Moscow Research Porgramm im ehemaligen Moskauer Atelier Ilya Kabakovs

Das »Moscow Research Program« ist eine konzentrierte dreitägige Veranstaltungsreihe mit Künstlern und Intellektuellen, die im Rahmen der Vorbereitungen und als Hinführung zur dOCUMENTA (13) vom 3. – 5. Oktober 2011 im ehemaligen Moskauer Atelier von Ilya Kabakov stattfindet.

Carolyn Christov-Bakargiev, Künstlerische Leiterin der dOCUMENTA (13), und Raimundas Malašauskas, Agent der dOCUMENTA (13) und Mitglied der Agenten-Kerngruppe, werden sich mit der Erforschung der Praktiken verschiedener Künstlerinnen und Künstler sowie anderer Intellektueller beschäftigen. Eingeladen zur Teilnahme sind die Künstler Viktor Alimpiev, Alexandra Galkina, Alina Gutkina, Alice Ioffe, Taus Makhacheva, Alexandra Paperno, Sergey Sapozhnikov, Alexandra Sukhareva, David Ter-Oganyan, Anya Titova, Arseniy Zhilyaev sowie Alexei Penzin und Keti Chukhrov von der Gruppe Chto Delat. Weitere Eingeladene sind die Kuratorin Daria Parkhomenko, der Genetiker und Samenexperte Konstantin Sidoruk, der Experte für Solar- und alternative Energien Alexander Gordienko, der Mathematiker und Neurowissenschaftler Mikhail Burtsev, die Psychologin und Psychotherapeutin Natalya Rivkina, die Hypnose und Techniken zur Trance in ihrer Arbeit nutzt, der Theremin-Experte und Urenkel von Leo Theremin, Peter Theremin, und die Biologin sowie Forscherin der Affensprache Anna Smirnova.

Die Veranstaltungen werden in der Wohnung stattfinden, in der sich von 1968 bis 1988 das Atelier des renommierten russischen Künstlers Ilya Kabakov befand, bevor dieser die Stadt verließ und nach Long Island, NewYork, emigrierte, wo er heute lebt. Das Atelier befindet sich derzeit im Besitz des Moskauer Künstlerbunds und wird von Joseph Backstein, dem Mitveranstalter des »Moscow Research Program«, verwaltet. Kabakov hatte das Atelier 1968 im Dachgeschoss des Gebäudes am Sretensky Boulevard im Stadtzentrum, nur einen Kilometer vom Kreml entfernt, eingerichtet. Das Atelier fungierte bis 1988 als einer der wichtigsten Treffpunkte für die Moskauer Underground-Kunstszene. Regelmäßig fanden dort Seminare, Meisterklassen und andere Aktivitäten statt, und Kabakov lud häufig Freunde und Kollegen ein, ihre neuen Projekte – Alben, Malerei, Installationen und Performances – vorzustellen.

»Es ist ein Vergnügen und eine Ehre, Künstlern in Ilyas früherem Atelier zu begegnen«, erklärt Christov-Bakargiev. »Ich liebe die Atmosphäre dort, die Privatheit und Poesie; es ist ein Rückzugsort, der Konzentration, Intensität und die Möglichkeit erzeugt, Ideen im Geist der Neuaufführung und Invokation zu teilen. Es ähnelt ein wenig einem Notizbuch.«

»Obwohl die ›documenta‹ als ein historisches Ereignis konzipiert ist, das alle fünf Jahre stattfindet«, erklärt Malašauskas, »findet sie in einem Kontext vollkommener Zugänglichkeit von historischem und unendlichem Material in Echtzeit statt. Im Post-Studio-Zeitalter im Internet zu surfen ist kein Ersatz für die Intensität, sich gemeinsam in einem Raum mit einer offenen Tür zur Geschichte aufzuhalten. Gäste, darunter die Zeit, sind eingeladen, hereinzukommen anstatt auszufliegen. Das, was bereits geschehen ist, ist dazu bestimmt, sich mit dem verbinden, was gerade geschieht oder sich als Möglichkeit zu eröffnen beginnt. Im Kontinuum der dOCUMENTA (13) sind diese Akte paralleler Bewegungen bewegliche Klänge und Räume der Ausstellung in Kassel. Was in Moskau passieren wird, wird nicht in Moskau bleiben.«

Statement der Künstlerischen Leiterin zur dOCUMENTA (13):

»dOCUMENTA (13) widmet sich künstlerischen Recherchen, Denkweisen und Vorstellungen, die Materialien, Dinge, Verkörperungen und aktives Leben in Verbindung mit Ideen erforschen, ohne sich diesen unterzuordnen. Dabei handelt es sich um Gebiete, auf denen die Politik nicht zu trennen ist von einer sinnlichen, energetischen und weltlichen Verbindung zwischen der aktuellen Forschung auf verschiedenen wissenschaftlichen und künstlerischen Feldern sowie anderen, historischen wie zeitgenössischen Erkenntnissen. dOCUMENTA (13) ist von einer ganzheitlichen, ökofeministischen und nichtlogozentrischen Sichtweise getragen, die von den belebten und unbelebten Weltenschöpfern, darunter auch Menschen, geteilt wird und deren Wissen sie anerkennt.« C. Christov-Bakargiev

Dieses performative Forschungsereignis wird realisiert in Zusammenarbeit mit der V-A-C Foundation (VICTORIA — the Art of being Contemporary) und der Moskauer Biennale.

VICTORIA — the Art of being Contemporary ist eine junge Institution, die 2009 in Moskau gegründet wurde und sich der Förderung zeitgenössischer Kunst in Russland widmet. Die V-A-C Foundation konzentriert sich auf die zeitgenössische Kunst und kulturelle Praxis und zielt darauf ab, Grundlagen für Kreativität im weiteren Sinn des Wortes schaffen; sie strebt an, die künstlerische Produktion und die Entwicklung der Kunstvermittlung aktiv zu unterstützen und junge russische Kunst zu fördern. 

 

Link: http://www.documenta.de