Meister der Farben und der Harmonie

(mpd) – Während der Überfahrt nach Europa ist Friedensreich Hundertwasser
am 18. Februar im Pazifischen Ozean – an Bord der Queen Elizabeth 2 –
verstorben. Der begnadete Künstler hatte zeitlebens mit
unerwarteten Farbenkonstellationen und architektonischen Unebenheiten
überrascht und hinterlässt der Welt die zahlreichen Werke seiner
erfolgreichen Künstlerlaufbahn. Hundertwasser stand jedoch für mehr
als Kunst und bemühte sich zeitlebens, etwas zur Verbesserung der Welt
beizutragen.

Friedensreich Hundertwasser – ein Name, der geradezu von der Zunge
perlt und unzählige Menschen rund um den Globus in bunten Phantasien
schwelgen lässt. Denn Hundertwasser gilt als einer der bedeutendsten
und phantasievollsten Künstler unserer Zeit.


Bunte Farben, meist aus der Spirale entstehend die seit 1953 als
Sinnbild für den Kreislauf des Lebens steht, prägen die unzähligen
Werke des Künstlers. Buckelige Böden, ungleichmässige Fensterfronten
und manchmal ein verspielter Zwiebelturm sind Kennzeichen der
auffallend bunten Bauwerke, die Hundertwasser im Laufe seiner
Architekten-Laufbahn entworfen und gebaut hat. Das bekannteste Werk
dieser Gattung, welche an die japanische Philosophie des Feng Shui,
des Lebens im Gleichklang, angelehnt zu sein scheint, ist wohl das
weltberühmte Wiener Hundertwasserhaus. Dieses konnte den Mietern 1985
übergeben werden und lockte an einem einzigen ‚Tag der offenen Tür‘
70’000 Besucher auf den Schauplatz. Heute noch sind es tausende jedes
Jahr.


Doch der Meister der Farben und der Harmonie war nicht nur ein
vielgefragter Maler und Architekt, er war auch Grafiker, Philosoph,
Poet, Ökologe, Umweltschützer und mehr. Und als solcher hat er auch
Werke geschaffen, die weniger bekannt sind und oft die Projektphase
nicht überdauert haben. Sein Fachstudium hatte der Künstler nur wenige
Monate ausgehalten, es war ihm zu langweilig. Durchgehalten bis zum
Schluss hat er dafür den Kampf für ein besseres Leben in einer natur-
und menschengerechten Umwelt. Hundertwasser entwickelte eine
Farbenwelt voller labyrinthischer Geheimnisse, die jedoch allesamt
nach seinem eigenen Leitsatz „Alles ist so unendlich einfach, so
unendlich schön“ klar strukturiert sind.


Die berühmtesten Werke Hundertwassers sind nebst dem Wiener
Hundertwasserhaus (1985), die Hundertwasser-Bibel(1995), mehrere
Plakate (Olympiaposter für München 1972), verschiedene Briefmarken für
die Post von Österreich, die Republiken Senegal und Kapverdische
Inseln sowie die UNO und in der Neuzeit vier Telefonwertkarten der
österreichischen Post. Hundertwasser war auch der erste europäische
Maler, dessen Werke von japanischen Meistern geschnitzt und in zwei
Kunstmappen als Holzschnitte herausgegeben wurden.


Das ist kein Wunder, die tiefgründige Verbundenheit mit dem Leben und
der Philosophie des Zentralen geht aus jedem Werk Hundertwassers
hervor. Über sein Handwerk sagte er bescheiden „Ich glaube, dass
Malerei eine religiöse Beschäftigung ist, dass der tatsächliche Impuls
von aussen kommt, von irgend etwas anderem, was wir nicht kennen, eine
undefinierbare Macht, die kommt oder nicht kommt, und die einem die
Hand führt. Das einzige, was man tun kann, ist das Terrain
vorzubereiten, dass diese ausserirdischen, oder wie man sie sonst
nennen kann, Impulse einen erreichen können.“


Friedrich Stowasser wurde 1928 in Wien als Halbjude geboren, im
vergangenen Monat hat Friedensreich Hundertwasser seinen eigenen
Lebenszyklus beendet und wurde im Garten der glücklichen Toten auf
seinem eigenen Landgut in Neuseeland beigesetzt. Uns, seinen
trauernden Anhängern, bleibt die Hoffnung, dass er seine Inspiration
auf kommende Künstler übertragen kann.