Mythos Chanel

28.02.2014 - 18.05.2014
Steintorplatz, Hamburg
http://www.mkg-hamburg.de

Coco Chanel (1883-1971) ist eine der bekanntesten Modeschöpferinnen des 20. Jahrhunderts. Bereits in den 1910er
Jahren gehört sie zu den Verfechtern von schlichter, bequemer Kleidung und ebnet damit einem Stil den Weg, der bis in
der Modewelt von großer Bedeutung ist. Mit ihrer Person sind so bedeutende Modeklassiker wie das kleine Schwarze, das
Chanel-Kostüm und die Chanel-Tasche verbunden. Seit den Anfängen 1913 baut Chanel ein internationales und bis heute
außerordentlich erfolgreiches Modeimperium auf. Erst 1983 tritt mit Karl Lagerfeld eine ähnlich strahlkräftige Person
ihre Nachfolge an. Coco – eigentlich Gabrielle – Chanel lanciert zu Beginn der 1920er Jahre ihr Parfum „Chanel N° 5“,
dessen großer Verkaufserfolg ihr zeitlebens finanzielle Unabhängigkeit sichert. Sie kombiniert selbstbewusst Mode- mit
Echtschmuck und lässt sich von namhaften Fotografen wie Man Ray oder Horst P. Horst porträtieren. „Mythos Chanel“
geht der Frage nach, warum Coco Chanel als Person und die durch sie begründete Marke bis heute so große
Aufmerksamkeit erfahren. Die Biografie der Modedesignerin und das Image, das sie von sich kreiert hat, werden dabei
ebenso beleuchtet wie die geniale Weise, mit der Karl Lagerfeld (*1933) seit 1983 dieses Erbe mit den Strömungen des
jeweiligen Zeitgeschmacks verbindet. Die Ausstellung zeigt insgesamt über 200 Exponate aus bedeutenden Sammlungen,
darunter Kostüme, Accessoires, Schmuck, Werbegrafik, historische Fotografien und über 75 Modemagazine aus der Zeit
von 1920 bis 1971. Neben 54 originalen, teils mehrteiligen Outfits aus dem Haus Chanel, darunter 38 aus der Zeit der
Modeschöpferin, und über 50 Schmuck-Kreationen sind erstmals über 35 Adaptionen der Chanel-Klassiker zu sehen, die
auf ihre ganz eigene Art und Weise den „Mythos Chanel“ spürbar werden lassen.
Die Ausstellung nähert sich dem „Mythos Chanel“ in drei Kapiteln. Der erste Teil dokumentiert mit 38 originalen
Kleidungstücken, Accessoires und über 50 Modeschmuck-Objekten aus der Zeit zwischen 1925 und 1971 das Schaffen der
Modedesignerin. Zu Chanels Schaffensperiode vor dem zweiten Weltkrieg zählen Abend- und Tagesmode und das
Parfüm „Chanel N° 5“, von dem ein Originalflakon zu sehen ist. Nach ihrer Rückkehr nach Paris 1954 führt Chanel ihr
Haus bis zum ihrem Tod 1971 weiter. Aus dieser Zeit zeigt die Ausstellung unter anderem rund 10 Kleidungsstücke, die
Chanel für die Schauspielerin Marlene Dietrich entworfen hat, darunter Tageskleidung und Kleidung für repräsentative
Anlässe. Außerdem ist eine große Anzahl Modeschmuck zu sehen, ergänzt durch originale Fotografien.
