HORST JANSSEN „ICH WILL NORWEGER WERDEN“

19.06.2016 - 11.09.2016
Olaf Gulbransson Museum, Tegernsee
Kurgarten 5, Tegernsee
http://www.olaf-gulbransson-museum.de

HORST JANSSENS REISE NACH SKANDINAVIEN MIT GESCHE TIETJENS
Zweigmuseum der Pinakotheken: Olaf Gulbransson Museum , Tegernsee

Das Werk des in Oldenburg aufgewachsenen Zeichners und als Egomane verschrienen Horst Janssen weist zahlreiche Parallelen zu dem des norwegischen „Titans der Zeichenkunst“ Olaf Gulbransson auf. Als kongeniale Illustratoren von Büchern, begnadete Schreiber von hinreißend gezeichneten Briefen und Freunde von gewichtigen politischen Meinungsbildnern ihrer Zeit erscheinen sie im Rückblick als Seelenverwandte.
1971 reiste Horst Janssen durch Norwegen – Olaf Gulbranssons Heimat –, Finnland und Schweden. Die Anregung zu der Reise kam von Gesche Tietjens, seiner damaligen Lebensgefährtin. Was Janssen sah, zeichnete er und schrieb Briefe an Joachim Fest, Hitler-Biograf und ehemaliger FAZ-Herausgeber. Fest war mit Janssen von 1970 bis zu seinem Tod 1995 befreundet und Autor der ersten biografischen Annäherung an diesen.
Janssens zartfarbige Landschaftsskizzen, seine sprechenden Tagebuchaufzeichnungen und sprachgewaltigen Briefe an Fest sowie Tietjens Fotos dokumentieren Janssens Reise.
Horst Janssen war bis dahin kein Reisender gewesen, aber mit Gesche Tietjens wagte er sich mit dem zärtlich „Volvi“ titulierten Volvo bis nach Skandinavien. Ihre von 1968 bis 1972 dauernde Beziehung wird in zahlreichen Briefen von Janssen an sie dokumentiert.
2004 erstmals unter dem Titel „Ach Liebste, flieg mir nicht weg“ publiziert, spiegeln sie die suggestive Kraft der Verführung des manischen Zeichners und Schreibers und faszinieren durch den Janssen eigenen Stil der gezeichneten Briefe. In diesen „ähnelt“ er Gulbranssons gezeichneten Briefen sehr: Janssen wie Gulbransson entwickelten einen speziellen Schreibstil, der durch Wortakrobatik, Bildhaftigkeit und Lautmalerei gekennzeichnet ist. Sie verknüpften Zeichnung und Text zu einer Einheit und überzeugen noch heute in der kongenialen Verwendung beider Gattungen.
Janssen war schon zu Lebzeiten eine Legende, nicht zuletzt, weil er die bürgerliche Vorstellung vom Künstler als Bohemien perfekt verkörperte – als Egomane und Provokateur, als Lebemann, Trinker und Exzentriker, der Sätze sagte wie: „Meine Hölle bin ich selber“ oder „Ich bin die Gnade Gottes“. Der mehrfach ausgezeichnete Film „Janssen: Ego“ aus dem Jahr 1989 wird in der Ausstellung gezeigt und stellt den Künstler und Menschen vor.
Dank an die Claus Hüppe-Stiftung und das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg für die Leihgabe der gezeichneten Briefe, Gesche Tietjens für die Fotografien und einem Ungenannten für die Skandinavien-Zeichnungen.
Begleitprogramm:
Ausstellungsbegleitend wird der Film „JANSSEN:EGO“ gezeigt.
Peter Voss-Andreae hat den Künstler und Menschen acht Jahre lang beobachtet und daraus einen Film montiert, der genau so wild, aufbegehrend, intelligent und polemisch ist wie Janssen selbst. Nichts in diesem Film ist gestellt oder inszeniert; dennoch sind Begriffe wie Dokumentarfilm oder Künstlerporträt fast eine Beleidigung für ihn, weil er die gängige Vorstellungen von diesem Genre weit hinter sich lässt.