Maria Lassnig Zwiegespräche

12.05.2018 - 26.08.2018
Kunstmuseum Basel | Neubau,
St. Alban-Graben 16, Basel
https://kunstmuseumbasel.ch

Kuratorin: Anita Haldemann
Das Kunstmuseum Basel zeigt unter dem Titel Zwiegespräche rund 90 Zeichnungen und
Aquarelle der vor vier Jahren verstorbenen Künstlerin Maria Lassnig. In der als Retrospektive
angelegten Ausstellung sind neben Schlüsselwerken auch nie gezeigte Blätter zu sehen.
Es sind tiefgreifende Empfindungen, die im Zentrum des Schaffens der österreicherischen
Künstlerin Maria Lassnig (1919–2014) stehen. Das Sichtbarmachen von körperlichen Emotionen
und das Nachspüren der Körperwahrnehmung bilden den Mittelpunkt ihrer Body-Awareness-
Arbeiten. Humorvoll und ernst, sehnsuchtsvoll und gnadenlos erkundete die Künstlerin ihre
Selbstempfindung auf Papier. Nicht was sie sah, sondern wie sie spürte, wurde zum Bild.
Parallel zu ihrer introspektiven Körperwahrnehmung blieb Lassnig im Aussen verankert. Ihre
Porträts basieren auf gründlichem Studium der Realität. Dennoch gehen die sensiblen
Beobachtungen von Tieren und Menschen weit über die Wiedergabe des rein Sichtbaren hinaus
und enthalten das Wesentliche der jeweiligen Charaktere und spüren dem Einzigartigen im
Gegenüber nach.
Diese Zwiesprache mit innen und aussen, mit Gefühlswelten und Realitäten, entwickelte Lassnig
besonders anschaulich auf dem Papier. Die Zeichnung wird als intimes Medium zum
Experimentierfeld spontan gesetzter Linien und Farbfelder. Sie eröffnet neue Perspektiven und
erschliesst sich neue Themen. Trotz aller Intimität des Zeichnerischen tendiert die Künstlerin
dazu, Werke auf Papier in monumentalen und bildmässigen Kompositionen anzulegen. Längst
ist die Idee der Skizze und des ersten Entwurfs bei Lassnig gesprengt und in eine autonome
künstlerische Aussage auf Papier verwandelt. Schliesslich geht auch ihre Malerei in der
Intensität der Zeichnung, der Energie der einzelnen Linie wie auch der Strahlkraft der Aquarelle
sicht- und spürbar weiter.
Lassnig zählt mit Louise Bourgeois, Joan Mitchell und Eva Hesse zu den wichtigsten
Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Bereits früh machte sie ihren eigenen Körper zum
Mittelpunkt ihrer Kunst, lange bevor Körperbewusstsein und das Verhältnis von Mann und Frau
zentrale Themen der internationalen Avantgarde wurden.
Vier Jahre nach ihrem Tod würdigt das Kunstmuseum Basel die Künstlerin mit einer
Retrospektive der Werke auf Papier und führt rund 90 der eindrücklichsten Zeichnungen und
Aquarelle von Lassnig aus dem Besitz der Maria Lassnig Stiftung und der Albertina Wien
zusammen. Bislang völlig unbekannte Blätter erweisen sich in der Schau als Schlüsselwerke.
Gemeinsam mit Vertrautem werfen sie neues Licht auf ihr Konzept der Body-Awareness und
erschliessen neue Einblicke in das vielseitige und wegweisende Werk der Österreicherin.
Der Ausstellungskatalog Maria Lassnig. Zwiegespräche: Retrospektive der Zeichnungen und Aquarelle enthält Beiträge von Antonia Hoerschelmann, Anita Haldemann, Barbara Reisinger und ein Gespräch geführt von Ralph Ubl mit Miriam Cahn.
Die Ausstellung wird unterstützt durch:
KPMG AG
Roswitha Haftmann Stiftung
Werner Sutter & Co AG
Maria Lassnig Stiftung
Stiftung für das Kunstmuseum Basel
Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel entstand in Kooperation mit der Albertina in Wien.
Parallel zeigt das Kunstmuseum St. Gallen mit Be-Ziehungen (5. Mai – 23. September 2018) eine Ausstellung, die einen konzentrierten Einblick in die Entwicklung des malerischen Schaffens von Maria Lassnig mit Beispielen aus allen Entwicklungsphasen umfasst.