Keimena: Ein Filmprogramm der documenta 14 auf ERT2

Jeden Montag um Mitternacht, vom 19. Dezember 2016 bis zum 18. September 2017

Keimena ist ein wöchentliches Filmprogramm, das von dem griechischen Fernsehsender ERT ausgestrahlt und von der documenta 14 gestaltet wird. Durch die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Fernsehanstalt Griechenlands ERT versucht das Projekt die Reichweite der documenta 14 ins Zuhause der Zuschauer_innen zu erweitern und so neue und andere Öffentlichkeiten zu imaginieren und zu schaffen.

Keimena läuft immer montags um Mitternacht auf ERT2. Die Länge der Sendung hängt von der Länge des jeweils gezeigten Films ab. Nach den jeweiligen Ausstrahlungsterminen sind die Filme weitere sieben Tage auf webtv.ert.gr frei verfügbar. Weitere Informationen zum Programm, kurze Einführungssequenzen auf Griechisch mit deutscher und englischer Übersetzung, sowie die ersten Minuten jedes Films sind nach jeder Ausstrahlung auf der Webseite der documenta 14 verfügbar.

Das Programm der Keimena-Reihe widmet sich dem experimentellen Dokumentar- und Spielfilm. Es präsentiert Filme, deren Ansätze und Themen gesellschaftliche, politische und poetische Anliegen betreffen und deren Konzepte, Themen und Positionen mit den übergreifenden kuratorischen Visionen der documenta 14 im Dialog stehen.

Die Rolle des öffentlichen und privaten Fernsehens ist für die neuere Geschichte und Entwicklung Griechenlands nicht zu unterschätzen. Seine Bedeutung in der Vermittlung und Reflektion der derzeitigen sozioökonomischen Lage des Landes ist enorm. Trotz der schweren budgetären Einschnitte, die seinen Betrieb beeinträchtigt haben, bleibt der Fernsehsender ERT das offizielle „öffentliche“ Medium, nicht zuletzt für das kollektive Bewusstsein Griechenlands. Die umstrittene Schließung von ERT im Jahr 2013 im Rahmen der Sparmaßnahmen führte sofort zu ausgedehnten landesweiten Protesten.

Erscheint Fernsehen zunächst als eine einsame Aktivität, so ist es doch auch – vor allem, wenn man es mit dem Surfen und Streamen im Internet vergleicht – eine synchronisierte und daher kollektive Erfahrung in Echtzeit. Ähnlich wie bei einem Ausstellungsbesuch muss man sich vorab für ein Programm entscheiden, und kann die Erfahrung daraufhin mit anderen teilen. Strukturelle Qualitäten wie diese und die grundlegenden Prinzipien einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt – zu denen ein gewisser Gemeinschaftssinn, Abstand von Ansichten bestimmter Interessengruppen und ein ausgewogener Umgang mit gesellschaftlichen Minderheiten gehören – sind genauso grundlegende Einflüsse für Keimena wie die Themen der zahlreichen Filme, die in der Reihe gezeigt werden.

Die Auswahl der Filme erfolgt aufgrund der Relevanz ihrer Themen sowie ihrer singulären filmischen Form. Sie reflektieren einige der unsichtbarsten, flüchtigsten und alltäglichsten Aspekte menschlicher und sozialer Beziehungen genauso wie die globaler Machstrukturen. Jeder Film entwickelt und präsentiert seine eigene einzigartige Sprache als Echo einer ungreifbaren Realität. Teil des Programms sind Filme, deren Entstehungsdaten bis in die 1970er Jahre zurückreichen, ebenso wie neue Filmarbeiten, die von der documenta 14 in Auftrag gegeben wurden. Sie alle reflektieren zeitgenössische Themen, die in Zeiten ökonomischer Härte und gesellschaftlicher Unruhe in Griechenland wie auch anderswo relevant sind.

Zu den Filmemacher_innen der Keimena-Reihe gehören unter vielen anderen: Shaina Anand und Ashok Sukumaran (Indien), Wang Bing (China), Claire Denis (Frankreich), Miklós Erdély (Ungarn), Aran Hughes und Christina Koutsospyrou (Griechenland), Miroslav Janek (Tschechien), Avo Kaprealian (Syrien), Romuald Karmakar (Deutschland), Parviz Kimiavi (Iran), Narimane Mari (Algerien), Alanis Obomsawin (Kanada), Ulrike Ottinger (Deutschland), Joaquim Pinto und Nuno Leonel (Portugal), Allan Sekula und Noël Burch (USA), Albert Serra (Spanien), Susana de Sousa Dias (Portugal) und Dimitri Venkov (Russland).

