Lichtenberg reloaded! Eine Hommage

08.03.2015 - 25.05.2015
Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst
Georgengarten, , 30167 Hannover
http://www.karikatur-museum.de

Die Schau ist dem Göttinger Philosoph, Physiker und Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) gewidmet, der als einer der wichtigsten Impulsgeber der Aufklärung und Mitbegründer deutschsprachiger Satire gilt. Bis in die Gegenwart begeistern sich Künstler für Lichtenbergs Humor, die Präzision seiner Formulierungen und seine tiefe Menschlichkeit. Die Ausstellung versammelt künstlerische Aussagen aus der jüngeren Vergangenheit und ergänzt sie durch zahlreiche exklusiv für das Projekt entstandene Werke. So werden Arbeiten aus den Lichtenberg-Zyklen von Horst Janssen, Rainer Ehrt und Robert Gernhardt gezeigt, ebenso wie Arbeiten von Loriot, Franziska Becker, F. W. Bernstein, Gerhard Glück, Rudi Hurzlmeier, Jakob Kirchmayr, Frank Hoppmann, Nicolas Mahler, Jub Mönster, Frank Kunert, Susannah Martin, Arndt Möller, Javier Mayoral, Til Mette, André Poloczek, Dorthe Landschulz, Piero Masztalerz u. a.

Georg Christoph Lichtenberg ist eines der größten Phänomene der deutschen Geistesgeschichte. 1742 als 17. Kind eines protestantischen Pfarrers in Ober-Ramstadt bei Darmstadt geboren, war er kleinwüchsig, hatte zwei Buckel und litt unter Kurzatmigkeit. Er ist einer der genialsten Köpfe seiner Zeit, er war ein genauer Beobachter seiner Umwelt und seiner Mitmenschen und Entdecker wissenschaftlicher Zusammenhänge. Er wurde der erste deutsche Professor für Experimentalphysik – auf ihn gehen die theoretischen Grundlagen für den Fotokopierer zurück, er führte die Plus- und Minus-Zeichen in die Physik ein, beschäftigte sich mit Blitzableitern und Zeitreisen und galt als innovativer und überaus amüsanter Lehrer.

Seinen nachhaltigsten Ruhm verdankt Lichtenberg, Zeitgenosse von Gotthold Ephraim Lessing, Immanuel Kant oder Johann Wolfgang von Goethe, jedoch seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Aphorismen aus seinen »Sudelbüchern« sind bis heute geläufig, viele gehören zum allgemeinen Sprachgebrauch: „Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?“, oder: „Der Mann hatte so viel Verstand, daß er fast zu nichts mehr in der Welt zu gebrauchen war“.

In den letzten hundert Jahren haben sich Literaten, Philosophen und vor allem Künstler immer wieder von seinem Werk inspirieren lassen. In jüngerer Vergangenheit entdeckten u. a. Horst Janssen, Robert Gernhardt und Rainer Ehrt den großen Gelehrten für sich und widmeten ihm umfassende Werkkomplexe, von denen Auszüge nun erstmals gemeinsam gezeigt werden. Janssen, der in trunkenen Stunden vermutete, dass sich Lichtenberg in ihm reinkarniert habe, schuf über zweihundert Zeichnungen, in denen er Lichtenbergs und sein eigenes Leben künstlerisch übereinander legte. Gernhardt wählte den Weg der »weitergedachten Illustration« lichtenbergscher Aussagen. Rainer Ehrt vertiefte sich in aufwändigen Arbeiten in Lichtenbergs historisches Umfeld, in die Seelenzustände einer noch wenig aufgeklärten Zeit und in die oft bittere Melancholie des Vorbilds.

Mit den Arbeiten von 45 Künstlern entsteht ein abwechslungsreiches, an-regendes Panorama zu Lichtenbergs Geisteswelt und seiner Nachwirkung. Von der Strichzeichnung über den Comic-Strip bis zur ausgeklügelten Foto-Installation sind in „Lichtenberg reloaded!“ sehr unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen vertreten.

Kuratiert wurde die Ausstellung von WP Fahrenberg, Göttingen. Weitere Stationen sind der Marburger Kunstverein und das Romantikerhaus in Jena sowie das Alte Rathaus in Göttingen. Zur Ausstellung erscheint im Göttinger Verlag der Kunst ein Begleitbuch mit zahlreichen großformatigen Abbildungen zum Preis von 29,95 Euro.

Die Ausstellung Lichtenberg reloaded! Eine Hommage wird gefördert von der NORD/LB Kulturstiftung und der VHV Stiftung.

„Ja, wenn man das so sieht …“ – Wilhelm Busch und Kai Wetzel

Parallel zur Ausstellung Lichtenberg reloaded! ist in der Ensmann-Galerie des Museums Wilhelm Busch die Kabinettausstellung „Ja, wenn man das so sieht …“ – Wilhelm Busch und Kai Wetzel zu sehen. Etwa 15 Zeichnungen nach der Natur von Wilhelm Busch (1832–1908)  aus den Beständen des Museums treffen auf sieben großformatige Landschafts-Fotografien des Hannoveraner Künstlers Kai Wetzel (*1966). Auch wenn sich die Künstler Wilhelm Busch und Kai Wetzel sehr unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksmittel bedienen, so verbindet sie ein ähnlicher Blick, eine ähnliche Annäherung an die Landschaft: Beide versuchen durch intensive Beobachtung und die Konzentration auf einen Ausschnitt zu verstehen, was den Reichtum ihrer Umgebung ausmacht.

Der offene Sinn, der bei dem Gang durch die Natur den verborgenen Reiz einer scheinbar unspektakulären Waldlichtung, eines lichtdurchfluteten Waldwegs oder dicht gewachsener Bäume entdeckt, verbindet Wilhelm Busch und Kai Wetzel. Beide Künstler haben die jeweiligen Zeichnungen oder Fotografien vor Ort angefertigt, was eine schnelle, fokussierte und vor allem routinierte Beherrschung ihrer jeweiligen Technik erfordert – der eine mit Bleistift und Feder, der andere mit der Mittelformatkamera. Beide haben Orte wiederholt aufgesucht, haben sich mit der vertrauten Landschaft umgeben, sich zeichnend und betrachten in den Ort eingefühlt und versucht, dessen Wesen – immer wieder neu – zu kleinen Ausschnitten zu verdichten.
Das Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst wird institutionell gefördert durch das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover.