Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende

22.05.2015 - 20.09.2015
Alte Nationalgalerie
Bodestraße, 10178 Berlin
http://www.imexinberlin.de

Die Gemälde des Impressionismus und des Expressionismus sind weltweit Publikumsmagneten. Im Sommer 2015 präsentiert die Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin eine einzigartige Ausstellung, die sich erstmals dem Vergleich beider Stile widmet. Die Nationalgalerie erwarb seit 1896 durch ihren Direktor Hugo von Tschudi die erste Museumssammlung impressionistischer Bilder, noch vor Paris und anderen Metropolen. Tschudis Nachfolger Ludwig Justi wiederum trug nach 1918 im ehemaligen Kronprinzenpalais eine berühmte Sammlung von Werken der Expressionisten zusammen.

In einer umfassenden Schau wird nun den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen beiden Bewegungen sowie der großen Popularität dieser Stile nachgespürt. Gut 160 impressionistische und expressionistische Meisterwerke überwiegend deutscher und französischer Künstler aus den Beständen der Nationalgalerie und aus internationalen Museen werden in der Alten Nationalgalerie gezeigt.

Die Entwicklung des Impressionismus verbindet sich in Frankreich mit Künstlern wie Monet, Degas oder Renoir und in Deutschland mit Malern wie Liebermann, Corinth und Slevogt. Die heftige Gegenreaktion des Expressionismus fand in Deutschland ihre stärkste Ausprägung – bei Malern wie Kirchner, Heckel, Nolde und Marc.

Keine anderen Stile sind zu ihrer Zeit so intensiv und scharfzüngig miteinander verglichen worden. Alle Versuche, die Eigenschaften der „Eindruckskunst“ und „Ausdruckskunst“ zu erfassen, liefen auf eine antithetische Gegenüberstellung hinaus: Hier der lebensfrohe Impressionismus französischer Prägung, dort der existentialistische deutsche Expressionismus.

Die Übereinstimmungen zwischen Impressionismus und Expressionismus sind trotz gegensätzlicher Ansätze jedoch überraschend groß. Gemeinsam ist ihnen der antiakademische Affront und der Aufbruch in die Moderne. Es verbinden sie die Hochschätzung der Freilichtmalerei sowie die Umsetzung unmittelbarer Licht-, Farb- und Gefühlserlebnisse. Für Vertreter beider Stile sind Subjektivität und die Individualität der Pinselschrift positive Werte. Nicht zuletzt der Übergang vieler Künstler von impressionistischen zu expressionistischen Gestaltungsweisen beweist die strukturelle Verwandtschaft beider Stile.

Nachdem sich das Publikum an den skizzenhaft-spontanen Pinselduktus gewöhnt hatte, begann der bis heute andauernde Siegeszug beider Stilrichtungen. Die dem Alltag entnommenen Motive – die Stadt mit ihren Straßen und Plätzen, die Menschen in den Bars, Cafés und Restaurants, die Orte der Freizeit am Rande der Stadt, an den Seen und am Meer, die Familie und das private Umfeld – trugen wesentlich zur Beliebtheit beider Stile bei. Gesellschaftskritische Züge werden erst ab 1910 verstärkt sichtbar. Die Ausstellung ist nach den gemeinsamen Hauptmotiven beider Stilrichtungen gegliedert und nimmt das gesamte Mittelgeschoss der Alten Nationalgalerie ein