JORGE RIBALTA Monumentmaschine

20.02.2016 - 01.05.2016
Württembergischer Kunstverein
Schlossplatz 2 , 70173 Stuttgart
http://www.wkv-stuttgart.de

Vom 20. Februar bis zum 1. Mai 2016 zeigt der Württembergische Kunstverein mit
Monumentmaschine die erste Einzelausstellung des spanischen Fotokünstlers, Theoretikers
und Kurators Jorge Ribalta (geb. 1963 in Barcelona) in Deutschland.
Ribaltas meist umfangreiche Serien aus analogen Schwarzweißfotografien, die in den
Diskursen der kritischen und politisch engagierten künstlerischen Dokumentarfotografie der
1970er-Jahre (Allan Sekula, Martha Rosler, Jo Spence etc.) verankert sind, nehmen eher das
Nebensächliche und Unterschwellige, denn das Vordergründige oder Spektakuläre in den
Blick. Sie kreisen um national und historisch aufgeladene Orte oder Figuren, um deren
Konstruktion durch Medien wie Fotografie und Film, Kultur- und Tourismusindustrie.
Ribalta arrangiert seine Serien, die bis zu 200 Fotografien umfassen, zu dichten räumlichen
Ensembles. Angeordnet in mehreren horizontalen und vertikalen Reihen, ergeben sich
dabei multiple Lesweisen. Für die Ausstellung im Kunstverein entsteht überdies ein eigens
entwickeltes Display, das auch Anschlüsse, Brüche und Kehrtwenden zwischen den Serien
erlaubt.
Monumentmaschine zeigt eine Auswahl von sechs Serien, in denen Ribalta die Beziehungen
zwischen Dokumentarfotografie, kulturellem Erbe und Nationalismus untersucht. Es geht um
die Frage, welche Rolle Monumente und die heutigen Kulturerbeindustrien im Hinblick auf
die Reproduktion und Verinnerlichung nationalstaatlicher Identitäten, Ideologien und
Fiktionen spielen – und welche Bedeutung der Fotografie dabei seit ihrer Erfindung
zukommt.
Die Ausstellung basiert auf der gleichnamigen, vom Centro Guerrero in Granada und der
Fundación Helga de Alvear in Cáceres koproduzierten Einzelschau, die die Serien
Unbezähmter Laokoon (2010–11), Scrambling (2011), und Imperium (oder K.D.)
(2013–14) umfasst.
In diesen drei Arbeiten geht es um Ikonen und Monumente, die, wie der Flamenco, die
Alhambra oder Karl V., das „Spanische“ schlechthin repräsentieren – wobei gerade der
Flamenco, der seine Wurzeln in den Kulturen der Roma bzw. Kalé hat, sowie die Alhambra,
die von der Zeit der muslimisch-maurischen Nasridenherrschaft in Granada zeugt, eigentlich
auf die transnationale Vermischung kultureller Identitäten verweisen. Karl V. (1500–1558),
erster König von Spanien und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation,
steht wiederum für die imperialistische Expansion Spaniens als jenes habsburgische
Weltreich, in dem „die Sonne nie untergehen“ sollte.
Darüber hinaus zeigt die Ausstellung die Serien Renaissance. Szenen des
industriellen Wandels im Bergbaurevier von Nord-Pas-de-Calais (2014), Petit
Grand Tour (2007), und Carnac, 1. August 2008 (2008). Der Wandel von der Schwerhin
zur Freizeit- und Kreativindustrie sowie die touristische Konstruktion