge herstellen lassen. Hendrick Cornelisz. Vrooms „Schiffe vor Amsterdam“ verweisen auf die Niederlande als Seefahrernation. Ihre Entdeckungen, aber auch den zu enormem Wohlstand führenden Überseehandel machen brasilianische Landschaften von Frans Post und ein Prunkstillleben von Juriaen van Streeck deutlich. Der opulente Blumenstrauß von Jan Davidsz. de Heem mahnt jedoch, genau hinzusehen: Der schöne Schein trügt, letztlich ist alles dem Verfall preisgegeben.

Die „Neuen Nachbarschaften“ versprechen eine aufregende Entdeckungsreise zu den Meisterwerken der Alten Pinakothek.

Kuratoren: Bernd Ebert, Elisabeth Hipp, Mirjam Neumeister

Parallel zu den „Neuen Nachbarschaften“ sind in der Neuen Pinakothek weitere holländische Gemälde des 17. Jahrhunderts sowie ab Juli französische Werke des Rokoko im Rahmen der Sonderpräsentation „Fließender Wechsel“ zu sehen.