Kunstmesse in Berlin eröffnet

Berlin (hak) – Mit der Fortführung ihrer Maxime: Qualität statt Quantität wollen die Veranstalter, European Galleries, das art forum neben anderen internationalen Kunstmessen weiter etablieren. 150 Galerien aus über 20 Ländern zeigen Werke von ca. 1800 Künstlern.

Tatsächlich ist es gelungen, nicht nur durch die Auswahl der Aussteller, zu denen einige der namhaftesten Galerien des internationalen Parketts gehören, die Position der Messe weiter auszubauen, auch eine in diesem Jahr großzügigere, luftigere und übersichtlichere Präsentation läßt den Eindruck entstehen, daß die Veranstalter es mit ihrem Anspruch ernst meinen.

Ernst gemeint ist auch, daß es um zeitgenössische Kunst gehen soll: tatsächlich sind über die Hälfte der ausgestellten Werke erst in diesem Jahr entstanden. Trifft man auf die Skulpturen von Stephan Balkenhol und Andreas Slominski oder die Fotografien von Thomas Ruff, scheinen diese als etablierte Künstler schon fast zum alten Eisen gehörig – die Generation Richter, Polke, und Immendorf – ist auf der Messe ganz in den Hintergrund getreten. Stattdessen ist viel Grelles und Schräges zu bewundern – wie der Film von Anna Jermolaewa (Galerie mezzanin/ Wien), der zeigt, wie ein erigierter Penis einen Lichtschalter bedient, die Skulptur von Peter Senoner (Galerie Wittenbrink/München) oder der Stand der Düsseldorfer Galerie Sies+Höke, welcher von der Künstlerin Sonja Alhäuser aus Lebkuchen, Zucker und Schokolade gestaltet wurde und im Verlauf der Messe vom Publikum komplett verspeist werden soll. Zwischendrin begegnet man immer wieder auch angenehm stillen Dingen – wie die Zeichnung der Schweizerin Silvia Bächli (Galerie Meyer/Karlsruhe), dem Stand der Galerie Enja Wollenberger/Kiel – oder dem der Galerie Cera/Lissabon.

Das art forum ist somit vor allem eine Veranstaltung für Entdecker, für junge Kunst und junge Sammler – denn für diese läßt sich auch Erschwingliches erwerben.

Doch nicht nur zum Kaufen lohnt ein Besuch. Wer sich einen Eindruck über das aktuelle, internationale Kunstgeschehen verschaffen will, ist ebenso gut beraten, die Messe zu besuchen – dies gilt vor allem für Liebhaber der Fotografie und Malerei – denn alle anderen Medien sind auf der Messe relativ rar. Nicht nur die gesenkten Eintrittspreise (20,-/erm.15,- DM) und die angebotenen Events und Talks auf der Messe selbst, sondern auch begleitende Veranstaltungen, wie der Berliner Kunst-herbst, locken in diesen Tagen mit Performances, Ausstellungseröffnungen und Galerienrundgang.

art forum berlin
27. September bis 1. Oktober 2000
Messegelände Berlin, Eingang: Halle 21.a/b (Hammarskjöldplatz-Masurenallee)
Eintritt 20,- DM, ab 18.00Uhr und ermäßigt 15,-DM
Katalog erschienen im Weltkunst-Verlag, München 30,-DM auf der Messe/39,-DM
im Buchhandel

Bildnachweis:
1.: Pressekonferenz Geburtstagstorte zum 5. Jahr
2.: Vanessa Beecroft VB 41 New York Times Shoot New York 1999 Galerie: Deitch Projects NY
(Quelle: art-forum-berlin)
Link: http://www.art-forum-berlin.de