Kuhparade

Watn datte nu? Kuhparade in New York, ganz New York ein Muh York? Nicht auf dem Kudamm in Berlin, da gehörn sie eigentlich hin, nein, von Muhhatten bis Mooklyn stehen sie auf den Strassen, fünfhundertmal Muh, wie ich und du und Milkas Kuh. Merkwürdig, dass das massenhafte Auftauchen dieser bunten Kühe uns deutlich macht, wie wenig doch die Kuh bisher, mal abgesehen von Indien, in den öffentlichen Raum und damit in unser Bewusstsein gedrungen ist, obgleich wir doch irgendwie täglich mit der Kuh zu tun haben und seis durch Gummibärchen.

Wie nah uns die Kuh ist brachte uns der BSE-Skandal drastisch zu Bewusstsein. Haben die Kühe in New York vielleicht etwas damit zu tun? Wurden sie vielleicht als Wiedergutmachung von unzähligen Künstlern liebevoll bemalt oder bildhauerisch gestaltet? Wieso soll sich eine Kuh nicht mal auf die Hinterbeine stellen und das Handtäschen neckisch zum rose Kleidchen schwingen? Ja wieso eigentlich nicht: Eine bernhardinerfarbige Kuh mit Likörfässchen um den Hals im lebensrettenden Einsatz in Muhhatten?

Ist leider nicht dabei, obgleich doch die Idee zur massenhaften Ausstellung lebensgroßer, künstlerisch veredelter Kühe, aus dem Land kommt, in dem die Kühe besonders glücklich sind, wenn sie in ihren lila Latexanzügen auf saftigen Weiden die leckere Milkaschokolade anrühren.

Die grossen Milch- und Schokokonzerne der Schweiz waren jedoch weder Erfinder noch Sponsoren der ersten großen Kuhparade in Zürich.

800 Kühe lockten im Herbst 1998 quer über die Stadt verteilt eine zusätzliche Million Touristen in die Bankmetropole. 200 der 800 Kühe wurden später versteigert. Über den Erlös liegen keine Erkenntnisse im Web vor.

Wohl aber für die nun folgende Kuhparade in der Stadt der riesigen Schlachthöfe, die über gigantische Verkehrsadern aus dem endlosen Innern Amerikas Abermillionen von Kühen an die Ufer der grossen Seen saugen. Man kann bei Nelson Algren in CHICAGO, The City on the Make nachlesen, wies zuging in Chicago damals, als die Wolkenkratzer nicht wie gläserne Kathedralen aufragten und der Gestank der Schlachthöfe bis nach Downtown wehte. 300 der ausgestellten Kühe wurden von Geschäftsleuten zu Preisen zwischen 2500 und 11000 Dollar gekauft. Natürlich gabs auch T-Shirts, Baseballkappen, Spielzeug und allerhand andere Merchandising Produkte, die von einer Million Zuschauern scheinbar begeistert erworben wurden.

Was Chicago recht ist, kann New York nur billig sein. Nichts lag näher als solch ein Event auch in New York zu arrangieren, denn schließlich war New York die Stadt, in der die ersten schwarzweissen Kühe, die der damalige Gouverneur von New York, Peter Stuyvesant aus Holland heranschiffte, den Boden der neuen Welt betraten. Das war den Cowboys aus Texas, die heute auf Erholungsurlaub von der Kuh nun überall in New York auf Kunstkühe stießen eigentlich wurscht, aber erstaunt waren sie schon über diese plötzlich Macke der New Yorker. In Amerika wie auch in Europa findet man allenthalben die unterschiedlichsten Tiere auf öffentlichen Plätzen: Pferde etwa sind sehr beliebt; meistens mit Reiter, gelegentlich auch allein. Aber Kühe?? Es muss etwas anderes sein. Ach ja richtig so ein richtiges Event rechnet sich doch ganz gut: 100-200 Millionen Umsatz in Chicago. In NY müssen es mehr sein: Allein die Liste der Sponsoren ist fast so lang wie das World Trade Center hoch ist. Und auch für Charity ist was dabei: Bisher 5 Millionen Dollar aus Zürich und Chicago. Ob das Geld allerdings für verarmte, heimatlose Kühe ausgegeben wird, ist eher zweifelhaft. Wahrscheinlicher ist, dass eine Menge Kühe dafür zu Hamburger gebraten und verzehrt werden. Die New Yorker Kühe können noch bis zum 28. September 2000 ersteigert werden. Also, muh, aufgehts!.

Ja in Frankfurt am Main, der Stadt vor dessen Börse sich Stier und Bär treffen, da braucht man solche Umwege nicht: Dort hat man einige hundert überdimensionierte von Künstlerhand bemalte Eurostücke rings um die EZB gestellt.Sind zwar keine Kühe, aber die Idee den vor allem durch bunte Fahrzeuge aller Art verstellten öffentlich Raum für Ausstellungen serieller Kunst zu nutzen, den Umweg über die Kühe zu sparen und gleich zum Wesentlichen zu kommen, weht wie eine Grippewelle rund um den Globus: Da reist HA Schult mit Müllrobotermännern um die Welt, während Vanessa Beecrofts ihre ziemlichen nackten Models nicht wie Meister Newton im Atelier fotografiert sondern in und vor öffentliche Gebäude stellt. Verglichen damit sind die Kühe harmlos, auch wenn viele gelungene Kühe unter der inzwischen auf gut 2000 angewachsenen Kunstherde zu finden sind.

Nun gut auf Kühen kann man, sofern sie sich nicht bewegen, ganz komfortabel sitzen. Das dachte sich auch der Bildhauer Karl Krois aus Alling bei München: Er bietet braungeschecktes Fleckvieh in Lebensgröße mit eingebauter, lederbezogener Sitzbank für 6500 DM an. Wem so was noch in Wohnung, Büro oder Garten fehlt, der rufe beim Künstler an: 08141-71059.


Bildnachweis:
Cows 1+3: http://www.cowparadenewyork.com
Cow 2: B.J. Huck
Cow 4: Abendzeitung

Link: http://www.milka.de