Life line – Lebenslinie

 


Der Aufbruch aus der Malerei in die vierte Dimension kündigte sich in Hanja Badenhorst letzter Ausstellung bereits in der großformatigen, frei schwebenden Collage „Momente in der Landschaft“  und den ebenso frei schwebenden „Sitzplätzen“ an. http://gallery.cyberday.de/galerie/badenhorst/index.html


Mit ihrer zweiten Ausstellung zeigt die Ärztin und Künstlerin, die ihre eigene Galerie „Artery Gallery“ in einem großen lichten Raum direkt über ihrer Praxis und der Protea Apotheke in Swellendams Hauptstraße betreibt, wohin sie der Aufbruch in die vierte Dimension inzwischen geführt hat.


Das Thema der Ausstellung „Lebenslinie“ knüpft an die Bilder ihrer ersten Ausstellung an, nämlich an die Bilder ihres Alltags als Ärztin. Doch diesmal geht Hanka Badenhorst einen großen Schritt vorwärts, in dem sie auch das täglich verwendete Material wie Pillenbehälter, Gummihandschuhe, Papierverpackungen, Röntgenbilder und aus Wachs oder Gips hergestellte Körperteile zu Installationen verdichtet, die im Raum schweben bzw. auf dem Parkettboden der Galerie sich ausbreiten.


 



 


Die Installation „Exposed“ oder „X-posed“ (entblößt) besteht aus Röntgenbildern (X-rays), die keine Bilder von Organen oder Körperteilen zeigen, sondern Gegenstände wie Krücken, eine Gitterbett oder einen Rollstuhl. Diese Gegenstände offenbaren ihre Funktion in einem kalten, blauen Licht, das jede Farbe erstickt.


 



 


Auch ein Set von Arztkoffern besteht aus Röntgenbildern, die zwar das Standardhandwerkzeug des Arztes als Lichtbild zeigen, damit aber auch deutlich machen, dass dieses Handwerkzeug wenig Macht hat gegenüber der kalten Wahrheit, die aus den Röntgenbildern spricht.


 



 


Die Installation „Fragile“ (zerbrechlich) besteht aus Händen und Gesichtsteilen, die von der Decke herab über einer auf dem Boden ausgelegten Landschaft von Fußteilen schweben. Der Bezug zu „Exposed“ stellt sich von alleine ein: Die Röntgenbilder zeigen nicht mehr den verletzten oder geschädigten Knochen, sondern die Bewegungshilfen, auf die der Mensch, dem solche Körperteile durch Unfall oder Operation abhanden kommen, künftig angewiesen ist.


 



 


Das medizinische Verbrauchsmaterial schwebt, zu Papierkleidern oder Papierhosen verarbeitet zwischen und über diesen beiden Installationen und setzt sie in eine dynamische Beziehung.


 



 


Unter den Titel „Vanity“ (Eitelkeit) stellt die Künstlerin einige Kleinplastiken, die aus Pillenverpackungen bestehen, bzw. aus einem Material, das sie schon früher in ihre Bilder eingebaut hat: Computerplatinen oder Motherboards. Diesmal hat sie diese leuchtend smaragdgrünen Platten zerbrochen und mit Messingdraht zu so gewöhnlichen Dingen wie einen Büstenhalter oder einen Damenschuh zusammengeflochten. Auch ein Bustier aus Pillenpackungen oder ein Damenhöschen aus feinem Messingdraht, das über einem winzigen Stuhl schwebt gehört zu dieser Gruppe, die in Kontrast steht zu den von Verlust und Schmerz  kündenden Installationen.