LYNN HERSHMAN LEESON – CIVIC RADAR

14.06.2015 - 15.11.2015
Sammlung Falckenberg | Deichtorhallen Hamburg
Wilstorfer Straße 71 Tor 2 , 21073 Hamburg-Harburg
http://www.deichtorhallen.de

Lynn Hershman Leeson (*1941 in Cleveland, Ohio, USA) gehört zu den
ersten und auch einflussreichsten Medienku nstlerinnen. Innerhalb der
vergangenen vier Jahrzehnte hat sie in den Bereichen Fotografie,
Video, Film, Performance, Installation und interaktiver sowie
netzbasierter Medienkunst Wegweisendes geleistet. Hershman Leeson, die
sich zunächst der Performance- und Konzeptkunst zuwandte, begann ihre
Karriere in den späten 1960er-Jahren. Ihre innovativen Arbeiten
behandeln Themen, die mittlerweile als Schlu ssel zu
gesellschaftlichen Fragestellungen zu verstehen sind: Die Beziehungen
zwischen Mensch und Maschine, die Konstruktion von Identität,
Überwachung, die Beziehung des Realen zum Virtuellen sowie die
Nutzung der Medien als Werkzeug gegen Zensur und politische
Unterdru ckung. Außerdem ist sie eine starke Stimme innerhalb der
feministischen Bewegung.

Ihre bekannteste Werkreihe, »Roberta Breitmore« (1973–1978), wird
bestimmt von der gleichnamigen Kunstfigur. Als eine Art Klon der
Ku nstlerin wird deren Leben von 1973 bis 1978 in Echtzeit und in der
realen Außenwelt inszeniert − Roberta Breitmore wird u berwiegend
von Hershman Leeson selbst verkörpert, aber auch teilweise simultan
von drei anderen Frauen. Kunst und Wirklichkeit werden in dieser Figur
ununterscheidbar miteinander verbunden. Mit Roberta Breitmore hat
Hershman Leeson der Idee einer ku nstlerisch konstruierten Identität
eine Form gegeben und damit die virtuellen Welten von »Second Life«
um viele Jahre vorweggenommen.

Das Themenspektrum, das Hershman Leeson durch ihre Kunstfigur Roberta
Breitmore behandelt − es kreist um Identität und Sexualität, um
das Verhältnis der Betrachterin zu ihrem individuellen Gegenu ber,
Interaktivität und Performativität − wurde von der
Medienku nstlerin auch in vielen weiteren Werken aus anderen
Perspektiven aufgegriffen und weiterentwickelt. So etwa bei dem ersten
interaktiven Werk auf Videodisk, »Lorna« (1983–1984). Auch der
Film »Teknolust« (2002, unter anderem mit Tilda Swinton) hat
Cyber-Identität, ku nstliche Intelligenz, Klonen sowie die
Entkopplung von Sexualität und menschlicher Fortpflanzung zum Thema.
In ihren ju ngsten Arbeiten bezieht Hershman Leeson nicht nur Roboter
und Massenkommunikationsmittel wie Smartphones mit ein. Sie ru ckt
beispielsweise mit der erstmals präsentierten Installation »Infinity
Engine« (2014) auch neueste wissenschaftliche Entwicklungen auf dem
Gebiet der Genetik und der regenerativen Medizin in den Fokus –
einschließlich 3-D-Biodrucker, die Teile des menschlichen Körpers
nachbauen können.

Eine Ausstellung des ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie
in Kooperation mit den Deichtorhallen Hamburg.

Die Ausstellung ist als Special Show im Rahmen der Triennale der
Photographie Hamburg vom 18. bis 28. Juni 2015 zu sehen. Weitere
Informationen zur Triennale finden Sie unter www.phototriennale.de
<http://www.phototriennale.de/>

KATALOG

Peter Weibel (Hg.): Lynn Hershman Leeson. Civic Radar. ca. 400
Seiten, überwiegend farbig ill., mit Texten von u.a. Peter Weibel,
Andreas Beitin, Pamela M. Lee, Peggy Phelan, Laura Poitras, B. Ruby
Rich, Kristine Stiles. Hatje Cantz, 2015.