Künstler und Propheten

06.03.2015 - 14.06.2015
SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT,
Römerberg , 60311 Frankfurt
http://www.schirn.de

In der Ausstellung „Künstler und Propheten“ untersucht die Schirn ein weitreichendes, aber in großen Teilen unbekanntes Kapitel der europäischen, insbesondere der deutschen Kunstgeschichte. Mit über 400 Exponaten – darunter Gemälde, Zeichnungen, Lithografien sowie umfangreiches Dokumentationsmaterial – deckt sie verblüffende Kausalitäten zwischen Künstlern der Moderne und selbsternannten „Propheten“, wie Karl Wilhelm Diefenbach, Gusto Gräser, Gustav Nagel, Friedrich Muck-Lamberty sowie Ludwig Christian Haeusser, auf. Bis zu dem Zeitpunkt als die Nationalsozialisten an die Macht kamen waren alle fünf Propheten bereits Legenden. Dass dies heute kaum noch in Erinnerung ist, liegt auch daran, dass seit der Aufklärung im deutschsprachigen Europa nur noch wenig Platz für das Irrationale war. Und dennoch waren diese charismatischen Leitfiguren in avantgardistischen Kreisen nicht nur sehr bekannt, sondern hatten profunde Wirkung auf die Entwicklung der Kunst der Moderne in Europa: So entsprang die pionierhafte Abstraktion eines František Kupka dem Kontakt zu Diefenbach und seinen Anhängern. Das Gleiche gilt für eines der großen Themen in Egon Schieles Kunstschaffen: der Künstler als Prophet. Johannes Baaders dadaistische Aktionen und Collagen waren seit 1905 tief verbunden mit seiner Selbstwahrnehmung als neuzeitlicher Christus. Die Zeichnungen Friedrich Schröder-Sonnensterns nach 1945 waren durch sein weniger bekanntes Wirken als Prophet inspiriert. In den 1950er-Jahren positionierte sich Friedensreich Hundertwasser als Künstler-Ökologe, wanderte durch die entlegensten Winkel der Welt und erschuf Werke von eindringlicher, holistischer Strahlkraft für ein breites Publikum. Auch die messianische Dimension von Joseph Beuys’ künstlerischer Mission wurde durch die Überlieferung der Propheten befeuert.