Katharina Fritsch

13.05.2016 - 30.10.2016
Museum Folkwang
Museumsplatz 1, Essen
http://www.museum-folkwang.de

Katharina Fritsch im Museum Folkwang und in der Villa Hügel
Erstmals zeigt die weltbekannte Bildhauerin Katharina Fritsch den kompletten Werkzyklus, den sie ihrer Geburtsstadt Essen gewidmet hat. Vom 13. Mai bis 30. Oktober ist die Ausstellung Katharina Fritsch mit 13 Arbeiten im Museum Folkwang und 4 Arbeiten in der Villa Hügel zu sehen. Basierend auf historischen Postkarten mit Ansichten der Stadt Essen zeigt sie exemplarisch, wie Fritsch persönliche Erinnerungen und historisches Geschehen, plastische Vision und kollektive Bildwelt, in evokativen skulpturalen Tableaus verwebt.
Für die Serie verarbeitet Fritsch historische Postkarten der 1970er und 80er Jahre aus Essen und Umgebung. Fotografiert, vergrößert und im Siebdruck farbig verändert, erfahren die Postkarten-motive eine mediale Verfremdung. Fritsch ist dabei weniger auf einer nostalgischen Suche nach der verlorenen Zeit, vielmehr befasst sie sich mit der Transformation und Überlagerung von Erinnerungsschichten. Inwiefern sind diese geprägt durch Abbilder oder Erzählungen?
Fritschs Bilder zeigen die Parklandschaften Essens in größtmöglicher Leichtigkeit. Durch die starke Vergrößerung und die verblassten Farben erzeugt Fritsch massive Unschärfen, die den Eindruck einer schwindenden Erinnerung verstärken.
Dargestellt sind künstliche Welten, domestizierte Gärten, Gewässer und Bäder; Orte der öffentlichen Freizeit- und Entspannungskultur. Die Siebdrucke vom Baldeneysee oder dem Kennedyplatz ergänzt Fritsch durch eigene Fotografien aus den 1970er Jahren und kombiniert sie mit Plastiken zu theatralen Rauminstallationen. Eine dreifarbige Postkarte von der Bundesgartenschau im Essener Grugapark 1965 setzt sie in räumliche Spannung zur 1. Gartenskulptur, einem archetypischen weißen Torso. Dieser geht auf eine Skulptur des Bildhauers Ernst Conze zurück, welche Fritsch als Kind immer wieder im Garten der Nachbarn begegnet ist. Ernst Conzes Arbeit wiederum weist deutliche Ähnlichkeiten mit einer Skulptur von Wilhelm Lehmbruck aus den Beständen des Museum Folkwang auf.
Sichtbar vermischt Katharina Fritsch das Persönliche mit dem Kollektiven. Die Werke changieren zwischen Melancholie, Unbeschwertheit und Eskapismus, zwischen Scheinhaftigkeit und Verdrängung. Ihre reproduzierten Abbilder von Abbildern knüpfen an den Umgang mit Bildern in der Pop-Art an, gehen aber mit ihrer poetischen Kraft inhaltlich in eine ganz andere Richtung, erscheinen sie doch wie einander überlagernde Erinnerungsbilder, die mit jeder Erinnerung an die Erinnerung verblassen, sich verändern und neu formieren.
Die Ausstellung wird unterstützt durch E.ON.