Jan Kollwitz Japanische Keramik aus dem Anagama-Ofen

09.08.2014 - 28.09.2014
MUSEUM MODERNER KUNST – WÖRLEN
Bräugasse 17, D-94032 Passau
http:// www.mmk-passau.de

In seiner Werkstatt im Klosterdorf Cismar in Ostholstein stellt Jan Kollwitz Keramiken auf traditionell
japanische Weise her.
Nach einer dreijährigen Ausbildung bei Horst Kerstan in Kandern war Jan Kollwitz zwei Jahre lang
persönlicher Schüler von Yutaka Nakamura in Echizen /Japan. Nakamura unterwies ihn in der
überlieferten Brenntechnik der Anagama-Öfen und in den traditionellen Techniken der Gefässherstellung
der Echizen-Keramik. Prägend für seine Arbeit wurde auch die Freundschaft mit dem Teekeramiker Kazu
Yamada, einem Schüler Tokuro Katos.
Gemeinsam mit Yamada entstand der Plan, in Deutschland einen original japanischen Anagama-Ofen zu
bauen. Für den Bau konnte der damals 71-jährige Ofenbaumeister Tatsuo Watanabe aus Mino/Japan
gewonnen werden, der 1988 den Anagama von Jan Kollwitz auf dem Werkstattgelände in Cismar baute.
Typisch für den holzbefeuerten Anagama-Ofen ist, dass Brand und Feuerung in einer gemeinsamen
Kammer stattfinden. Die Keramiken werden unglasiert in den Ofen eingesetzt und anschließend vier
Tage lang gebrannt. Rund um die Uhr wird ca. alle drei Minuten Holz in den Ofen geworfen. Bei
Temperaturen um 1300° Celsius verschmilzt die Flugasche mit dem Ton zu einer natürlichen Glasur, die
je nach Standort des Gefäßes von einem tiefen, klaren Grün bis zu einem hellen, matten Ocker variiert.
Rauch und Flammen hinterlassen rote und graue Färbungen auf den Gefäßen, an manchen Stellen im
Ofen entsteht ein tiefes Blau.
Die Brennweise des Ofens beruht auf Erfahrungen, die japanische Keramiker bei der Herstellung
künstlerischer Gefäße, speziell für die Teezeremonie, in den letzten vierhundert Jahren gesammelt
haben. Zarte Schalen für Ikebana stehen neben kraftvollen asymmetrischen Gefäßen und großen
Bodenvasen aus der Echizen-Tradition.
Wer einmal versucht hat, eine Keramik von so spezifisch japanischem Charakter in einer europäischen
Wohnung zu benutzen, wird bald bemerken, wie sehr ihre Ästhetik sich zur westlichen Moderne des
20.Jahrhunderts fügen kann, zumal in den klaren Formen, die Jan Kollwitz bevorzugt.

Die Ausstellung präsentiert zahlreiche von Jan Kollwitz geformte Keramiken, gebrannt in dem Anagama-
Ofen in seiner Werkstatt in Cismar. Ergänzt wird die Ausstellung durch großformatige Fotografien, die
eindrucksvoll die Modellierarbeit und den Brennvorgang dokumentieren.
Zur Finissage der Ausstellung am 28. September 2014 wird der Künstler einen Vortrag über japanische
Keramik, die spezielle Brennkunst und das Abenteuer, einen japanischen Ofen in Holstein errichten zu
lassen, halten

Biografie Jan Kollwitz
* 1960 in Berlin
1983 – 1985 Ausbildung bei Horst Kerstan
1986 – 1987 Schüler von Yutaka Nakamura, Echizen (Japan)
seit 1987 Austausch mit Kazu Yamada, Echizen (Japan)
1988 Bau des Anagama-Holzbrennofens durch Tatsuo Watanabe
seit 1988 Werkstatt in Cismar
seit 1990 Ausstellungen im In- und Ausland
2011 Kulturpreis Ostholstein
2011 Stipendiat der Villa Massimo, Rom