Das zweite Kapitel beleuchtet die bis heute anhaltende große Bedeutung der Chanel-Klassiker. So stehen historischen
Originalen des Chanel-Kostüms rund 20 verschiedene Adaptionen gegenüber, darunter Modelle anderer Modehäuser,
unbekannter Ateliers und Konfektionären. Der Reigen der „Lookalikes“ und „entfernten Verwandten“ endet dabei nicht
mit der Lebenszeit von Chanel, sondern bezieht die aktuelle Mode mit ein. Auch wird ein Ausschnitt aus den unendlichen
Variationen des Kleidertypus des schwarzen Kleides von den 1920er Jahren bis heute gezeigt, etwa von Designern wie
Yves Saint Laurent, Max Heyman und Issey Miyake oder Nina Ricci. Sie sind dabei keineswegs als Kopien von Modellen
von Chanel zu verstehen. Das kurze schwarze Kleid passt zum modernen, dynamischen Lebensstil der 1920er Jahre.
Später darf es in keinem Kleiderschrank fehlen und ist in den fünfziger und sechziger Jahren der Inbegriff des Pariser
Chics.
Im dritten Abschnitt steht das Schaffen von Karl Lagerfeld für das Haus Chanel im Mittelpunkt. Er hat es verstanden, die
Marke zu modernisieren, ohne ihre typischen Merkmale zu verleugnen. Die Ausstellung zeigt insbesondere Stücke, die
Chanel-Klassiker zitieren, oder mit Details der berühmten Vorgängerin Referenz erweisen. Auch diese Auswahl wird
durch Modeschmuck ergänzt. Der Kreis schließt sich, da auch Lagerfelds aktuelle Winterkollektion 2013/14 mit der
legendären Anfangszeit Coco Chanels spielt. In der Ausstellung sind auch über 100 historische Modemagazine aus den
Jahren 1920 bis 1971 zu sehen, darunter eine Ausgabe der amerikanischen Vogue vom 1. Oktober 1926, in dem das
„Kleine Schwarze“ abgebildet ist. Sie sind das wichtigste Medium für die Verbreitung und Rezeption der Mode Chanels
und können von den Besuchern auf dem Tablet-Computer durchgeblättert werden.
Coco Chanel: Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Gabrielle Chanel gründet – nachdem sie sich 1908 als
Modistin selbstständig gemacht hatte – 1913 ihren ersten Couture-Salon in Paris. 1919 zieht sie um in die Rue Cambon
31, die Adresse, an der sich das Modehaus Chanel bis heute befindet. Mit dem Kriegsausbruch 1939 endet Coco Chanels
erste Schaffensphase. 15 Jahre bleibt ihr Couture-Haus geschlossen, bis sie 1954, im Alter von 70 Jahren, ihr Comeback
wagt. Die Ausstellung zeigt Kreationen Chanels aus beiden Schaffensphasen. Das „Kleine Schwarze“ wird zu ihrem
Markenzeichen. Weitere Modelle der Tages- und Abendkleidung zeigen, wie sehr die Modeschöpferin am Puls der Zeit
arbeitet, und belegen zugleich die hohe Qualität ihrer Entwürfe in Design und Ausführung. In den 1950er und 1960er
Jahren sind es vor allem ihre Kostüme, die Furore machen, allen voran das „Chanel-Kostüm“, das sie erstmals 1957 auf
dem Laufsteg präsentiert. Ihre berühmte gesteppte Handtasche, im Februar 1955 lanciert und schlicht „2.55“ genannt,
zählt längst zu den Klassikern und fehlt bis heute in keiner Kollektion des Luxuslabels. Ergänzt werden ihre Kollektionen
stets durch passenden Modeschmuck. Bis heute ist Coco Chanel eine schillernde und faszinierende Persönlichkeit, der
zahlreiche Filme und Bücher gewidmet sind. Ihre Verbindungen zu Entscheidern des Dritten Reiches werden heute
kontrovers diskutiert.
