Museum Barberini zeigt die Palast-Galerie:

28.10.2017 - 04.02.2018
Museum Barberini, Alter Markt,
Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam
http://www.museum-barberini.com

Seit über 20 Jahren zum ersten Mal wieder zu sehen.
Flankierend zur Ausstellung Hinter der Maske. Künstler in der DDR ist im Museum Barberini vom 28. Oktober 2017 bis zum 4. Februar 2018 die Galerie aus dem Palast der Republik zu sehen.
Zum Palast der Republik, dem zentralen Repräsentationsbau der DDR, gehörten 16 großformatige Bilder, die im Hauptfoyer installiert waren. Die sogenannte Palast-Galerie entstand 1975 zum Thema „Dürfen Kommunisten träumen?“ Künstler wie Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Willi Sitte, Werner Tübke, Walter Womacka und Hans Vent steuerten Werke bei, die von 1976 bis 1990 hier ausgestellt wurden.
Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung hatten mehrere Hunderttausend Besucher den Palast der Republik und die Galerie gesehen, die Gemälde wurden vielfach in der DDR in Publikationen abgebildet, einige Gemälde wurden auch als Briefmarkenmotive verbreitet.
Zuletzt war die Palast-Galerie 1995 bei der Ausstellung Auftrag: Kunst im Deutschen Historischen Museum zu sehen, seitdem lagern die Bilder im Depot. Lediglich einzelne Werke waren zwischenzeitlich und für kurze Zeit für Ausstellungen entliehen.
Im gemeinsamen Engagement des Deutschen Historischen Museums, des Bundesverwaltungsamts und des Museums Barberini werden die Werke derzeit restauriert. Dies umfasst die Reinigung der Bildfläche – insgesamt über 200 Quadratmeter –, die Neuinstallation von Aufhängevorrichtungen und Ergänzungen der Rahmen.
Die Definition des Themas und die Einladung der Künstler oblag 1975 Fritz Cremer, Leiter des künstlerischen Planungsstabs des Palasts der Republik. Einzige konkrete Vorgabe war aus architektonischen Gründen die Höhe der Bilder: Sie musste 280 cm betragen, die Breite durfte bis zu sechs Meter erreichen. Die Künstler stellten unterschiedliche Motive dar, die sie frei auswählten. Außer beim Werk von Walter Womacka, Wenn Kommunisten träumen…, waren die Bezüge zum ausgeschriebenen Thema eher lose. Die Künstler malten in ihrem jeweiligen eigenen Stil, blieben jedoch durchweg im Figürlichen und damit in der Tradition der realistischen Malerei in der DDR.
Mit dieser dokumentarischen Präsentation zeigt das Museum Barberini ein Zeitzeugnis aus dem Zenit der Staatskunst der DDR, die das offizielle Verständnis von Kunst nach der 1971 ausgerufenen Leitlinie der „Weite und Offenheit“ widerspiegelt. Vor dem Hintergrund dieser staatlichen Repräsentationskunst wird umso deutlicher, wie reich das Kunstleben in der DDR war, dass sich jenseits davon entfaltete. Dies zeigt die Ausstellung Hinter der Maske. Künstler in der DDR vom 28. Oktober 2017 bis zum 4. Februar 2018 im Museum Barberini.
Zur Palast-Galerie im Palast der Republik
Der Palast der Republik wurde 1973–1976 nach Plänen von Heinz Graffunder auf dem Gelände des Berliner Stadtschlosses erbaut, das derzeit als Humboldtforum wiederaufgebaut wird. Er war Sitz des Parlaments, Repräsentationsgebäude und Kulturhaus. Bis zu seiner Schließung im Jahr 1990 fanden hier Kulturveranstaltungen, Konzerte und Theateraufführungen statt und es gab verschiedene gastronomische Angebote.
Zum Gesamtkonzept des Baus gehörte auch die umfangreiche Ausstattung mit Kunstwerken, darunter eine Marx-Engels-Plastik auf dem Vorplatz und, als prominentestes Element, die Palast-Galerie im Hauptfoyer. Fritz Cremer, Bildhauer und Vizepräsident der Akademie der Künste, wurde 1974 zum Leiter des künstlerischen Planungsstabs des Palasts der Republik ernannt. Ihm oblag es, Künstler zu gewinnen, die Auftragsarbeiten zum Thema Dürfen Kommunisten Träumen? erstellten. Von den 19 angefragten Künstlern nahmen 16 den Auftrag an. Im Dezember 1975 waren alle Arbeiten fertiggestellt, so dass sie mit der Eröffnung des Gebäudes im April 1976 präsentiert werden konnten und bis zur Schließung dort verblieben.
Künstler und Werke:
Günter Brendel (*1930): Großes Stillleben, 1975/76, Dispersion auf Hartfaser, 280 x 368 cm
René Graetz (1908–1974) / Arno Mohr (1910–2001): Krieg und Frieden, 1975, Tempera auf Hartfaser, 280 x 368 cm
Erhard Großmann (*1936): Tadschikistan, 1975, Tempera auf Hartfaser, 280 x 600 cm
Bernhard Heisig (1925–2011): Ikarus, 1975, Öl auf Hartfaser, 280 x 450 cm
Wolfgang Mattheuer (1927–2004): Guten Tag, 1975, Öl auf Hartfaser, 280 x 281 cm
Arno Mohr (1910–2001): Forscht, bis ihr wißt, 1975, Mischtechnik auf Hartfaser, 280 x 552 cm
Willi Neubert (1920–2011): Gestern – Heute, 1975, Mischtechnik auf Hartfaser, 280 x 345 cm
Ronald Paris (*1933): Unser die Welt – trotz alledem, 1975/76, Dispersion auf Hartfaser, 280 x 600 cm
Kurt Robbel (1909–1986): Die schaffenden Kräfte, 1975/76, Mischtechnik auf Hartfaser, 280 x 160 / 272 / 160 cm
Wolfram Schubert (*1926): Brot für alle, 1975, Tempera auf Hartfaser, 280 x 368 cm
Willi Sitte (1921–2013): Die rote Fahne – Kampf, Leid und Sieg, 1975/76, Öl auf Hartfaser, 280 x 300 cm
Werner Tübke (1929–2004): Mensch – Maß aller Dinge, 1975, Mischtechnik auf Hartfaser in fünf Einzelteilen:
Familie, 170 x170 cm; Liebespaar, 170 x170 cm; Kampf der Zentauren und Lapithen, 85 x 170 cm; Totenklage, 85 x 170 cm; Der Tanz um das goldene Kalb, 85 x 170 cm
Hans Vent (*1934): Menschen am Strand, 1975, Dispersion auf Hartfaser, 280 x 552 cm
Matthias Wegehaupt (*1938): Raum für Neues, 1975, Mischtechnik auf Hartfaser, 280 x 552 cm
Walter Womacka (1925–2010): Wenn Kommunisten träumen…, 1975, Öl auf Hartfaser, 280 x 552 cm
Lothar Zitzmann (1924–1977): Weltjugendlied, 1975, Öl auf Hartfaser, 280 x 552 cm

Hinter der Maske. Künstler der DDR
28. Oktober 2017 bis 04. Februar 2018