Kunst aus Siebenbürgen – Maler der klassischen Moderne

27.09.2014 - 23.11.2014
MUSEUM MODERNER KUNST WÖRLEN
Bräugasse 17,, D-94032 Passau,
http:// www.mmk-passau.de

In Siebenbürgen, einem multi-ethnischen Landstrich im heutigen Rumänien, gab es
vor allem zwischen den beiden Weltkriegen ein spannendes politisches und kulturelles
Leben. Siebenbürger-Sachsen, Ungarn und Rumänen lebten im Karpatenbogen
miteinander und nebeneinander. Am Beginn des 20. Jahrhunderts wagten junge
Künstler aus allen drei Nationen den Aufbruch in die Kulturstädte Europas und
knüpften dort Kontakte zur europäischen Avantgarde. Viele von ihnen kehrten in ihre
Heimat zurück und wurden dort Wegbereiter der neuen Kunstentwicklung. Oftmals
waren sie mit ihren Werken aber auch weiter in den Metropolen Europas präsent.
Nachdem es im vergangenen Jahrzehnt mehrere Ausstellungen in Deutschland gab,
in denen jeweils ein bestimmter Aspekt der Kunst aus Siebenbürgen beleuchtet
wurde, widmet sich die Ausstellung im Museum Moderner mit der Präsentation der
Sammlung Dr. Josef Böhm der anspruchsvollen Aufgabe, Künstler nahezu aller
Strömungen und Schulen der Klassischen Moderne zu präsentieren, darunter
Vertreter der Malerschule von Nagybánya, die zum Ausgangspunkt der ungarischen
Moderne wurde und 1896 von in München ausgebildeten Künstlern gegründet worden
war. Zu ihr gehörten unter anderem Oliver Pittner (1911–1971) und Sándor Ziffer
(1880–1962). Dazu kommen Maler siebenbürgisch-sächsischer Herkunft wie Hans
Mattis-Teutsch (1884-1960) und Henri Nouveau (1901–1959), sowie Künstler aus
Klausenburg, deren Kunsthochschule 1925 gegründet worden war und zu deren
Schülern unter anderem Tasso Marchini (1907–1936) gehörte. In der Sammlung sind
alle wichtigen Stilrichtungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vertreten, von
expressionistischen Arbeiten über Werke der Neuen Sachlichkeit bis zu futuristischen
Abstraktionen.
Bereits der Vater von Josef Böhm, ein Nachkomme von Sathmarer Schwaben , die als
Untergruppe der Donauschwaben gelten, begann in den 1960er Jahren in Rumänien
vor allem Gemälde der Schule aus Nagybánya zu sammeln. Mit der 1981 erfolgten
Umsiedlung der Familie Böhm in die Bundesrepublik wurden Werke der Collection
immer wieder in der Öffentlichkeit präsentiert, zum Beispiel 1997 im Städtischen
Museum Kempen in der Ausstellung „Impressionisten aus Ungarn – Die Nagybányaer
Künstlerkolonie“ Inspiriert von dieser Ausstellung und der Bekanntschaft mit anderen
Sammlern begann Dr. Josef Böhm die Sammlung zu übernehmen und in Richtung
der Klassischen Moderne aus Siebenbürgen zu erweitern.
Dr. Josef Böhm, geb. 1960 in Neumarkt/Tirgu Mures (Siebenbürgen), studierte nach
seiner Übersiedlung in Deutschland Medizin und promovierte 1989. Er arbeitet als
Chefarzt der Neurologie im Kreiskrankenhaus Freiberg/Sachsen.
Leihgaben aus der Sammlung wurden in den letzten Jahren in folgenden
Ausstellungen präsentiert: „Kolonie der Träume: Nagybánya“ Ungarische Botschaft
Berlin 2002 ; „Meisterwerke der Klassischen Moderne in Siebenbürgen“ , Stadt- und
Bergbaumuseum Freiberg 2004; „Ausbruch aus der Tradition – Malerei der
siebenbürgischen Moderne“, Museum Kornwestheim 2006; Gesamtschauen der
Sammlung zeigten 2012 das Lindenau Museum Altenburg sowie das Xantus Museum
Györ(H) und das Hansági Múzeum Mosonmagyaróvár (H). Im November 2013 folgte
eine Schau im Ungarischen Kulturinstitut in Brüssel.
Die Ausstellung in Passau präsentiert ca. 60 Gemälde und 50 Arbeiten auf Papier aus
den ersten fünfzig Jahren des 20. Jahrhunderts. Vorgestellt wird ein weitgehend
unbekannter, spannender Aspekt der Klassischen Moderne, dessen späte
Wiederentdeckung der langen Teilung Europas geschuldet ist.