Die Kurator_innen hoffen, dass sich die Reihe dank der außerordentlichen Qualität und des Seltenheitswerts der gezeigten Arbeiten schnell zum wöchentlichen Höhepunkt für griechische Filmliebhaber_innen ebenso wie für eine breitere Öffentlichkeit entwickeln wird. Keimena hat den Anspruch, weltweit eine der aufregendsten Präsentationen von Filmkultur im Fernsehen zu sein. Zahlreiche abendfüllende Spielfilme ebenso wie kürzere experimentelle Dokumentarfilme von wichtigen Filmautor_innen und Künstler_innen werden unmittelbar zugänglich gemacht, die anderswo nicht leicht verfügbar sind.

Keimena folgt den Leitlinien von ERT und denen öffentlich-rechtlichen Rundfunks und versucht mit seinen Inhalten und dem wöchentlichen Programm das Interesse der Fernsehzuschauer_innen über einen Zeitraum von neun Monaten zu wecken. Wie bei Filmfestivals, bei denen vor der Vorstellung kurz in die einzelnen Filme eingeführt wird, oder Museumsausstellungen, wo Kunstwerke mit Informationen versehen werden, gehen auch den Filmen der Keimena-Reihe kurze Einführungen voraus, die einen allgemeinen Abriss präsentieren und den jeweiligen Film in einen Kontext einbetten, der die darauffolgende Betrachtung des Films ergänzt und bereichert. Die Einführungen werden von internationalen Film- und Kunstkritiker_innen, Philosoph_innen, Journalist_innen und anderen Autor_innen verfasst, die besonderes Wissen zu den jeweiligen Filmen mitbringen. Die Einführungen sind in gleichem Maße integraler Bestandteil der Programmgestaltung wie die Filme selbst. Zu den Autor_innen gehören Candice Hopkins (Kanada), Dimitris Kerkinos (Griechenland), Maximilian Le Cain (Irland), Gleb Napreenko (Russland), Lívia Páldi (Ungarn), Andréa Picard (Kanada), Filipa Ramos (Portugal), Rasha Salti (Libanon), Monika Szewczyk (Griechenland), Genevieve Yue (USA) und viele andere.

 

Keimena ist ein Filmprogramm der documenta 14, kuratiert von Hila Peleg und Vassily Bourikas.

 

Im Dezember zu sehen

Keimena # 1

Montag, 19. Dezember 2016, 24.00 Uhr
From Gulf to Gulf to Gulf (Kutchi Vahan Pani Wala), 2013, Indien / Vereinigte Arabische Emirate, 83 Min.
Regie: CAMP (Shaina Anand und Ashok Sukumaran)
Einführungstext: Maximilian Le Cain

 

Keimena # 2

Montag, 26. Dezember 2016, 24.00 Uhr
Sleepless Nights Stories, 2011, USA, 114 Min.
Regie: Jonas Mekas
Einführungstext: Jonas Mekas

 

Im Januar zu sehen

Keimena # 3

Montag, 2. Januar 2017, 24.00 Uhr
Oncle Bernard – L’anti-leçon d’économie, 2015, Kanada, 79 Min.
Regie: Richard Brouillette
Einführungstext: Richard Brouillette
Keimena # 4

Montag, 9. Januar 2017, 24.00 Uhr
The Death of Louis XIV (La Mort de Louis XIV), 2016, Frankreich / Portugal / Spanien, 115 Min.

Regie: Albert Serra
Einführungstext: Andréa Picard
Keimena # 5

Montag, 16. Januar 2017, 24.00 Uhr
To the Wolf (Sto Lyko), 2013, Griechenland / Großbritannien / Frankreich, 74 Min.

Regie: Christina Koutsospyrou und Aran Hughes
Einführungstext: Dimitris Kerkinos
Keimena # 6

Montag, 23. Januar 2017, 24.00 Uhr
Verzió (Verzió), 1979, Ungarn, 54 Min.
Regie: Miklós Erdély
Einführungstext: Lívia Páldi

 

Keimena # 7

Montag, 30. Januar 2017, 24.00 Uhr
Voilà l’enchaînement, 2014, Frankreich, 30 Min.
Regie: Claire Denis
Einführungstext: Genevieve Yue

 

 

 

 

Link: http://www.documenta14.de/en/public-tv/