Marc Chagall und die Bibel

06.10.2012 - 12.01.2013
Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1, 48143 Münster
http://www.picassomuseum.de

„Die Bibel ist die reichste poetische Quelle aller Zeiten.“
Marc Chagall

Unter den Künstlern des 20. Jahrhunderts gilt Marc Chagall (1887-1985) als großer Bibelbotschafter und seine Illustrationen des Alten und Neuen Testaments sind im Bewusstsein vieler Menschen fest verankert. „Ich las die Bibel nicht, ich träumte sie“, schwärmte der Künstler und über Jahrzehnte hinweg setzte er sich kreativ mit den Geschichten der Heiligen Schrift auseinander. Seine Kunst ist dabei eng mit dem jüdischen Glauben verbunden. Gleichzeitig wendet er sich gegen jede Form kirchlicher Dogmen, die er stets als trennend und polarisierend verurteilt. So löst er sich in seinen Werken von allen konfessionsgebundenen Darstellungstraditionen, indem er mit seiner individuell-poetischen Bildsprache das Juden- und Christentum künstlerisch miteinander verbindet.

Mit rund 180 Gemälden, Grafiken, Keramiken, Glasmalereien und Handzeichnungen dokumentiert das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster Chagalls künstlerischen Umgang mit der Bibel. Ein exemplarischer Querschnitt durch sein gesamtes religiöses Schaffen führt von Illustrationen des Alten Testaments, darunter die Schöpfungsgeschichte, die Joseph-Legende und die Propheten bis hin zu Darstellungen aus dem Neuen Testament. Auch ein Kirchenfensterentwurf aus Glas wird in Münster ausgestellt.

Das Picasso-Museum präsentiert Chagall in der Ausstellung als modernen und engagierten Künstler, der den Gestalten der Bibel Leben einhaucht und gleichzeitig die Befindlichkeit der Menschen im 20. Jahrhundert spiegelt. Er verknüpft die biblischen Geschichten auch mit Episoden seiner persönlichen Biografie, mit seiner Kindheit im Schtetl von Witebsk, mit den Erinnerungen an die Schrecken des Holocausts und an seine Einsamkeit im amerikanischen Exil. So werden seine Bibelbilder zu einem visuellen Speicher jiddischer Kultur aber auch zu einem wehmütigen Andenken an sein eigenes Leben.

Bereits Anfang der 1930er Jahre begann Chagall das Alte Testament zu illustrieren – ein umfangreiches Projekt, das der Künstler selbst als sein grafisches Meisterwerk ansah und bedingt durch den Zweiten Weltkrieg und sein Exil erst 1956 beenden konnte.

Die Ausstellung präsentiert Druckplatten der Bibel, Zustandsdrucke und handkolorierte Einzelwerke, die dem Besucher intime Einblicke in Chagalls Arbeitsprozesse ermöglichen. Sie zeigt internationale Leihgaben aus dem Musée national Marc Chagall in Nizza, dem Centre Pompidou in Paris und private Werke aus dem Besitz der Künstlererben.

Passend zur Sonderausstellung „Marc Chagall und die Bibel“ bietet das Picasso-Museum ein umfangreiches Begleitprogramm für Familien, Schulen, Firmen und private Gruppen an.

Erweiterte Öffnungszeiten:
Täglich 10-18 Uhr
Freitags 10-20 Uhr