Kunstprominenz: Offener Brief für Chris Dercon

Okwui Enwezor, Leiter des Münchner Hauses der Kunst und 2015 auch künstlerischer Leiter der Biennale von Venedig, hat zusammen mit seinem Chefkurator Ulrich Wilmes einen Offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, verfasst. Weitere Prominente aus dem Kunstbetrieb wie Kasper König, Hans-Ulrich Obrist oder Adam Szymczyk sowie Filmemacher und Architekten haben den Brief ebenfalls unterzeichnet. Darin ergreifen sie Partei für Chris Dercon, der 2017 die Berliner Volksbühne als Intendant übernimmt. In München war Dercon am Haus der Kunst der Vorgänger von Enwezor, zuletzt leitete er bis 2016 die Tate Modern in London. Volksbühnen-Mitarbeiter hatten Dercon in einem Offenen Brief scharf angegriffen, da sie um ihre Arbeitsplätze fürchten. Bereits jetzt seien 20 bis 25 Verträge nicht verlängert worden, berichtet die Berliner Lokalpresse. Die „Berliner Zeitung“ spekuliert, unter dem künftigen Intendanten Dercon müssten von den derzeit 216 Mitarbeitern womöglich 50 das Theater verlassen. In ihrem Offenen Brief sprechen die Mitarbeiter von „Abwicklung“ und „Zerstörung“ und erklärten ihr Misstrauen gegenüber Chris Dercon. In der Repolik von Enwezor und den anderen Unterzeichnern wird die Berufung Dercons hingegen als „kühne und inspirierte Wahl“ gelobt. Der „Tagesspiegel“ kommentiert, dem bisherigen Museumsmann Dercon fehle in der Theaterszene „der Stallgeruch. Aber seine Unterstützer sind ebenso wenig Bühnenmenschen wie er. Das schwächt ihre Initiative, weil man denkt: Die verstehen doch auch nichts vom Theaterwesen. Man kann es aber auch anders betrachten: Wie wichtig ist die Stellung des Theaters, wenn die Kunstfraktion sich derart ins Zeug legt für einen der Ihren? Wo ist Dercon? Er müsste werben um die Volksbühne, Berlin jetzt schon bespielen und charmieren. Es ist allerdings sein gutes Recht, noch nichts zu sagen. Er befindet sich in der Vorbereitungsphase, kann seine Pläne noch nicht im Detail vorstellen. Ähnliches gilt für Neil MacGregor und das Humboldt-Forum. Auch er wird ständig unter Druck gesetzt, endlich sein ‚Konzept‘ vorzustellen…“ Quelle Kunstforum

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