Isa Genzken. Neue Werke

22.11.2014 - 22.02.2015
Museum der Moderne Salzburg
Mönchsberg 32 , 5020 Salzburg, Austria
http://www.museumdermoderne.at

Das Museum der Moderne Salzburg stellt eine neue sensationelle Werkgruppe
der deutschen Künstlerin Isa Genzken als weltweite Premiere vor.
In dieser Fokusausstellung wird erstmalig eine neue
Werkgruppe aus rund zwanzig Skulpturen und Wandarbeiten präsentiert, die die
international gefeierte deutsche Künstlerin Isa Genzken eigens für diesen Anlass
geschaffen hat. Isa Genzken (geboren 1948 in Bad Oldesloe, lebt in Berlin) ist eine
der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen, die ihr Werk im Kontext
Nachkriegsdeutschlands in einem kritischen Dialog mit der europäischen und der
US-amerikanischen Kunst entwickelte. „Über einen Zeitraum von inzwischen vier
Dekaden hat sie ein Werk geschaffen, das sich gleichermaßen durch permanente
Erneuerung und innerhalb der unterschiedlichen Werkgruppen durch eine überaus
spezifische künstlerische Arbeitsweise und eine unverwechselbare Sprache
auszeichnet“, fasst Sabine Breitwieser, Direktorin am Museum der Moderne Salzburg
und Kuratorin der Ausstellung, zusammen. Sie konnte Isa Genzken, deren Werk seit
den 1970er-Jahren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen auf der ganzen
Welt präsent ist, aufgrund ihrer langjährigen Zusammenarbeit für diese Premiere in
Salzburg gewinnen. Bereits 1996 widmete sie Genzken eine große Werkschau in der
Generali Foundation. Genzkens jüngste, überaus erfolgreiche Retrospektive in den
Vereinigten Staaten, die – von Sabine Breitwieser ko-kuratiert – am Museum of
Modern Art in New York ihren Ausgang nahm und anschließend ans Museum of
Contemporary Art in Chicago tourte, ist derzeit noch bis Anfang Januar 2015 am
Dallas Art Museum zu sehen.
Mit ihren in regelmäßigen Abständen völlig neu konzipierten Werken löst Isa
Genzken stets Diskussionen aus. Ihre einzelnen Werkgruppen treten auf wie
Protagonisten in einem Spiel mit offenem Ende, in dem Elemente des Persönlichen,
Autobiografischen und Fiktiven sich in einer bislang ungekannten Dialektik
zusammen mit technisch-wissenschaftlichen Prinzipien und dem Konstruktiven
formieren. In der jüngsten Retrospektive entfaltete sich jedoch ein Gesamtwerk, das
sich als in sich schlüssig erwies. Auch die neue Werkgruppe schließt, trotz aller
Überraschungseffekte, an die Suche der Künstlerin nach einer zeitgemäßen Skulptur
an. Die Ausstellung umfasst 16 freistehende Skulpturen, zwei Boden- und sieben
Wandarbeiten, die ungewöhnlich inszeniert sind. Sie bilden eine Art Prozession, die
die Besucher_innen vom Treppenhaus bis in den Skulpturenbereich auf Ebene 2
führt, wo der Parcours mit Wandarbeiten aus Spiegelfolie und Klebebändern endet.
In den 1970er-Jahren suchte Genzken – als Reaktion auf den russischen und
sowjetischen Konstruktivismus und den amerikanischen abstrakten Expressionismus
– nach einer zwar europäischen, aber doch international relevanten Antwort auf den
Minimalismus. Sie schuf in aufwendigen Arbeitsprozessen hergestellte Skulpturen,
bis zu zehn Meter lange Ellipsoide und Hyperbolos aus Holz in unterschiedlich
behandelten Oberflächen und Farben, die den Boden nur am Mittelpunkt oder an den
beiden äußersten Punkten berühren. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Formen und
Dimensionen konnten diese Skulpturen nie vollständig von einem Punkt im Raus aus
erfasst werden. Die Betrachter_innen wurden dazu veranlasst, ihr Verhältnis zu den
Arbeiten in Form einer räumlichen Begehung zu bestimmen. In scheinbar völliger
Abkehr vom Prinzip der auf mathematischen Berechnungen basierenden und auf die
Ausführung durch Spezialist_innen angewiesenen Werke begann Genzken in den
1980er-Jahren, mit Gips- und Betongüssen zu arbeiten – sie entschloss sich damit zu einem künstlerischen Arbeitsprozess, den sie allein kontrollieren konnte. Diese an
Ruinen erinnernden Skulpturen nahmen Architekturformen wie Fenster und Türen an
und fanden später in Epoxidharzgüssen, die die innere Metallstruktur offenlegten,
ihre Fortsetzung. In dieser Zeit begann Genzken, auch Arbeiten für den öffentlichen
Raum zu entwickeln und mit Film zu arbeiten. Parallel zu ihrer bildhauerischen Arbeit
hat sich Genzken auch immer mit Malerei und Fotografie beschäftigt. Ihre Gemälde
aus den Basic Research- und MLR-Serien, die in Frottage- und Sprühtechnik
entstanden sind, sowie ihre Fotoarbeiten auf Basis von Röntgenbildern nehmen
inzwischen den gleichen Stellenwert wie ihre Skulpturen ein.
Von hier war es ein relativ kleiner Schritt zu jener Arbeitsweise, die Genzken seit den
2000er-Jahren verfolgt, nämlich zur Herstellung von Werkensembles in Form einer
von ihr eigens entwickelten Assemblage-Technik: Skulpturen und Wandarbeiten aus
Materialien aus dem Baumarkt oder aus Dekorgeschäften werden zu Dioramen
zusammengefügt und mit Sprühfarbe akzentuiert. „Ich wollte immer den Mut haben,
etwas ganz anderes, ganz und gar Verrücktes und Unmögliches oder auch Falsches
zu tun. (…) Film ist für mich die Verbindung von allen Künsten und möglicherweise
auch die öffentliche Kunst, d. h. die am meisten gesehene. Das macht den Film so
attraktiv, um für ihn wirklich neue Ideen zu entwickeln“, deklariert sich Isa Genzken in
einem Interview Mitte der 1990er-Jahre. In zahlreichen Assemblagen der letzten
Dekade, wie zum Beispiel in Empire/Vampire. Who Kills Death (2002–2004) oder in
der Serie Kinder Filmen (2005) und in ihren Schauspielern (2012) – den Vorläufern
zur neuen Werkgruppe, die in Salzburg Premiere hat – führt sie uns Film als Diorama
und Filmset von seltsamen, der Konsum- und Warenwelt entnommenen Gestalten
und Formen vor. Wie sie selbst sagt, will sie „Skulpturen machen, die eine Filmszene
darstellen, also Modellcharakter haben, nicht Skulpturen im traditionellen Sinn,
sondern in einer Bewegung der Figuren und der Perspektive“.
Die Ausstellung ist eine Koproduktion von Museum der Moderne Salzburg und MMK
Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main.
Kuratorinnen: Sabine Breitwieser, Direktorin, Museum der Moderne Salzburg;
Susanne Gaensheimer, Direktorin, MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am
Main