KULTUR AM ABGRUND

15.10.2014 - 08.02.2015
Jüdisches Museum München
St.-Jakobs-Platz 16,, 80331 München
http:// www.juedisches-museum-muenchen.de

Jüdisches Leben am Tegernsee 1900 bis 1933
Eine Ausstellung der Monacensia im Studienraum des Jüdischen Museums München

In den malerischen Dörfern rund um den Tegernsee existierte seit Mitte
des 19. Jahrhunderts ein kulturell vielfältiges und buntes Leben. Ob
jüdisch oder nichtjüdisch: Einheimische und Sommerfrischler genossen
gleichermaßen die Schönheit der Landschaft.
Katia Mann, geborene Pringsheim, verbrachte mit ihren Eltern und
Geschwistern immer wieder die Sommerfrische am Tegernsee. Später
kam sie mit ihrem Gatten Thomas Mann und den gemeinsamen Kindern
gerne ins Tegernseer Tal. Der innere Zirkel der Satire-Zeitschrift
Simplicissimus traf sich regelmäßig beim bayerischen Schriftsteller
Ludwig Thoma, darunter der Karikaturist Thomas Theodor Heine, Sohn
einer großbürgerlichen jüdischen Familie aus Leipzig. Nach der Zäsur
durch den Ersten Weltkrieg entfaltete sich erneut kulturelles Leben im
Tegernseer Tal. Ein Publikumsmagnet war damals die volkstümliche
Ganghofer-Thoma-Bühne in Egern. Zu den Aufführungen kamen der
Dramatiker Ödön von Horváth, sein Schriftstellerfreund Carl Zuckmayer,
die Operettendiva Fritzi Massary und ihr Schwiegersohn, der
Schriftsteller Bruno Frank. Der Arzt und Schriftsteller Max Mohr lud
namhafte Gäste auf seinen Bauernhof ein, wie die Schriftsteller Thomas
Mann und D. H. Lawrence, sowie die junge Grete Weil, geborene
Dispeker.

Die Ausstellung zeigt Fotos und Dokumente aus der Monacensia, dem
Literaturarchiv der Stadt München, zum kulturellen Leben im Tegernseer
Tal. Sie erzählt vom Zusammenleben der Einheimischen mit den
zeitweise dort lebenden Künstlern und Schriftstellern, und wie sich das
Idyll mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten als Täuschung erwies
und das kulturelle Miteinander ein jähes Ende fand.
Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und
Filmen.