Licht-Bilder. Fritz Winter und die abstrakte Fotografie

09.11.2012 - 17.02.2013
Pinakothek der Moderne
Barer Str. 29, , 80799 München
http://www.pinakothek.de

In seinem wenig bekannten Frühwerk setzte sich der Maler Fritz Winter (1905–1976) obsessiv mit der Ästhetik des Lichts auseinander. Als Bauhaus-Schüler prägte ihn die grenzenlose Lichteuphorie der internationalen Avantgarden zwischen Expressionismus und Konstruktivismus. Das Licht der Großstädte mit Scheinwerfern, Lichtspieltheatern und Leuchtreklamen gab der ästhetischen Gestaltung neue Impulse; Röntgenstrahlen, Radioaktivität und Mikrofotografie machten bislang unbekannte Energien und Bereiche der Natur erfahrbar.

In seinen 1934–1936 entstandenen »Lichtbündel- und Kristallbildern« widmete sich Fritz Winter auf virtuose Weise Aspekten der Spiegelung, Strahlung oder Brechung von Licht. Seine nahezu monochromen Gemälde umfassen Kristallformen und Strahlenbündel, sie fokussieren das Erdinnere und die unbegrenzten Weiten des Kosmos, sie versperren den Bildraum mit dunklen Gittern oder verleihen ihm gläserne Transparenz.

Erstmals wird 25 Lichtbildern von Fritz Winter eine internationale Auswahl von 40 der frühesten abstrakten Fotografien gegenüber gestellt. In den 1910er bis 1930er Jahren experimentierten Künstler mit verschiedensten fotografischen Verfahren, um die genuinen Qualitäten des Lichtbildes jenseits der Gegenständlichkeit zu erkunden. In der Zusammenschau von Vintage Prints und Gemälden werden die Gestaltungsprinzipien des »Neuen Sehens« in der Fotografie und der abstrakten Malerei unmittelbar anschaulich.

Mit Alvin Langdon Coburns »Vortografien« präsentiert die Ausstellung die frühesten abstrakten Fotografien überhaupt. Daneben sind die singulären »cut paper abstractions« des Amerikaners Francis Bruguière und abstrahierende Glaskompositionen des Tschechen Jaromír Funke zu sehen. Die bahnbrechenden Fotogramme von László Moholy-Nagy werden in einer exklusiven Auswahl ebenso gezeigt wie die unbekannteren kameralosen Fotografien von Ernst Schwitters. Seltene Großformatabzüge der Kristallfotografien von Alfred Ehrhardt markieren den ästhetischen Höhepunkt der Kristalleuphorie der 1930er Jahre. Glasfotografien von Willy Zielke ergänzen die Auswahl der Werke um eine weitere fotohistorisch bedeutende Position der Neuen Sachlichkeit.

Die Ausstellung vereint 25 herausragende Gemälde Fritz Winters aus deutschen Museen und Privatsammlungen sowie 40 internationale Fotografie-Leihgaben, u. a. aus dem Centre Pompidou, Paris, dem George Eastman House in Rochester, New York, dem Museum Folkwang, Essen, dem Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, der Neuen Galerie Kassel, der Kunsthalle Mannheim, der Stiftung Ann und Jürgen Wilde, München, und dem Kunstmuseum Stuttgart.

Kurator: Dr. Oliver Kase, Referent für Klassische Moderne/Pinakothek der Moderne
Co-Kuratorin: Dr. Anna Rühl, Kuratorin der Fritz-Winter-Stiftung