Das kleine Schwarze und Kostüme von Chanel – die Rezeption: Die Mode und der Stil Coco Chanels werden bereits zu
ihren Lebzeiten in großem Umfang rezipiert. Ein Vergleich mit konkurrierenden Couturiers zeigt, dass Coco Chanel eine
großzügigere Modellschutzpolitik betreibt: Mit Einverständnis der Modeschöpferin dürfen ihre Entwürfe bis zu einem
bestimmten Grad kopiert und nachgeahmt werden: Für sie ist es eine Bestätigung ihrer Bedeutsamkeit, wenn sich Frauen
weltweit in ihrem Stil kleiden – ein nicht zu unterschätzender Aspekt für den „Mythos Chanel“, der in dieser Ausstellung
erstmals untersucht wird. Im Oktober 1926 bezeichnet die amerikanische Vogue ein kurzes schwarzes Kleid von Chanel
als The Chanel „Ford“ – the frock that all the world will wear (der „Ford“ von Chanel – das Kleid, das die ganze Welt
tragen wird). Damit wird dieses Kleid von Chanel in seiner Universalität und Modernität mit einer der wichtigsten
Erfindungen der Zeit gleichgesetzt und ihm wird eine große Zukunft vorausgesagt. Das „Kleine Schwarze“ ist geboren.
Und obwohl Chanel nicht das allererste schlichte schwarze Tageskleid entworfen hat, bleibt es untrennbar mit ihrem
Namen verknüpft. Selbst das vielleicht berühmteste „Kleine Schwarze“, das Audrey Hepburn in dem Filmklassiker
„Frühstück bei Tiffany“ trägt, wird fälschlicherweise oft Chanel zugeschrieben. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung des
Modeklassikers von den 1920er Jahren bis heute. Als Ikone ist auch das „Chanel-Kostüm“ mit kastigem, kragenlosem
Jäckchen und oft kontrastierendem Bortenbesatz in die Modegeschichte eingegangen. Der Begriff „Chanel-Kostüm“ ist
sogar als Schlagwort im Duden verzeichnet. Dass Coco Chanel eine Vielzahl verschiedener Kostüme gefertigt hat, die
andere Modehäuser oder auch Hausschneiderinnen adaptierten, veranschaulichen die gezeigten Exponate. Ob die
einzelnen Modelle in Lizenz gefertigt wurden oder ob es sich um Interpretationen beziehungsweise Kopien handelt, lässt
sich heute meist nicht mehr klären. Unabhängig davon ist jedoch sicher, dass alle Modelle ihren Beitrag zum „Mythos
Chanel“ leisteten.

Chanel nach Chanel: Nach Coco Chanels Tod im Jahr 1971 versuchen verschiedene Entwerfer ihr Erbe mit dem aktuellen
Zeitgeist zu verbinden. Es ist jedoch niemandem so überzeugend und erfolgreich gelungen wie Karl Lagerfeld, der 1983
Chanels kongenialer Nachfolger wird. Bis heute versteht er es, das Charakteristische ihres Stils stets aktuell zu halten. Im
Haus Chanel werden ausschließlich Damenkollektionen für Haute Couture und Prêt-à-Porter entworfen. Auch das
„Kleine Schwarze“ und das Chanel-Kostüm sind bis heute fest in den Kollektionen des Modehauses verankert, werden
stetig erneuert und zitiert. Darüber hinaus „spielt“ Lagerfeld mit Versatzstücken wie beispielsweise Coco Chanels Profil,
der Kamelie als ihrer Lieblingsblume oder ihrer Glückszahl „5“. Nicht zuletzt sind aber auch seine zahlreichen Chanel-
Illustrationen sowie die 2012 gezeigte Ausstellung „The Little Black Jacket“, die eine Hommage an die große
Modeschöpferin darstellen und zugleich Stoff bergen für den „Mythos Lagerfeld“.
Die Ausstellung wird von einem breit angelegten Vermittlungsprogramm mit Workshops, einer exklusiven Tour durch
Hamburger Modeateliers, einer interaktiven Mitmachstation, einem Ferienprogramm und einem Mode-Blog begleitet.
Parallel zeigt das MKG die Ausstellung „Neue Frauen. Die Sammlung Fotografie im Kontext“ mit einer Auswahl historischer
Fotografien aus der 1920er Jahren über den neuen Typus der selbstbewussten, arbeitenden und sportlichen Frau.